Physik-Nobelpreisträger wünscht sich mehr Risikobereitschaft in der Forschung

19. September 2012, 13:08

Johannes Georg Bednorz vermisst Freiraum

Graz - Die europäische Industrie ist, um auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig zu sein, auf Forschung, Entwicklung und Mut für das Neue angewiesen. "Wer unbekanntes Gelände betreten will, muss auch eine gewisses Bereitschaft zum Risiko mitbringen, das gilt auch für die Forschung", ist der deutsche Physik-Nobelpreisträger Johannes Georg Bednorz überzeugt. Der Keynote-Speaker auf der am Mittwoch eröffneten Europäischen Rohstoffkonferenz EUMICON vermisst diese Risikobereitschaft zunehmend sowohl in der europäischen Forschung als auch in der Industrie, wie er im Pressegespräch am Dienstagabend schilderte.

Sie folgten kühn ihrer Intuition, ließen sich auf ein Unterfangen mit ungewissem Ausgang ein und verfolgten hartnäckig ihre Idee: Das brachte die beiden Forscher Karl Alexander Müller und Johannes Georg Bednorz 1986 auf die Spur eines neuartigen Hochtemperatursupraleiters in Keramiken aus Kupferoxiden, der widerstandslosen Stromfluss bei weitaus höheren Temperaturen als bisher ermöglicht. Das Nobelkomitee würdigte Müller und Bednorz schon ein Jahr nach ihrer Entdeckung. Ihren damaligen Erfolg führt Bednorz nicht zuletzt auf die Bereitschaft zurück, Neuland zu betreten und Versagensängste über Bord zu werfen. "Was heute in der europäischen Forschung fehlt, ist auch die Zeit, etwas Außerordentliches zu probieren, auf Entdeckungsreise zu gehen", konstatierte der Nobelpreisträger. Im Vergleich zu den 1980er-Jahren gebe es für die risikoreichere und langfristig angelegte Grundlagenforschung auch von der Industrie zunehmend weniger Freiraum.

In der Schule muss es beginnen

Eine große Herausforderung für die globale Konkurrenzfähigkeit des Forschungs- und Wissenschaftsstandortes Europa sei es heute auch, bei jungen Leuten das Interesse an Naturwissenschaft und Technik überhaupt zu wecken: "Die jungen Talente müssen stärker gefördert werden. Das fängt in der Schule an - bei den Schülern und auch bei den Lehrern: Es muss Lehrer geben, die die Schüler für das Fach begeistern", so Bednorz. Grundlegend sei es, die Kreativität der Schüler zu fördern und die Risikobereitschaft in richtige Bahnen zu lenken.

Dass die Naturwissenschaften und Ingenieurstudien in der Beliebtheitsskala der Schüler im unteren Bereich rangieren, bereitet auch Andreas Gerstenmayer, CEO des Leiterplattenspezialisten AT & S mit Headquarter in Leoben-Hinterberg, Sorgen: "Wir haben zu wenig Nachwuchs im Bereich Naturwissenschaft und Technik", schilderte er im Vorfeld der Rohstoffkonferenz EUMICON. Von der österreichischen Politik wünscht er sich Infrastruktur, "in der die jungen Leute gerne forschen", Basisforschung müsse finanziell stärker gefördert und der Transfer von der Grundlagenforschung in die industrielle Umsetzung verbessert werden. (APA, derStandard.at, 19. 9. 2012)

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11 Postings

m.W. ist es Risiko genug, in Ö überhaupt in die Forschung gehen zu wollen ...

was in Natur- und Technischen Wissenschaften noch einigermaßen geht, ist in Geisteswissenschaften allein schon als Studienentscheidung eine riskante Sache ...

Heutzutage muss man bei Forschungsanträgen schon die Ergebnisse wissen

So wird das nix.

Stimmt. Das fällt aber niemandem in der Forschungsverwaltung oder in der Forschungsförderung auf.

Es wäre kein Problem für Österreich einen Teilchenbeschleuniger zu finanzieren. *So* müsste man damit anfangen.

nicht in der Schule muss es beginnen, bei Forschungsanträgen und Projekten muss es weitergehen!

Sonntagsreden!

In der wirklichen Welt gilt Publish or Perish, was anderes als schnelle Erfolge gibt es nicht.

natürlich sind die forderungen von bednorz nachvollziehbar und würden die forschung beleben. problem ist, dass die forschung von wirtschaftlichen überlegungen dominiert wird.

genehmigt wird was aussichtsreiche resultate verspricht - die gesamte proposal schreiberei ruiniert die wissenschaft und verhindert dass unkonventionelles konventionell wird - das ist mit stillstand vergleichbar. das forschungsgebiet rund um hoch temperatur supraleitung ist da eh ein gutes beispiel - eine höchst festgefahrene sache und wenig spielraum für unbekannte ideen.

"genehmigt wird was aussichtsreiche resultate verspricht"

Das ist mit ein Aspekt, weshalb die Forschung tatsächlich sehr konservativ und relativ wenig innovativ ist.
"Aussichtsreiche Resultate versprechen" können nur Projekte, die sich auf sicherem und bereits bekanntem Terrain bewegen.
Denn für wirkliche Neuerung - die meist überraschend sind - können Sie zum Zeitpunkt des Projektantrags keinerlei "aussichtsreichen Resultate" versprechen. In einem wirklichen Neuland ist es unmöglich, in die Zukunft zu sehen.

Allein der Unsinn, dass man bei Projektanträgen "mögliche Auswirkungen (impacts) auf das Gebiet und andere Disziplinen" angeben muss, spricht Bände.

Es wird übersehen, dass sich Überraschungen nicht planen lassen!

"Was heute in der europäischen Forschung fehlt, ist auch die Zeit, etwas Außerordentliches zu probieren, auf Entdeckungsreise zu gehen"

eine solche Attitüde ist in der heutigen Forschungslandschaft tatsächlich nicht mehr möglich. Jede größere Abweichung vom mainstream wird bekämpft. Der Sinn für Neues und für gute, neue Resultate bringende Forschungsprojekte geht dadurch verloren. Solche Projekte werden daher gar nicht erst genehmigt - sie schaffen es nicht durch die Begutachtung, die ja vom Mainstream erfolgt.

und weil diese risikobereitschaft so wichtig ist, haben projekte mit mehr als zwei jahren dauer und ungewissem ausgang z.b. beim fwf auch die allerbesten chancen...

Ungewöhnliche Ideen für das Betreten von Neuland,...

.
gibt es hier ---> http://www.rexresearch.com/

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