Lehrerausbildung: Parlamentarier wollen bei Reform "Sack zumachen"

19. September 2012, 11:24
  • Schnelle Reformen bei der Lehrer-Ausbildung, fordern die Bildungssprecher von SPÖ und ÖVP.
    foto: apa/schneider

    Schnelle Reformen bei der Lehrer-Ausbildung, fordern die Bildungssprecher von SPÖ und ÖVP.

VP-Wissenschaftssprecherin und SP-Bildungssprecher streben Einigung noch in dieser Legislaturperiode an

Wien - VP-Wissenschaftssprecherin Katharina Cortolezis-Schlager und SP-Bildungssprecher Elmar Mayer wollen mit ihren Parlamentsfraktionen die gesetzlichen Regelungen der von der Regierung geplanten Reform der Lehrerausbildung vorantreiben. "Ich glaube, es kristallisiert sich zunehmend ein Modell heraus, wo man den Sack zumachen kann", so Cortolezis bei einem gemeinsamen Hintergrundgespräch am Dienstagnachmittag.

"Wir bringen uns hier ein, weil wir die Befürchtung hatten, dass es sich sonst in dieser Legislaturperiode nicht mehr ausgeht", so Mayer. Bei ihren Aktivitäten könnten die beiden bis zu Initiativanträgen im Parlament gehen - freilich "ohne uns in die Ministeriumsarbeit einmischen zu wollen", betonte er.

Gespräche mit Betroffenen

Zuvor hatten die beiden Parlamentarier sich vom Entwicklungsrat, der von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) und Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) zur Steuerung eines gemeinsamen Angebots von Universitäten und Pädagogischen Hochschulen (PH) eingerichtet wurde, über den aktuellen Stand informieren lassen. Gespräche mit weiteren Betroffenen sollen folgen. Cortolezis nannte hier die Unis, die derzeit Lehrer für höhere Schulen ausbilden und die PH, an denen die Pflichtschullehrerausbildung stattfindet, außerdem Lehrer-, Schüler- und Elternvertreter.

Längere Ausbildung nötig

Mayer und Cortolezis zeigten sich einig, dass für die Lehrerausbildung angesichts vielfältiger Herausforderungen wie Migration, Individualisierung oder Talenteförderung eine längere Ausbildung nötig sei. Derzeit dauert die Ausbildung an den PH drei Jahre, an den Unis neun Semester plus ein Jahr Unterrichtspraktikum. Künftig sieht das Modell vor, dass man nach einem vierjährigen Bachelorstudium zwar schon unterrichten kann, eine Fixanstellung soll es aber erst mit dem Master geben. Geplant ist zudem eine einjährige Induktionsphase, in der Junglehrer von Mentoren in die Praxis eingeführt werden. Einig sind sich Cortolezis und Mayer auch, dass es künftig für alle Lehramtsinteressenten Eignungsprüfungen geben muss. Das ist derzeit nur an den PH der Fall.

Zur Qualitätssicherung bei den künftigen Lehrerausbildungsstätten würden sich die beiden Abgeordneten wünschen, dass der Entwicklungsrat - bestehend aus Ex-VP-Bundesrat Andreas Schnider, Didaktiker Roland Fischer, Bildungspsychologin Christiane Spiel und Fachhochschulrektor Arthur Mettinger - über die laufende Legislaturperiode hinaus bestehen soll.

"Viel weiter als vor einem halben Jahr"

Fischer selbst bewertete die Initiative der Parlamentarier positiv. "Das war irgendwie notwendig." Denn: "Es gab Phasen, wo ich mich gefragt habe, ob das in dieser Legislaturperiode noch was wird." Nach Gesprächen mit zahllosen Betroffenen sei man bei der Erarbeitung eines akkordierten Vorschlags für die Reform schon "viel weiter als vor einem halben Jahr".

Die Erwartungen der Parlamentarier an die Reform sind jedenfalls groß. "Unser Ziel muss sein, die modernste Lehrerausbildung in Europa zu entwickeln", so die VP-Wissenschaftssprecherin. Und dieses Ziel sei "keine Vision, sondern durchaus in greifbarer Nähe". (APA, 19.9.2012)

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8 Postings

Machts den Sack endlich zu. Und sperrts auch gleich den Strasser ein!

Sack auf, Frau Finanzministerin!

Wer "Sack zu" sagt, findet nichts dabei, ForscherInnen, Lehrende, StudentInnen im Finstern zappeln zu lassen. Die "Sack zu"-BildungssprecherInnen von SPÖ + ÖVP sollten lieber "Sack auf!" sagen zur Finanzministerin. Die EntwicklungsrätInnen des BMUKK+BMWF sollten gemeinsam mit den DienstrechtsverhandlerInnen dafür sorgen, dass offene Fragen (Ausbildungsstätten + ihre Ausstattung, wissenschaftliches, praxisorientierte Masterstudium für alle, Arbeitszeitreduktion/bezahlte Karenz für berufsbegleitend MA-studierende LehrerInnen, Bundeskompetenz statt teurer Mehrgleisigkeit durch Landesparteikompetenzen, ganztägige Gesamtschule, bundeseinheitliche Elementarbildung. Bildung kostet. Höchste Zeit für soziale Umverteilung und Bildungsrettungspakete!

in der zeit vor den bildungsexperten

hat unterrichten noch spaß gemacht.

Meiner Meinung nach kann man die Ausbildung erst dann reformieren, wenn man weiß, welche Anforderungen auf die Lehrer zukommen (Stichwort: neues Lehrerdienstrecht).

Nachdem man aber keine anständige Bildungsreform zusammenbringt wird alles schön filetiert (Dienstrecht, Ausbildung, Schulreform, ...) bis nachher nichts mehr zusammenpasst.

Ich würde mindestens ein Doktoriatsstudium verlangen, und dann Jährlich Weiterbildung, Mediation Coaching, Ausbilduing aller Migrantensprachen /Russisch, Türkisch, Italienisch, Afrikaans, .. alles halt bis auf, Deutsch , dieses abschaffen .. braucht keiner mehr)
Und Rückzahlung der Ausbildungskosten bei Kündigung.
Den Eltern würd ich jede Erzeihungsverantwortung nehmen.. die paar davon abzuhalten schaffen wir auuc noch .

das ziel, die modernste lehrerausbildung europas zu haben, sei in greifbarer nähe?!

hierbei darf man allerdings nicht vergessen, dass der superlativ "modernste" nicht mit dem superlative "beste" gleichgesetzt werden darf. aber auch wenn es die beste wäre, dann müsste man genügend junge menschen finden, die diese ausbildung auch absolvieren wollten. bei den gehalts- und arbeitszeitvorstellungen, die derzeit vonseiten der politiker gängig sind, scheint mir das das größte hindernis zu sein.

ziele

.. modernste lehrerausbildung in europa und geringstmögliche bezahlung im beruf.

Ich mache auch immer den Sack zu,

bevor ich den Müll hinuntertrage.

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