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Tokio - Nach einer der schnellsten und erfolgreichsten Sanierungen in Japans Wirtschaftsgeschichte ist die Fluglinie Japan Airlines (JAL) drei Jahre nach ihrer Pleite an die Börse zurückgekehrt. Doch ein Kursfeuerwerk war der wieder hochprofitablen Linie nicht vergönnt. Billiglinien verschärfen den Konkurrenzkampf.
Zum Ende des ersten Handelstages notierte das Papier am Mittwoch mit 3.830 Yen (37,3 Euro), 0,5 Prozent über dem Eröffnungskurs von 3.810 Yen. Der Ausgabepreis hatte 3.790 Yen je Aktie betragen. Es war nach Facebook der größte Börsengang in diesem Jahr und der größte in Japan seit dem Debüt der Versicherungsgesellschaft Dai-Ichi Life Insurance 2010. Auf Basis des Eröffnungspreises kommt JAL auf einen Marktwert von rund 691 Mrd. Yen, deutlich mehr als die 630 Mrd. Yen des heimischen Erzrivalen All Nippon Airways (ANA).
JAL hatte 2010 Konkurs anmelden müssen, die Aktie ging vom Markt. Danach wurde JAL unter Führung des charismatischen Kyocera-Gründers Kazuo Inamori einer Rosskur unterzogen. Rund 16.000 Stellen oder rund ein Drittel der Gesamtbelegschaft fielen weg, unprofitable Strecken wurden gestrichen und Pensionsverpflichtungen drastisch gekürzt. Heute zählt Japan Airlines wieder zu den profitabelsten Fluglinien der Welt. "Die Notierung unserer Aktie ist nur der Startpunkt für unser Abheben als "die neue JAL", sagte Präsident Yoshiharu Ueki am Mittwoch. Die staatliche Sanierungsgesellschaft Enterprise Turnaround Initiative verkaufte 175 Millionen Aktien oder 97 Prozent aller Papiere.
Mit dem Börsengang nimmt die Regierung fast das Doppelte dessen ein, was sie an Steuergeldern (350 Mrd. Yen) in die Sanierung des Unternehmens gesteckt hatte. Damit ist es zugleich eine der erfolgreichsten Sanierungen in der japanischen Wirtschaftsgeschichte. Der Betriebsgewinn belief sich in dem am 31. März abgelaufenen Geschäftsjahr auf den Rekord von 204,9 Mrd. Yen, ein mehr als doppelt so hohes Ergebnis wie bei ANA: der Lufthansa-Partner kam auf 97 Mrd. Yen. Im 1. Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2012/2013, das Ende Juni schloss, stieg der Betriebsgewinn zum Vorjahreszeitraum um 83,1 Prozent auf den Rekord von 31,4 Mrd. Yen.
Doch die hervorragenden Ergebnisse löste in der Branche auch Kritik aus, dass die hohen Staatsinvestitionen den Wettbewerb verzerrt hätten. Transportminister Yuichiro Hata erklärte am Mittwoch, dass seine Regierung dies überprüfen und notfalls JAL Anweisungen geben werde. JAL hatte Ende August zunächst eine Preisspanne von 3.500 Yen bis 3.790 Yen je Aktie angegeben, was am Markt jedoch als zu billig angesehen worden war. Schließlich wurde der Ausgabepreis je Aktie auf 3.790 Yen festgesetzt. Nach Handelsauftakt stieg der Kurs zwischenzeitlich auf bis zu 3.905 Yen. Das Handelsvolumen belief sich auf 155,5 Mrd. Yen, das höchste an diesem Tag an der gesamten ersten Sektion der Tokioter Börse.
Zwar haben manche Marktteilnehmer die Hoffnung, dass der Börsengang von JAL den gesamten Markt stimulieren wird. Andere sind jedoch in ihrer Einschätzung der weiteren Entwicklung des Unternehmens eher vorsichtig und verweisen auf die wachsende Konkurrenz durch Niedrigpreis-Anbieter. Manche Analysten rechnen denn auch damit, dass die Aktie nicht weiter signifikant anziehen wird. Chefsanierer Inamori plant unterdessen nach eigenen Angaben, sich voraussichtlich im Frühjahr 2013 aus dem JAL-Projekt zurückzuziehen. (APA, 19.9.2012)
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