Neuwahlen provozieren geht selten gut

Kolumne | Hans Rauscher, 18. September 2012, 18:54

Ein Urnengang wäre für die SPÖ zu riskant

Die Aufregung um provozierte vorzeitige Neuwahlen ist schon wieder vorbei. Wiens Bürgermeister Michael Häupl hatte zwar beglückt die Beleidigung durch den ÖVP-Klubobmann Karlheinz Kopf aufgenommen, der das Eigentum der Österreicher vor "Dieben und Sozialdemokraten" schützen will. "Wos wollt's? Neuwahlen? Kennt's haben!" So etwa lässt sich Häupls politische Intervention auf den Punkt bringen. Die SPÖ-Bundesspitze will aber offenbar jetzt keine vorzeitigen Neuwahlen, obwohl die Ausgangslage für die Sozialdemokraten relativ gut ist: rund 30 Prozent für die SPÖ, die ÖVP und Strache in der Nähe der 20 Prozent, Grüne in einem kleinen Hoch.

Aber die Aussicht auf eine rot-grüne Mehrheit - und nur dann hätte eine provozierte Neuwahl Sinn - ist zu schwach. Solche Coups gehen leicht in die Hosen. In Wiener politikinteressierten Kreisen wird jetzt die Erinnerung an den letzten derartigen Vorfall diskutiert. Im Jahre 1995 versuchte der frischgebackene ÖVP-Obmann Wolfgang Schüssel mit vom Zaun gebrochenen Neuwahlen die ÖVP zur Kanzlerpartei zu machen und fiel dabei kräftig auf die Nase.

Schüssel war im April 1995 eher überraschend zum ÖVP-Vorsitzenden gewählt worden und verblüffte seine seit 1987 an die Position als Nr. 2 in der Koalition gewöhnte Partei mit dem Schlachtruf: "Mit euch will ich Bundeskanzler werden!" Dass er es ernst meinte, stellte sich dann im Herbst allmählich heraus. Bei einer Reise als Außenminister in die USA informierte er die mitreisenden Journalisten bereits über die angebliche Unmöglichkeit, mit der SPÖ und ihrem Kanzler Franz Vranitzky eine vernünftige Wirtschaftspolitik zu machen (unpassenderweise wählte er dazu als Ort das Holocaustmuseum in Washington).

Von den Voraussetzungen her hielt Schüssel die Zeit für gekommen: Das große gemeinsame Projekt des EU-Beitritts war geschafft. Vranitzky büßte seine strikte Ablehnung einer Zusammenarbeit mit Jörg Haider: Sozialdemokratische Arbeiter, denen die Reform der Verstaatlichten Industrie missfiel, wanderten zur FPÖ ab. Der neue SPÖ-Finanzminister Andreas Staribacher wirkte schwach.

Schüssel glaubte, mit einem kühnen Vorgehen die relative Mehrheit erreichen zu können und hatte bei Haider wohl schon vorgefühlt. In typischer Manier benutzte Schüssel dann das Budget bzw. die Frage, ob nicht der ÖVP-Mann Johannes Ditz Finanzminister werden sollte, um die Koalition platzen zu lassen.

Die Neuwahlen am 17. Dezember gingen freilich nicht so aus, wie er erwartet hatte: Die ÖVP gewann nur ganz wenig (auf 28,3 Prozent), die SPÖ beachtlich (auf 38,1 Prozent) und die FPÖ verlor etwas (auf 21,9 Prozent). Eine schwarz-blaue Koalition wäre sich zwar immer noch ausgegangen, aber Schüssel kam damit innerparteilich (noch) nicht durch.

Sollte die SPÖ jetzt kurz überlegt haben, ob sie angesichts der Schwäche der ÖVP nicht auf eine rot-grüne Mehrheit losgehen sollte, so hat die Realität dann wohl ihr hässliches Haupt erhoben: Die Faymann-Partei ist zwar stabil auf Platz eins, aber nichts weist darauf hin, dass sie massiv zulegen könnte. Provozierte Neuwahlen wären zu riskant. (Hans Rauscher, DER STANDARD, 19.9.2012)

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Irgendwie fehlt der Molterer.

Der hat wenigstens gesagt, wenns ihm gereicht hat.

Das war eine schöne Wahl damals, Haider hat erstmals Stimmen verloren.

Mich könnts mit diesen Ganovenparteien gernhaben. Weiss oder bestenfalls Grün ist meine Devise

ich wähl auch nie wieder SPÖ - das war 2008 das 2. und das letzte mal

nur die Grünen sind die Steigbügelhalter für die SPÖ, siehe Wien... was tun?

Ah, ich glaub, es ist sinnlos - was man auch macht, es hilft der SPOe. Da kann man auch gleich die SPOe waehlen, dann kann man wenigstens eine Vorzugsstimme fuer seinen Lieblings-SPOe-Parlamentarier vergeben.

wählen Sie fpö. oder övp. oder bzö. oder stronach. das hilft der sp sicher nicht...

Na die OeVP ist wohl Nr 1 Steigbuegelhalter der SPOe, und eine Stimme fuer Stronach, BZOe oder FPOe schwaecht die Position der OeVP in einer grossen Koalition.

Nein, es gibt kein Auskommen, man muss die SPOe waehlen bei der naechsten Wahl.

müssen tut man gar nichts.

zumindest muss jeder sterben, frueher oder spaeter

Weiss stimmen bedeutet nicht, daß Nationalratssitze leer bleiben.

Weiss heißt, ihre Stimme wird auf SPÖ, ÖVP, FPÖ, BZÖ und Grüne aufgeteilt.
Weiß bedeutet derzeit, also nach der "Sonntagsfrage", sie wählen zu:
28% SPÖ, zu 21% ÖVP, zu 20% FPÖ.

Können sie damit leben? Dann wählen sie Weiss!

weiss kommt rot zugute

nur wenn man Schwarzer ist

nein
der letzte gewinner profitiert am meisten von ungültigen stimmen, das ist jetzt die spö

kurzfristig.
langfristig kommt es der demokratie zugute, wenn man aufhört, ständig das kleinere übel zu wählen anstatt auszudrücken: ihr alle seid nicht wählbar.

ist die frage
solange die wahlarithmetik gilt, werden dei stimmen aufgeteilt, und daher gehen die meisten stimmen an rot. das muss man wissen

Wenn der Trend zu lauter neuen Parteien anhält, die dann aber alle (+BZÖ) an der 4%-Hürde scheitern, ist Rot-Grün nicht völlig unmöglich. Angenommen 12% gehen an Kleinparteien (BZÖ, KPÖ, Stronach, Piraten, ...), dann reichen 44% für Rot-Grün. Keineswegs sicher, aber nicht denkunmöglich.

die frage ist allerdings, ob die sp nach pilzens anschüttungen noch mit den grünen will. dann doch wohl lieber mit der vp. da weiß man wenigstens, woran man ist.

Allerdings müsste die SPÖ

zuerst noch einen Canossagang antreten, denn das was die in den letzten Tagen puncto U-Ausschuss aufgeführt haben, insbesondere die Desavouierung von Frau Moser, da kann ich selbst als Roter nachvollziehen, dass die Grünen das nicht einfach runterschlucken um koalieren zu können!

Aber ich gebe Ihnen wahlarithmetisch recht, diese Chance besteht - klein aber fein!

sehe ich - auch als "roter" - eher nicht so. die spö macht schon in wien zu viel buckerln vor den grünen. das reicht schon völlig. weitere selbstdemütigungen vor einer 10%-partei sind nicht angebracht...

De Roten woin nix hackeln und andere Leit des Göd ausn Taschl ziagn

so könnte man auch frei übersetzt die Statements des Herren Kopf auf den Punkt bringen.

Herr Rauscher übersieht, dass bei der nächsten NR-Wahl

Stronach und auch die Piraten nur dann richtig Stimmen bekommen, wenn man ihnen Zeit zur Vorbereitung läßt.

Eine vorgezogene Neuwahl würde den neuen Parteien sicherlich schaden- und Rot-Schwarz-Grün geht sich sehr bequem aus.

Die GrünInnen zieren sich ein bisserl, sagen erst neckisch "ich bin eine anständige Partei..", dann aber sicher "Ja, ich will".

Ich werd AUF JEDEN FALL auf den flotten Dreier rot-schwarz-grün wetten, der ESM war die Generalprobe.

warum sollte die ÖVP einverstanden sein die Grünen daz zu nehmen?

das könnte nur ein Thema sein, wenn Rot-Schwarz sich nicht mehr ausgeht.

davon geht der vorposter wohl aus...

Die Großparteien lagen im internationalen Trend beim Schrumpfen!

Die klare Abgrenzung zur FPÖ hat der SPÖ noch nie sehr geschadet und hat ja auch Wähler, die ansonsten Grün oder gar nicht gewählt hätten, angezogen, um zB. den rechtsextremen Haider zu verhindern.

Schüssel ist das Pensionsthema (richtigerweise) angegangen, weil da eine demografische Zeitbombe tickt, und Vranitzky hat dann den berühmten Brief an die Pensionisten geschrieben. Da war die Wahl gelaufen!

Die SPÖ hatte ein massives Problem als die verstaatliche Schwerindustrie Arbeitsplätze abgebaut hat: da haben viele SPÖ-Stammwähler dann den Haider gewählt!

(Und in den 20er, 30er Jahren hat ein Teil der Arbeiter auch zwischen rot und braun gewechselt, das war schon immer so)

Die Analyse ist gut, nur in Bezug au Schüssel halbfertig.

Pensionssystem (richtigerweise) angegangen, ja aber nur zur Hälfte und zu Lasten der ASVG Pensionisten. Sonst ist nichts geschehen und das hat dem Wolferl auch das (pol.) "Knack" brochn.

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