Britisch, analytisch, Rapid-Fan: Bawag-Boss Byron Haynes

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Er gilt als Profisanierer, und als solcher wurde Byron Haynes Mitte 2008 auch in die Bawag gesetzt, als die einstige Gewerkschaftsbank vom Finanzinvestor Cerberus übernommen wurde. Nach einem halben Jahr als Finanzvorstand wurde Haynes im September 2009 auch zum Chef der fünftgrößten Bank des Landes ernannt. In das schlingernde Institut, das durch die Karibikgeschäfte rund um Wolfgang Flöttl Milliarden verloren hatte, hat Haynes Ruhe gebracht - zumindest nach außen hin. Große Schlagzeilen sind ausgeblieben. Intern wird saniert, verkauft, was nicht zum Kerngeschäft gehört und restrukturiert. Das Ziel: die Bawag auf Profitabilität zu trimmen - auch wenn dies 700 Jobs kostet.

In der Bank wird Haynes als freundlich und besonnen wahrgenommen. Als einer, der sich nicht in den Vordergrund drängt. Seine Art: ruhig britisch. Sein Stil: analytisch, er bringt die Dinge schnell auf den Punkt. Zu Emotionalitäten - wie sie Ex-Bawag-Chef Helmut Elsner zugeschrieben werden - neige er nicht. Das sind auch die Gründe, warum Haynes von den US-Investoren auserkoren wurde.

Für Haynes brachte sein Engagement in der Bawag auch einen Kulturwandel mit sich. In seinen bisherigen Jobs war er es gewohnt, als "Byron" angesprochen zu werden. In der Bawag sagte man "Mister Haynes" - aber nicht lange. An diese Art von Lässigkeit mussten sich die Mitarbeiter erst gewöhnen, heißt es. Der Chef hebt auch sein Telefon gerne selbst ab oder ruft jemanden an, um Informationen einzuholen.

Geholt hat Cerberus den Briten von ABN Amro, wo er nach einigen Stationen in der Finanzwelt gelandet war und zehn Jahre werkte.

Über sich selbst sagte Haynes einst, dass er "mehr europäisch als britisch" sei. Sein Lebenslauf unterstreicht das. Haynes ist 1966 in Enfield/London geboren und lebte als Kind mehrere Jahre in Namibia und Sambia, weil sein Vater im Minengeschäft aktiv war.

1988 heuerte Haynes nach seinem Betriebswirtschaftsstudium bei der KPMG in London an, von 1992 bis 1995 werkte er für den Wirtschaftsprüfer in Ungarn, wo er seine Frau kennenlernte. Heute lebt Haynes mit seiner Frau und zwei Söhnen (neun und zwölf Jahre) in Ungarn. Jeden Freitag schnappt er seine Tasche und reist nach Budapest. Sonntagabends geht's retour nach Wien. Bei seinem Amtsantritt hat sich Haynes auch als Fußballfan geoutet. Sein Herz schlug schon damals grün: für Rapid. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, 19.9.2012)

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