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Chagalls Geiger hängt wieder an der Wand, überwältigend in seiner Farbenpracht. Ein paar Säle weiter prangt La Perruche et la sirène von Henri Matisse. Auch altbekannte Arbeiten von Robert Rauschenberg, Jackson Pollock und Marlene Dumas fehlen nicht. Ganz zu schweigen von den Werken des russischen Suprematisten Kasimir Malewitsch, für die das Stedelijk Museum weltberühmt geworden ist.
2004 wurde das Stedelijk wegen Renovierungs- und Erweiterungsarbeiten geschlossen. Diese sind aufgrund von Pleiten, Pech und Pannen mit insgesamt 127 Millionen Euro um 20 Millionen zu teuer ausgefallen und haben auch vier Jahre länger gedauert als geplant. Direktorin Ann Goldstein, die 2010 vom Contemporary Museum in Los Angeles ans Stedelijk kam, musste fast drei Jahre lang ein geschlossenes Institut leiten: "Das war nicht leicht", sagt sie. "Museen haben offen zu sein!" Nun wird Königin Beatrix wird das einst tonangebende Museum, das jungen Künstlern den Weg ebnete und mit Ausstellungen wie der Malewitsch-Schau 1989 Geschichte schrieb, am Samstag feierlich wiedereröffnen.
Es ist doppelt so groß wie bisher, das Amsterdamer Architekturbüro Benthem Crouwel lässt den spektakulären neuen Flügel ie eine riesige, weiße Badewanne vor dem historischen Backsteinbau von 1895 schweben.
Besucher landen unter dieser "Badkuip" zwischen vier Stelzen im Eingangsbereich, der von einer riesigen, als knallgelbe Tunnelröhre gestalteten Rolltreppe dominiert wird. So wie außen lassen die Architekten auch im Entrée Alt und Neu aufeinanderprallen.
In den Ausstellungssälen hingegen haben sie den Übergang gleitend gestaltet: Im alten wie im neuen Trakt liegen dieselben Eichenholzböden, alle Wände sind weiß, gemäß dem legendären Stedelijk-Direktor Willem Sandberg, der das Haus zwischen 1945 und 1962 in einen "white cube" machte.
Neben Wechselausstellungen - zum Auftakt Beyond Imagination mit Arbeiten von 21 in den Niederlanden lebenden Künstlern - werden permanent Highlights aus der Sammlung präsentiert, darunter die jüngste Neuerwerbung: ein Porträt von Königin Beatrix des belgischen Malers Luc Tuymans. Direktorin Goldstein steht vor der Herausforderung, an alte ruhmreiche Zeiten anzuknüpfen: Ihr neues Stedelijk soll sich mit der Londoner Tate Modern und dem Centre Pompidou in Paris messen und 500.000 Besucher pro Jahr anziehen, 200.000 mehr als in den Jahren vor der Schließung,100.000 mehr als zu seinen besten Zeiten.
"Es mag zwar länger gedauert und mehr gekostet haben als geplant", sagt die Amsterdamer Kulturdezernentin Carolien Gehrels. "Aber auch das neue Stedelijk wird zu einem Begriff werden. In Amsterdam, den Niederlanden - und hoffentlich der ganzen Welt!" (Kerstin Schweighöfer aus Amsterdam, DER STANDARD, 19.9.2012)
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