Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate
Obwohl Migration seit einigen Jahren in Europa ein Topthema ist, gibt es noch immer Fragestellungen, auf die bis jetzt äußerst sporadisch oder gar nicht eingegangen wurde. Es gibt obendrein zahlreiche Tabus. Ein solches Tabu betrifft auf jeden Fall das Thema der Toleranz, der Weltoffenheit, des Nationalismus etc. in migrantischen Kreisen und bei ethnischen Minderheiten.
Die Frage der Migration wird in Österreich beachtenswert kritisch, aber äußerst einseitig diskutiert. Es gibt kaum Forschung, geschweige denn eine breitere öffentliche Diskussion, in der zum Beispiel ein Konflikt, der sich zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund ereignet, ausgewogen analysiert und dargestellt würde. Obwohl allen bewusst ist, dass eine solche Kontroverse mindestens zwei Parteien voraussetzt.
Natürlich gibt es auch Extremfälle, oft genug ist jedoch zu beobachten, dass Konflikte (etwa rassistischer oder religiöser Art) aufgrund geringer Toleranz und starker auf beiden Seiten vorhandener Vorurteile eskalieren. Oder es ist bis dato irgendwo ein Thema, dass zum Beispiel unter den Migranten (sie unterscheiden sich natürlich stark nach Herkunftsland, dem Einwanderungsalter und der Aufenthaltsdauer) aus Ost- und Südosteuropa der Toleranzpegel (im Vergleich zu Westeuropa) relativ niedrig und der Hang zum Nationalismus vergleichsweise hoch ist? Man spricht schon seit Jahren sehr mutig und besorgt zum Beispiel über das Ausmaß des in Ungarn existierenden Nationalismus und Antisemitismus, doch selten denkt man mit ähnlichem Einsatz darüber nach, wie es sich mit solchen Denk- und Handlungsmustern bei jenen verhält, die von dort auswandern bzw. auswanderten.
Es ist also im Großen und Ganzen ein Tabu, dass auch in der migrantischen Bevölkerung sozial und historisch begründete Vorurteile vorhanden sind, die gravierende Konflikte oder soziale Distanzierungen verursachen können.
Natürlich wäre es wünschenswert, die Diskussion um die Toleranz so schnell wie möglich jenseits des Migrantischen ansiedeln zu können. Doch solch ein, in Anknüpfung an Erol Yildiz, als "postmigrantisch" zu bezeichnendes Stadium der Gesellschaft scheint im Moment illusorisch zu sein. Im Spannungsfeld zwischen Migrantischem und Nicht-Migrantischem sowie in einer Gesellschaft, die der politischen Korrektheit verpflichtet ist, dürfte daher eine einfache, den alten Spruch des " Kehrens vor der eigenen Tür" aufgreifende Vorgehensweise eine noch am ehesten funktionierende Alternative bieten. Die Zeit wäre nun reif, etwas mehr innenperspektivische Forschung und kritische Publizistik und Kunst zu betreiben. Gewappnet mit einer methodischen, interdisziplinären Vielfalt und kritischem Bewusstsein sollte es doch möglich sein, die Beschaffenheit von migrantischen Welten etwas differenzierter aufzuarbeiten. (Zoltán Péter, DER STANDARD, 19.9.2012)
Zoltán Péter, geboren 1963 in Deva (Rumänien), lebt seit 1986 in Wien und ist Projektmitarbeiter am Institut für Europäische und Vergleichende Sprach- und Literaturwissenschaft, Abteilung Finno-Ugristik, der Universität Wien.
Worte wie Nationalismus werden aber gern bemüht, wenn es wieder einmal Zeit ist, einen Rechtsruck herbei zu schreiben - der so in Österreich nicht existiert.
Migranten, Asylanten, Asylwerber stehen irgendwo dazwischen - nicht wirklich integriert, weil sich von Unseren Entscheidungsträgern niemand befleißigt fühlt die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen, in der Bevölkerung sind es - "die Anderen", und dank NGO und Zeitungsberichten von Fr. Brickner und Co. schlägt die Stimmung von Toleranz in Antipathie um.
Probleme werden ansgesprochen, Lösungen aber von Verschiedenen Seiten verteufelt, weil es nicht in das eigene Konzept der Gruppen passt. Wie soll unter diesen Umständen Toleranz entstehen? Appelle bringen da leidlich wenig.
Wäre Österreich "Ein Volk" - ja, das schließt auch Migranten und Asylanten ein, dann wäre mMn. die Politik wie sie zZt. betrieben wird nur schwer möglich. Dann würden alle gemeinsam auf der Straße stehen, und an der Beendigung der Situation arbeiten - mit den eigenen Mitteln und Fähigkeiten.
Nur dem entgegen stehen schon oft so relativ "banale" Probleme, wie die gemeinsame Sprache. (Die ja auch verteufelt wird, wenn es um den Erwerb selbiger geht). Lieber wird herumlawiert, werden idiotische Vergleiche zum 3. Reich gezogen, und verunglimpft, nur damit das eigene Weltbild bestätigt zu sehen.
Mit ein Grund, warum keine Lösungen gefunden werden, und auf eine Sachebene zu kommen, erscheint mir daher auch illusorisch.
einerseits ist es das ziel, menschliches verhalten generell zu beurteilen und nicht im konnex mit persönlicher geschichte
dennoch hilft diese persönliche geschichte ja beim verständnis (vgl "schwierige kindheit" von gewaltverbrechetn etc.) wieso es dazu kommen konnte (und sozialisation ist eben ein großer faktor)
und drittens gab es bei uns eine dermaßige einseitige emotional aufgeladene schwarz-weiß-malerei mit kollektiver dauer-verurteilung der diabolisch bösen uneinsichtigen einheimischen, dass allein das aufgearbeitet werden muss
sonst bleibt dieses kapitel ein ewiges hindernis
vorwürfe an sozio-kulturen sind eben nicht vorwürfe an deren "kollektive gene als volksgruppe schlechthin", sondern eben differenzierter
Es entspricht meinem Verständnis von Gesellschaft, daß man alle Gruppen einer Gesellschaft gleich behandelt.
Da sich unsereins oft und zurecht in diesem Land über mangelnde Toleranz und Rassismus und dumpfen Nationalismus aufregt und dagegen auch immer wieder demonstriert, finde ich es merkwürdig, daß meine politische Ecke diese Tendenzen bei Allochthonen als putzige kulturelle Eigenart abtut.
Auch Toleranz ist unteilbar.
Ich finde es merkwürdig, wenn ich mit zB türkischstämmigen ÖsterreicherInnen der dritten Generation diskutiere, blitzgescheit, perfektes Deutsch, schon Eltern in Ö aufgewachsen und eingebürgert, aber "wir"= immer noch Türkei, inklusive nationalistische Prosa.
Das war bei den Navratils und Sedlaceks nicht so.
Welche ist denn "deine politische Ecke"?
Den Schmäh, statt "Arier" und "Untermensch" jetzt Fachbegriffe aus der Anthropologie zu benutzen, was aber alle eindeutig so verstehen, wie es halt gemeint ist, kenne ich bisher nur aus der extremeren Nazi-Ecke.
ist, dass derlei dumpfe nazikeulenargumente, wie sie in ihrem posting zum ausdruck gebracht werden, immer weniger wirkung zeigen. gut so. denn neben anderen schwachsinnigkeiten ist das einer der hauptgründe, warum zu diesem thema keine vernünftige diskussion zustande kommt.
warum soll es sinnvoll sein die Ethnie unbedingt auszuklammern?
Inländer/Ausländer bezieht sich nur auf die Staatsbürgerschaft. Wenn Frau Netrebko oder Frau Habsburg als österreichische Staatsbürgerinnen kein Deutsch können, so braucht man doch eine weitere Kategorie, wenn man auf die Probleme derartiger kultureller Unangepasstheit hinweisen will.
Und wenn Kinder von Chinesen oder Italienerm in Österreich ihre sozialen Kontakte und Partner überwiegend in der eigenen Gruppe suchen, so braucht man Begriffe, die diese Tatsache widerspiegeln.
Mit Euphemismus hat das nichts zu tun. Der andere Begriff wäre "Österreicher ausländischer Herkunft" - was bei in Österreich geborenen Kindern auch komisch klingt.
fallen unter die kategorien russin/britin (?) mit ö pass
was halten sie von "suchen ihre partner im kreise chinesischer einwandererfamilien"
wenn manns nicht überkrampft, kann man viel ganz neutral sagen
das partnersuchverhalten sagt ja primär nichts über bildung und sprachkenntnis, aber nota: der obige satz sagt zb, dass die partner keine neuzuwanderer sind
sobald man einige Gruppen zusammenfassen will - Sie können ja nicht 25 verschiedene Gruppen einheitlich behandeln, kommt man mit der unverkrampften Sprachwahl nicht mehr weiter
Zu Ihrem Beispiel: wenn sie ihre Partner im Kreis chinesischer Einwandererfamilien oder unter in der Volksrepublik lebenden Chinesen und Chinesinnen suchen, und wenn Sie die VietnamesInnen, bei denen das ähnlich ist, auch noch einbeziehen möchten, dann wird das mit einer lockeren, knappen Formulierung ganz schön schwierig.
"inländer aus asiatischen einwandererfamilien wählen ihre partner hauptsächlich aus ebensolchen einwandererfamilien oder bevorzugen ausländer aus dem asiatischen raum"
volle info, 3 wörter: inländer/ausländer und einwandererfamilien (für die wäre das pendant "alteingesessene familien")
für physiognomische unterscheidungen bin ich nicht zu haben, das ist in meinen augen rassistisch, wiewohl man aber natürlich entspannt darauf bezugnehmen kann (beim deutschen vizekanzler zb), aber nach spätestens 3-5 generationen wäre jeder "alteingesessen" mmn
ist völlig daneben, weil sich Chinesen keine afghanische oder indische Partner suchen, und Filipinas häufig österreichische Männer heiraten, diese Formulierung also nicht auf sie zutrifft.
Deshalb braucht man so seltsame Wörter wie "aus ihrer Community", bei denen man sich selbst unwohl fühlt.
Wenn man in diesem Diskurs autochthon und allochthon benutzt, wird man auf dem internationalen Parkett angeglotzt wie ein Auto.
Dir ist schon klar, dass das Bezeichnungen für "Ureinwohner" udgl sind?
Es ist ausschließlich in Österreich so, dass damit "Einheimische gegen Zuwanderer" umschrieben werden; und IMO ist diese falsche Nutzung des Fachbegriffs von den rechtsextremen Forenpostern eingeführt worden.
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.