Auch ein kostenloses Mittagessen ist nicht gratis

  • Verhalten optimistisch: Notenbank-Gouverneur Ewald Nowotny, EU-Kommissar 
Johannes Hahn, Bulgariens Präsident Rossen Plewneliew, Standard 
-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid (v. li.).
    foto: robert newald

    Verhalten optimistisch: Notenbank-Gouverneur Ewald Nowotny, EU-Kommissar Johannes Hahn, Bulgariens Präsident Rossen Plewneliew, Standard -Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid (v. li.).

Lehren und Auswege aus der Finanz- und Schuldenkrise: Hochkarätige Diskussion im Wiener EU-Haus

Wien - Zwei, die von Berufs wegen Optimisten sein müssen, und einer, der es aus Erfahrung ist: Dass eine solche Diskussionsrunde nicht mit düsteren Zukunftsperspektiven schließt, ist erwartbar. Aber vielleicht war das Haus der Europäischen Union in Wien gerade deshalb gerammelt voll, als EU-Regionalkommissar Johannes Hahn, Notenbank-Gouverneur Ewald Nowotny und der bulgarische Staatspräsident Rossen Plewneliew am Montagabend auf Einladung der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik über Gegenwart und Zukunft der Union sprachen.

Für die positive Grundstimmung sorgte Plewneliew mit seinem Impulsreferat. Vor dreieinhalb Jahren ging der Bauunternehmer in die Politik, als Minister für Regionalentwicklung. Seit Anfang 2012 amtiert er als direkt gewähltes Staatsoberhaupt. Sein hervorragendes Deutsch eignete er sich bei Aufträgen in Deutschland an. Bundeskanzlerin Angela Merkel erfuhr von ihm einmal, dass die Decke des Raumes, in dem sie gerade sprachen, von seiner Firma eingebaut worden sei.

Geld muss erwirtschaftet werden

Bulgarien ist das ärmste Land der EU, mit gerade einmal 44 Prozent des Einkommensdurchschnitts in der Union. Aber: 1997 machten die Staatsschulden 105 Prozent des BIP aus, heute sind es 16,2 Prozent. Budgetdefizit null, Leistungsbilanz plus 0,9 Prozent. Plewneliew: "Wir glauben nicht an Wachstum auf Pump. Das Geld muss erst einmal erwirtschaftet werden, dann kann es von der Politik verteilt werden."

Das lieferte Standard-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid als Moderatorin ein Stichwort, um den Fokus auf die Schulden- und Eurokrise zu richten. Nowotny sieht hier nach den jüngsten Entscheidungen in der EZB und in Deutschland eine positive Perspektive, "aber es ist noch einiges zu tun". Konkret warnt Nowotny vor überzogenen Erwartungen in eine gesamteuropäische Bankenaufsicht. Eine Gesamtkompetenz einer bei der EZB angesiedelten Aufsicht für alle 6000 europäischen Banken sei " völlig unmöglich". Die EZB könne nur in Einzelfällen aktiv werden, die reguläre Aufsicht müsse weiter bei den Mitgliedstaaten liegen.

Hahn pflichtete bei, mit zwei Präzisierungen: Die EZB soll das Recht erhalten zu prüfen, wo immer sie will, und in jedem Fall solle nach einheitlichen EU-Standards geprüft werden. Zur diskutierten politischen Union meinte Nowotny, er halte es für gefährlich, über die Köpfe der Menschen hinweg neue institutionelle Strukturen zu schaffen.

In eine Frage verpackte Plewneliew zunächst seinen Rat an die Griechen: " Gibt es ein kostenloses Mittagessen?" Natürlich nicht, denn irgendwann müsse dafür gezahlt werden. Hätte Griechenland sein vor vier Jahren beschlossenes Privatisierungsprogramm umgesetzt, stünde es heute besser da. Eine weitere Empfehlung hat Plewneliew angesichts der generellen Vertrauenskrise für seine europäischen Politikerkollegen parat: "Sie müssen ehrlich sein, Prioritäten setzen und Leistung bringen. Sonst trennen sich die Menschen vom Staat." (Josef Kirchengast, DER STANDARD, 19.9.2012)

Share if you care
6 Postings
"Geld muss erwirtschaftet werden"

diese Aussage stammt sicher von dem "Experten" Nowotny.

PS: Geld muss nicht erwirtschaftet sondern im Verschuldungsprozess immer neu und immer mehr geschöpft werden. Stichwort Geldschöpfung.

http://de.wikipedia.org/wiki/Geldschöpfung

Seitdem Rauscher kostenlose Mittagessen als notwändige Arbeitsessen bezeichnet

Schreibt er überraschend offen für die ÖVP . Anfuttern dürfte Sinn machen

Natürlich. Was haben Sie bisher gedacht?

der bulgare

scheint ja der einzige lichtblick gewesen zu sein. hahn und nowotny auf einem podium - gähn.

Hochkarätig geht anders

Dass aus dem Munde des hierzulande kaum bekannten bulgarischen Ministerpräsidenten derart klare Worte zu vernehmen sind, ist erfreulich. Dennoch scheint die Artikelüberschrift, die diese Runde mit den Herren Nowotny und Hahn, sowie der eigenen Chefredakteurin, gleich als "hochkarätig" beschreibt, doch etwas weit gegriffen.

Warum kann man denn nie einen grundsätzlichen Artikel lesen über den "track record" von Herrn Nowotny ? Es würde sich ein beängstigendes Bild grotesker Fehleinschätzungen, falscher Prognosen und irregeleiteter monetärer Auffassungen offenbaren. Dies alles auch noch jahrelang an unzählige Studenten weitergegeben unter dem Deckmantel von Wissenschaft, was doch nichts anderes als einseitiger Turbo-Keynesianismus war.

"track record" von Herrn Nowotny ist doch offensichtlich.

Gut, vielleicht sind nicht in allen Details seiner Fehleinschätzungen so bekannt und die tracking list nicht komplett vollständig. Soll sein.

Der "track record" von Herrn Nowotny ist aber sowas von eindeutig, dass man auch ohne einer detailierten Auflistung schon sehr naiv oder sehr massiv gläubig sein muss, um das nicht erkennen.

Deswegen gibt es ja seit rund 4 Jahren das geflügelte Sprichwort dass man nur das Gegenteil von dem Annehmen muss, was der Herr Nowotny kund tut oder meint. Das ist natürlich stark überzeichnet, beschreibt aber genau diesen Umstand, dass sein durch lauter Fehlgriffe gekennzeichneter "track record" sehr wohl breit bekannt ist.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.