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Wien - US-Autor Richard Ford gilt dank seiner aus Der Sportreporter, Unabhängigkeitstag und Die Lage des Landes bestehenden Frank-Bascombe-Trilogie als Meister der Lakonie, des in jeder Hinsicht unaufgeregten, langsamen, weitschweifigen Erzählens. Darum muss sich der heute 68-jährige Autor oft einen Vorwurf gefallen lassen: Er will als ein zeitgenössischer Adalbert Stifter der amerikanischen Langeweile und einem Leben knapp vor dem Stillstand in den Vorstädten der Mittelklasse eher auf den Grund gehen, als zwingende Handlungsfäden zu spinnen.
Wie zuletzt in Die Lage des Landes können dann schon einmal dutzende Seiten mit einem Einführungsseminar über das Problem des Immobilienhandels in ebendiesen Vorstädten draufgehen, bevor sich wieder irgendetwas Relevanteres wie eine Autofahrt tut. Das hat in der US-Literatur mit Baseball in Don DeLillos Underworld oder Tennis in David Foster Wallaces Ein unendlicher Spaß zwar Tradition. Die Technik, über das endlose Monologisieren eines Ich-Erzählers die Zeit an ihre Belastbarkeitsgrenzen zu führen, verstellt dann aber doch den Blick aufs Wesentliche. Vor allem auch, wenn man die Psychologie einer Romanfigur ohnehin lieber an der Oberfläche eines Icherzählers wie des Hausmaklers Frank Bascombe festmacht als ein wenig Analyse betreiben zu wollen.
Ähnlich, aber doch ganz anders hat Ford nun seinen von Frank Heibert ins Deutsche übertragenen und bei Hanser erschienenen Roman Kanada konzipiert. Im Gegensatz zum Durchschnittstypen Frank Bascombe ist Dell Parsons ein belesener Highschool-Lehrer. Dieser blickt im Alter von 60 Jahren auf seine traumatische Jugend zurück.
Die Geschichte beginnt 1960 in einer Kleinstadt in Montana, nahe der kanadischen Grenze. Dort lebt Dell mit seiner Zwillingsschwester Berner und den Eltern. Der Vater, ein pensionierter Air-Force-Offizier, kann im Privatleben nicht Fuß fassen. Er scheitert in diversen Jobs und gleitet langsam in die Kriminalität ab. Die Eltern überfallen schließlich gemeinsam eine Bank. Sie werden schnell gefasst. Die Kinder werden Vater und Mutter nie wieder sehen.
Lakonisch, verständnisvoll und mit mildem Altersblick auf ein Schicksal, das sich nicht ändern lässt, mit dem man aber seinen Frieden machen kann, schildert Dell Parsons nun seine Flucht nach Kanada. Während sich seine 15-jährige Schwester nach San Francisco durchschlägt und Dell erst Jahrzehnte später kurz vor ihrem Krebstod über das Internet wiederfinden wird, geht Dell im dunklen, mystisch verklärten, dennoch im Gegensatz zu den USA als gelobtes Land gesehenen Kanada buchstäblich verloren. Er gerät unter den Einfluss eines psychopathischen, ebenfalls aus der verlorenen Heimat stammenden Mörders. Der Weg hinaus in die Freiheit wird lang und qualvoll werden. Dell aber wird es am Ende trotz seelischer Schäden mehr oder weniger "schaffen".
Düster und abgründig
Kanada erweist sich als bis dato düsterster und abgründigster Roman Richard Fords. Allerdings handelt es sich entgegen aller Erwartungen eben nicht um einen "Krimi" oder "Thriller". Ford beobachtet lieber, wie einem jungen Menschen mit brutalen Mitteln sämtliche Sicherheiten genommen werden. Es geht Richard Ford darum, realistisch und oft auch wieder allzu präzise in den Detailschilderungen zu erzählen, wie ein derart traumatisches Erlebnis einen Menschen auf seinem gesamten weiteren Lebensweg, in seinem Charakter und in seinem Umgang mit anderen verändert. Dass dabei trotz 450 Seiten Nebenaspekte immer öfter solche bleiben, ist ein großes neues Verdienst dieses wichtigen Autors. (Christian Schachinger, DER STANDARD, 19.9.2012)
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und damit ist er in der us-gegenwartsliteratur nicht alleine (solange die telefonbuchdicke schwarten produzieren, wird so ziemlich jeder gehyped...).
habe "independence day" gelesen. das ganze buch über wartet man vergeblich darauf, dass mal etwas passiert, dass das dauergeschwafel mal von handlung unterbrochen wird - leider fehlanzeige
von der Adalbert-Stifter-Lese-Insel aus gelassen zusehen lässt es sich bei dessen schwerverdaulich-düsterem "Gang durch die Katakomben
http://gutenberg.spiegel.de/buch/196/1
http://www.planet-vienna.com/Nekropole... komben.htm
ebenso, wie bei jeder einzelnen seiner weltliterarischen Wert besitzenden Werke. Die Provokation, A.Stifter mit Begriffen wie Langeweile und Stillstand auch nur im weitesten Sinne in Verbindung zu bringen, erweist sich so entweder als Bluff des Autors oder völlige Unkenntnis des Stifter-Genies (einer im Artikel nicht näher beschriebenen vergleichenden Kritikerzunft).
http://www.youtube.com/watch?v=BrDBrK2SYDU
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