Das raffinierte Navi der Hummeln

  • Anders als Honigbienen informieren Hummeln ihre Kollegen nicht durch 
komplizierte Tänze, wohin sie fliegen sollen. Sie finden allein durch 
ihr eigenes Navigationssystem überraschend schnell die beste Route.
    foto: apa/dpa/peter roggenthin

    Anders als Honigbienen informieren Hummeln ihre Kollegen nicht durch komplizierte Tänze, wohin sie fliegen sollen. Sie finden allein durch ihr eigenes Navigationssystem überraschend schnell die beste Route.

Forscher haben mittels Radar ermittelt, wie sich die Insekten bei ihren Flügen orientieren

Angesichts ihres doch etwas korpulenten Körpers ist es erstaunlich, dass sie sich überhaupt in die Luft erheben können. Tatsächlich sind Hummeln echte Hochleistungsflieger: Weil sie temperaturunempfindlich sind, können sie viel länger auf Nahrungssuche gehen als etwa Honigbienen: So fliegen die dicken Brummer täglich bis zu 18 Stunden lang rund 1000 Blüten an.

Wie aber orientieren sich Hummeln, die nicht nur in regnerischeren Sommern besonders wichtige Pflanzenbestäuber sind? Klar ist, dass die dralle Bienenart - anders als Honigbienen - ihre Kollegen nicht durch aufwändige Tänze informiert. Und doch sind die Tiere zu erstaunlichen Orientierungsleistungen fähig, über die britische Forscher im Fachblatt "PLoS Biology" berichten.

Für ihre Studie haben sie dabei ein ziemlich raffiniertes technisches Equipment eingesetzt: Die Wissenschafter um Lars Chittka von der University of London und der Harmonic Radar Group von Rothamsted Research statteten die Versuchshummeln mit kleinen Radartranspondern aus und montierten zudem bewegungsgesteuerte Webkameras auf die künstlichen Versuchspflanzen.

Fünf davon, die den Hummeln mit Zuckertröpfchen versüßt wurden, verteilten die Forscher auf einem Feld mit einem Kilometer Durchmesser. Zudem waren die nahrhaften Flugdestinationen jeweils rund 50 Meter voneinander entfernt - das ist die dreifache Distanz, die Hummeln sehen können.

Wie Koautor Mathieu Lihoreau erläutert, waren die Flugrouten der Insekten zunächst ziemlich verworren und aufwändig. Die Hummeln hätten auch immer wieder Blumen angeflogen, die kein Futter für sie bereithielten. Interessant war auch die Beobachtung, dass die Testpilotinnen ganz verschiedene An- und Abflugrouten wählten. Doch nach und nach zeigte sich, wie gut das Navigationssystem der kleinen Hummelhirne arbeitet: "Je öfter die Insekten auf Suche gingen, desto effizienter wurde ihre Routenwahl", berichtet Lihoreau. Und nach durchschnittlich nur 26 Flügen hätten sie durch Versuch und Irrtum die kürzeste der 120 möglichen Routen vom Nest zum Futter und retour herausgefunden.

Versuchsleiter Chittka zeigte sich nicht nur davon beeindruckt, dass auch die kleinen Hirne von Hummeln zu so komplexen Verhaltensformen imstande sind, die man bislang nur höheren Tieren zugetraut hat. Die Hummeln erstaunten auch durch ihre Gedächtnisleistungen: Entfernten die Forscher eine der Blumen, so schauten die Brummer an der Stelle noch ziemlich lange immer wieder nach, ob sich dort nicht doch etwas Bestäubbares fände.  (Klaus Taschwer/DER STANDARD, 19.9.2012)

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