Griechische Lohnkosten sinken massiv

18. September 2012, 18:10

Das drastische Sparprogramm der EU und des Internationalen Währungsfonds zeigt Wirkung

Wien/Athen - Es ist nur ein kleiner Lichtblick in einer Flut an schlechten Nachrichten, aber immerhin: Griechenland hat in puncto Wettbewerbsfähigkeit den Abstand zum Rest der Eurozone deutlich verringern können.

Wie Zahlen der EU-Statistikbehörde Eurostat zeigen, sind die Arbeitskosten in dem südeuropäischen Land im ersten Quartal 2012 im Vergleich zum Vorjahr um 11,5 Prozent gefallen. Die Arbeitskosten setzen sich aus den Aufwendungen der Unternehmen (und des Staates) für Löhne und den Lohnnebenkosten zusammen und sind ein Indikator für die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes. Außerhalb Griechenlands sind die Löhne in allen EU-Ländern gestiegen. In Portugal und Slowenien waren die Lohnkosten im ersten Quartal 2012 rückläufig, dieser Trend hat sich im zweiten Quartal aber verkehrt.

Weniger Lohn

Aus den Eurostat-Zahlen lässt sich ablesen, dass in Griechenland in sämtlichen Branchen weniger gezahlt wird. In der Industrie gingen die Gehälter um 11,1 Prozent zurück, im Baugewerbe sogar um 18,4 Prozent. Ziel des Sparprogramms des Währungsfonds und der EU in den Südländern ist es, über eine interne Abwertung die Lohnkosten zu drücken. Die Eurostat-Daten zeigen, dass diese Strategie in vielen Ländern nicht greift: So sind etwa in Spanien und Portugal die öffentlichen Gehälter zwar zum Teil drastisch gesunken (minus sechs Prozent in Portugal). In der Privatwirtschaft hingegen sind die Löhne leicht angestiegen.

Die große Frage in den kommenden Jahren ist, ob Griechenlands Exportwirtschaft von den niedrigeren Gehältern profitieren kann.

Laut einer Mitteilung der griechischen Zentralbank am Dienstag hat Griechenland im Juli zum ersten Mal seit Mai 2010 einen Leistungsbilanzüberschuss erwirtschaftet. Das bedeutet, die Griechen haben in diesem Monat mehr Waren, Kapital und Dienstleistungen exportiert als importiert. Allerdings: Die Notenbankstatistik zeigt, dass vor allem der Einbruch der Importe (minus 16 Prozent) und niedrigere Kosten für den Staatsschuldendienst die Bilanz verbessert haben. Trotz der positiven Zahlen für Juli erwartet der Währungsfonds, dass Griechenland 2012 ein Leistungsbilanzdefizit von 7,5 Prozent der Wirtschaftsleistung ausweisen wird. Immerhin ist das Leistungsbilanzdefizit zwischen Jänner und Juli um 50 Prozent geschrumpft.

Spaniens Renditen steigen

Unterdessen ist am Dienstag Spanien an den Anleihenmärkten wieder etwas unter Druck geraten. Zwar konnte das Land erfolgreich mehrere kurzfristige Staatsanleihen (Laufzeit bis zu 18 Monaten) platzieren, doch am Sekundärmarkt, wo bereits ausgegebene Papiere gehandelt werden, ließ der Appetit der Investoren nach. Die Renditen für zehnjährige Staatspapiere zogen an und lagen nur knapp unter sechs Prozent.

Die Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB), spanische und italienische Staatsanleihen kaufen zu wollen, hat in den vergangenen zwei Wochen für spürbare Entspannung gesorgt. Um in den Genuss der EZB-Unterstützung zu gelangen, muss Spanien aber erst einen Hilfsantrag an den Rettungsschirm stellen. Die konservative Regierung in Madrid ist dazu bisher nicht bereit. (szi, DER STANDARD, 19.9.2012)

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bisserl zynisch dieser Exkurs in Sachen Wettbewerbsfähigkeit....

Was soll da zynisch sein? Neben unseren supersozialen Volksvertretern und deren bescheuklappte Wählerschaft kann keiner was dafür, dass nüchtern kommunizierte Fakten heutzutage gleich als Angriff gewertet werden.

Weil die Lohkosten nicht die einzige Maßzahl für Wettbewerbsfähigkeit sind.

ich gebe Ihnen völliog recht, aber die Darstellugn in deisem Bericht ist Schrott.

Um eine innere Abwertung kommen die Griechen nicht herum,

wenn sie den Euro behalten wollen.
Gleichzeitig sollte aber in Griechenland ein Auffangnetz auf Mindestniveau eingezogen werden, wie hier in Deutschland mit Hartz 4. Das würde die Wirtschaft stabilisieren und da ist ja auch noch diese Sache mit der Würde des Menschen und so.

der beste spruch den ich bis jetzt zum thema gelesen habe

We are making the same mistakes with Greece that we made with East Germany during unification. We are pouring money into a system which doesn’t function

"Sinken massiv" - sie muessen nochmal um 20% sinken und die Pensionen um 50%, damit wieder ein faires Niveau erreicht wird, das von den Griechen selbst erarbeitet werden kann. Die Durchschnittspension eines Griechen ist absolut hoeher als in DE und AT. Sie betraegt 80% des GR-Durchschnittseinkommens, in DE liegt dieser Wert bei 40%. Und wenn sie wirtschaftsfremden Linken was davon faseln, dass die niedrigen Loehne in DE schuld an GRs Misere waren, negiert dies die Tatsache dass DE nur fuer 10% der GR Importe steht. Leider besteht die Welt nicht nur aus Europa und was die Deutschen nicht exportieren, exportieren die Asiaten. Wohlstand fuehrt nur ueber Sparen und Investieren, nie ueber Konsum auf Pump, wie GR eh eindrucksvoll beweist.

80% ist groesser wie 40%

klingt logisch

Volkswirtschaftliche Logik

Wann investiert ein Unternehmer? Wenn die Lohnkosten gering sind? Doch wohl, wenn er für sein Produkt Abnehmer findet, die den Preis bezahlen können. Bei Einkommen, die nochmal um weitere 20% sinken sollen, kann man höchstens Näherinen aus Thailand nach GR verlagern. Exportsteigerungen gibts auch nicht, da ja alle sparen (EU-Schuldenbremse) also alles Olivenöl nach USA, China, Japan?
Und die Schulden incl. Zinsen können bei einem weiteren sinkenden BIP bedingt durch sinkende Nachfrage nie und nimmer mehr bedient werden.
Was dann? Steuergelder an Banken und weiter sparen?
Ihre Stammtisch-Parolen scheitern an der volkswirtschaftlichen Logik.
Und in DE sollen die Renten in 2030 auf 40% sinken (derzeit 60%, die Pensionen liegen über 70%)

Natürlich investiert ein Unternehmer auch, wenn einfach nur die Lohnkosten gering sind. In der Praxis wird man aber auch die Arbeitnehmerrechte beschneiden müssen...

Keine volkswirtschaftliche Logik

Sie meinen wirklich, dass ein Unternehmer -unabhängig von der Nachfrage seines Produktes- investiert?
Macht er das aus Gaudi oder weil ihm sein Geld egal ist?
Nein, es muß sich für ihn rentieren!!!
Und rentieren tut sichs nur, wenn er Abnehmer findet, die bereit sind einen Preis über seinen Gesamtkosten zu bezahlen. Die Lohnkosten sind da nur ein untergeordneter Faktor.

Sie trauen sich anderen fehlende wirtschaftliche Logik zu unterstellen? Sie sind also ernsthaft der Meinung, dass mit einer Steigerung der Binnennachfrage sich Griechenland nach vorne kaufen könnte? Womit betreibens denn Ihre Binnennachfrage in Griechenland, nachdems kurzfristig den Konsum dort angekurbelt haben, und die liquiden Vermögen dahin sind? Mit noch mehr Fremdkapital?
Die Griechen müssen exportieren, damits nicht in ihrer negativen Handelsbilanz ersaufen. Sonst nix. Und das schaffens nur, wenns der Preis für ihre Arbeit gesenkt wird, sie Genie.
Das was uns seit Kreisky als "Ankurbelung der Wirtschaft" von unseren herrschenden Geldverschwendern verkauft wird, ist nix worauf man stolz dein könnte. Die Zeche wird zu zahlen sein.

Mythen der Krise

Griechenland hat viele Jahre über seine Verhältnisse gelebt (EU-Ziel: 2% Inflation + Produktivität) und z.B Deutschland darunter (seit 10 Jahren Lohndumping). Beides geht nicht innerhalb eines gemeinsamen Währungsraumes und führt zu den bekannten Problemen.
Exportsteigerungen (derzeit nur 20% des BIPs) setzen voraus, dass investiert wird, denn Lohnkostensenkung ohne entsprechende Produkte (nur noch billigere Oliven+Wein) genügen nicht. Nur Sparen aller Marktteilnehmer in einer tiefen Rezession -wie derzeit- führt zu sinkendem BIP (derzeit schon -20%) und alleine dadurch zu höheren Schulden.
Tip: Mal "10 Mythen der Krise" von H. Flassbeck lesen. Sie müssen dazu kein Genie sein, um die grundsätzliche Logik einer Volkswirtschaft zu verstehen.

Kenne das Buch nicht, aber entweder Sie nehmen den Inhalt des Buches relativ selektiv auf, oder das Buch ist einfach tendenziöser Mist, wenn Sie auf dessen Basis nur zu diesem Ergebnis kommen können.
Die Schuld den D zuzuschieben ist BS. Die D haben erkannt, dass ihnen mit einer Produktivität die sich am EU-Durchschnitt orientiert ein massiver Wohlstandsverlust droht und sich für die globale Wettbewerbsfähigkeit ihrer Industrie entschieden. Und das sollten alle in der EU machen, anstatt sich gegenseitig die Exporte und die Schutzschirmhaftungen unterzujubeln, bis alles den Bach runter geht.
Die restl. EU muss den Deutschen drunter fahren, und nicht umgekehrt. Dann hat Europa eine Chance. Alles andere wär destruktive Preisabsprecherei...

gemeinsame Abwärtsspirale löst keine Problem

Der größte Markt ist für die EU sind die EU-Länder (Deutschland-Export z.B. ca. 60% in die EU, und unter 10% nach China
Und sie wollen die Lohnkosten an China, Korea und Indien ausrichten? Kaufen die Chinesen ihre Daimler weil die so billig sind)?
Was glauben sie, welcher Wohlstandsverlust in der EU dann droht?
Und was passiert, wenn diese Länder -um ihre Kaufkraftvorteile zu erhalten-, ihre Währungen abwerten?
Und wie werden die EU-Bürger reagieren, wenn ein globale Marktwirtschaft 90% der Bevölkerung arm macht?

Abwärtsspirale?

Wenns glauben die EU kommt ohne dem Rest der Welt eh so super aus, und es ist alles nur eine Frage der Organisation des Binnenmarktes, dann machen wir halt mal probeweise die Grenzen für Güter, Rohstoffe und Geld dicht. Sie würden rasch feststellen, dass Europa entweder empfindlich überbevölkert oder unser Lebensstandard empfindlich überzogen ist. Ihr Gschichtl vom Wohlstandsverlust durch die globale Marktwirtschaft könntens dann getrost entsorgen gehen, weil ohne Rohstoffe und Investitionen aus globalen Märkten würd bei uns jetzt schon alles still stehen. Die Frage der Zukunft wird sein: Wie kommt Europa zu leistbaren Rohstoffen und Gütern, wenn uns keiner mehr günstig Geld borgt? Ich verrats Ihnen: mehr Exportieren (=günstiger hackln)

sie brauchen aber eine wirtschaftleistung

die den löhnen gerecht wird. sonst könnte wir ja in allen armen ländern die löhne einfach erhöhen und schon herrscht dort keine armut mehr. Dass das nicht funktionieren kann muss doch wohl jedem klar sein oder nicht?

naja,

schulmeister, kaske, foglar, marterbauer, um ein paar zu nennen denen es nicht klar ist.

das solche zustände kommen würden

muss jeden denkenden menschen klar sein. nach vierzig jahren schuldenpolitik kommt einmal der zahltag

hauptsache

die banken haben nichts verloren...

die haben vorfinanziert

und die politiker haben die rutsche gelegt. jene politker, die jetzt über die spekulanten loslegen

So gehts auch: Griechen verdienen jetzt weniger - und können sich z.B. keine Medikamente leisten, weil die Medikamentepreise nicht auch sinken.

das ist eine taktik

mit der druck auf die geberländer ausgeübt wird. bei jenen, die ohnehin wenig haben wird die schraube angezogen. die wohlhabenden werden verschont. die schimpfen dann über die bösen geber, die die griechen zum "sparen" zwingen. nur mehr ausgeben als einnehmen ist nicht sparen.

Ich gehe davon aus, dass die meisten Medikamente importiert werden. Daher werden die Preise auch nicht sinken. Man geht halt davon aus, dass die Griechen dann eher weniger essen, als auf notwendige Medikamente für ihre Kinder zu verzichten.

Vielleicht verzichtens aber auch auf überzogene Pensionen, den einen oder anderen Beamten und dessen ineffizient gestaltete Aufgabe.

endlich eine gute nachricht aus .gr

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