Griechische Lohnkosten sinken massiv

Das drastische Sparprogramm der EU und des Internationalen Währungsfonds zeigt Wirkung

Wien/Athen - Es ist nur ein kleiner Lichtblick in einer Flut an schlechten Nachrichten, aber immerhin: Griechenland hat in puncto Wettbewerbsfähigkeit den Abstand zum Rest der Eurozone deutlich verringern können.

Wie Zahlen der EU-Statistikbehörde Eurostat zeigen, sind die Arbeitskosten in dem südeuropäischen Land im ersten Quartal 2012 im Vergleich zum Vorjahr um 11,5 Prozent gefallen. Die Arbeitskosten setzen sich aus den Aufwendungen der Unternehmen (und des Staates) für Löhne und den Lohnnebenkosten zusammen und sind ein Indikator für die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes. Außerhalb Griechenlands sind die Löhne in allen EU-Ländern gestiegen. In Portugal und Slowenien waren die Lohnkosten im ersten Quartal 2012 rückläufig, dieser Trend hat sich im zweiten Quartal aber verkehrt.

Weniger Lohn

Aus den Eurostat-Zahlen lässt sich ablesen, dass in Griechenland in sämtlichen Branchen weniger gezahlt wird. In der Industrie gingen die Gehälter um 11,1 Prozent zurück, im Baugewerbe sogar um 18,4 Prozent. Ziel des Sparprogramms des Währungsfonds und der EU in den Südländern ist es, über eine interne Abwertung die Lohnkosten zu drücken. Die Eurostat-Daten zeigen, dass diese Strategie in vielen Ländern nicht greift: So sind etwa in Spanien und Portugal die öffentlichen Gehälter zwar zum Teil drastisch gesunken (minus sechs Prozent in Portugal). In der Privatwirtschaft hingegen sind die Löhne leicht angestiegen.

Die große Frage in den kommenden Jahren ist, ob Griechenlands Exportwirtschaft von den niedrigeren Gehältern profitieren kann.

Laut einer Mitteilung der griechischen Zentralbank am Dienstag hat Griechenland im Juli zum ersten Mal seit Mai 2010 einen Leistungsbilanzüberschuss erwirtschaftet. Das bedeutet, die Griechen haben in diesem Monat mehr Waren, Kapital und Dienstleistungen exportiert als importiert. Allerdings: Die Notenbankstatistik zeigt, dass vor allem der Einbruch der Importe (minus 16 Prozent) und niedrigere Kosten für den Staatsschuldendienst die Bilanz verbessert haben. Trotz der positiven Zahlen für Juli erwartet der Währungsfonds, dass Griechenland 2012 ein Leistungsbilanzdefizit von 7,5 Prozent der Wirtschaftsleistung ausweisen wird. Immerhin ist das Leistungsbilanzdefizit zwischen Jänner und Juli um 50 Prozent geschrumpft.

Spaniens Renditen steigen

Unterdessen ist am Dienstag Spanien an den Anleihenmärkten wieder etwas unter Druck geraten. Zwar konnte das Land erfolgreich mehrere kurzfristige Staatsanleihen (Laufzeit bis zu 18 Monaten) platzieren, doch am Sekundärmarkt, wo bereits ausgegebene Papiere gehandelt werden, ließ der Appetit der Investoren nach. Die Renditen für zehnjährige Staatspapiere zogen an und lagen nur knapp unter sechs Prozent.

Die Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB), spanische und italienische Staatsanleihen kaufen zu wollen, hat in den vergangenen zwei Wochen für spürbare Entspannung gesorgt. Um in den Genuss der EZB-Unterstützung zu gelangen, muss Spanien aber erst einen Hilfsantrag an den Rettungsschirm stellen. Die konservative Regierung in Madrid ist dazu bisher nicht bereit. (szi, DER STANDARD, 19.9.2012)

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