Die tschechische Alkoholmafia und die Polizei

Robert Schuster aus Prag, 18. September 2012, 18:26
  • Tschechische Polizisten kontrollieren ein Pub in Prag. Seit vergangenem Freitag gilt in dem Land ein generelles Verkaufsverbot für harte alkoholische Getränke.
    foto: reuters/petr josek

    Tschechische Polizisten kontrollieren ein Pub in Prag. Seit vergangenem Freitag gilt in dem Land ein generelles Verkaufsverbot für harte alkoholische Getränke.

Die tschechische Regierung überlegt, hochprozentige Getränke nur mehr in speziellen Geschäften verkaufen zu lassen. Jede vierte Flasche Spirituosen im Land soll gefälscht sein

In Tschechien ist die Zahl der Opfer des Skandals mit gepanschtem Alkohol bis Dienstagnachmittag auf 21 angestiegen. Wegen der Affäre bleibt auch weiterhin der Verkauf von Spirituosen mit einem Alkoholgehalt von mehr als zwanzig Prozent verboten. Gesundheitsminister Leos Heger verkündete das zeitlich unbegrenzte Verbot letzten Freitagabend. Der Grund für diese außerordentliche Maßnahme war die Häufung von schweren Vergiftungsfällen durch Alkohol, der mit dem giftigen Methanol gepanscht war.

Die meisten Vergiftungsfälle traten nach dem Konsum von Alkohol ein, der zuvor in Marktständen oder an Imbissbuden gekauft wurde und aus illegalen Quellen stammte. Der Verkaufsstopp für hochwertige Spirituosen soll den Behörden helfen, den florierenden Schwarzmarkt mit Alkohol zu unterbrechen. Groben Schätzungen zu Folge ist jede vierte Flasche Schnaps, die in Tschechien verkauft wird, illegalen Ursprungs. Die Flaschen, welche mit gefälschten Stempelmarken versehen und dem Original zum Verwechseln ähnlich sind, werden am Fiskus vorbei auf den Markt geschleust und dort angeboten.

Unterdessen ist die tschechische Polizei den Hintermännern des Panscherskandals auf der Spur. Insgesamt wurden bisher 23 Personen angeklagt, die zu den mafiaartigen Strukturen rund um die illegale Herstellung von Alkohol zählen. Im Prinzip geht es darum, dass anstelle von Konsum-Spiritus, der mit einer hohen Steuer belastet wird, von der Steuer befreiter technischer Alkohol als Grundlage verwendet wird. Den relativ hohen Differenzbetrag zwischen dem sehr niedrigen Herstellungspreis und dem vergleichsweise hohen Verkaufspreis stecken die Hersteller ein. Der Staat geht leer aus.

Teile der Polizei dabei

Alles deutet darauf hin, dass die Alkohol-Mafia seit vielen Jahren ungehindert ihre Strukturen aufbauen konnte. Für ziemliches Aufsehen sorgte in diesem Zusammenhang der frühere Chef des tschechischen Geheimdienstes Karel Randak, als er gegenüber Medien die Vermutung anstellte, die Alkohol-Mafia hätte dies nicht ohne Mitwissen eines Teiles der regionalen Polizeistrukturen tun können.

Das Verkaufsverbot von hochwertigem Alkohol, welches nicht zuletzt auch das Vertrauen der Konsumenten wieder herstellen soll, wird weitgehend eingehalten. Lediglich in einigen kleinen Läden auf dem Land, die oft von Vietnamesen betrieben werden, hatte es etwas länger gedauert, bis die Alkoholflaschen verschwanden. In den Filialen der großen Supermarktketten wurden hingegen die Regale, in denen normalerweise hochprozentiger Alkohol angeboten wird, sofort nach Bekanntwerden des Erlasses leer geräumt. Ersten Schätzungen zu Folge wurden wegen der Verordnung auf diesem Weg rund zwanzig Millionen Flaschen mit Alkohol aus dem Verkehr gezogen. Davon betroffen sind auch die beiden beliebtesten Alkoholgetränke Tschechiens, der Inländer-Rum wie auch der Kräuterlikör Becherovka.

Erfinderische Tschechen

"Lange wird das nicht halten", sagte ein Mann Mitte fünfzig in der Warteschlange vor der Kasse eines Supermarkts. Neben einer Packung Wurst und Semmeln hielt er einen Karton billigen Weins in der Hand. Normalerweise hätte er, wie gewöhnlich, eine Flasche Inländer-Rum genommen. Seinen Worten zu Folge sind die Tschechen sehr erfinderisch, und sollte das Verbot noch lange aufrecht bleiben, würden sie sicher Wege finden, wie sie trotz des geltenden Verbots an hochprozentige Spirituosen herankommen.

Gemäß tschechischen Medienberichten soll das Gesundheitsministerium in Prag ernsthaft die Möglichkeit prüfen, den Verkauf von hochwertigen Spirituosen auch in Zukunft zu regulieren. So soll zum Beispiel die Möglichkeit erwogen werden, dass diese Art von Alkohol ähnlich wie etwa in skandinavischen Ländern nur mehr in speziellen Geschäften zu kaufen sein wird. (Robert Schuster, DER STANDARD, 19.9.2012)

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Alkoholmafia

Bedeutet es nicht, daß sich so ein Verbrechen erst dann rentiert, wenn hochrangige Entscheidungsträger in Politik und bei Behörden entsprechend wegsehen? Würde ein Verbot das ganze nicht verschärfen??

Prohibition hat noch nie funktioniert!!

So ein Verbot wird nicht lange halten. So ein Verbot spielt der tschechischen Mafia doch nur in die Hände und die ist gut organisiert. Sie versorgt ja nicht erst seit gestern Mitteleuropa mit Amphetaminen aller Art. Da gehen ein paar Kisten Schnaps auch noch ins Auto.

Dann müssen's wenigstens nicht mit leerem Auto nach Hause fahren :-)

Speed nach Westen und Alk nach Osten.

glücksfall für soziologen/psychologen. in einem jahr kommen die ersten studien...

Wie sang doch einst Udo der Große...

"Der Teufel hat den Schnaps gemacht"....

Tschecheranten :-)

tschecherln

gefällt mir besser.

Super-Wortspiel!

Unverständlich, dass man dieses Ekelzeug trinkt,

wenn man derartig gutes Bier zur Verfügung hätte.

"Lieber tot als nüchtern"

Das scheint das Motto so mancher Poster und von nicht wenigen Tschechen zu sein.

Es gibt bereits 21 Tote, aber die Alkoholiker schwafeln von Prohibition.

Kleiner Tipp:
Wenn ihr ein Problem damit habt 2 Wochen (oder 1 Monat) lang keinen Schnaps kaufen zu können, dann seid ihr süchtig und Alkoholiker und braucht dringend eine Therapie.

alt aber schlecht

ich hab keine probleme mit alkohol! nur ohne...

seltsam, ...

... aber bei den anderen drogen regt sich interessanterweise niemand darüber auf, dass unzählige menschen durch gestreckten dreck sterben.

unsere gourmets würden schön schaun, wenn sie sich ihren fusel zu weit überhöhten preisen am karlsplatz kaufen müssten.

Ja, das ist wirklich seltsam!

Ob das wohl etwas damit zu tun hat, dass diese Drogen illegal sind, nicht in Geschäften verkauft werden und es daher ein bisschen schwer ist sie zu kontrollieren.

Nur so eine Idee ...

Natürlich hat es damit zu tun

Aber genau dieser Umstand, der eben an der minderwertigen Qualität schuld ist, gehört beendet.

naja, ...

... dann wäre es vielleicht schlauer auch die anderen drogen zu legalisieren, damit sie kontrollierbar sind und der staat auch daran verdienen kann.

nur so ein gedanke, aber mitdenken ist wohl ein bisserl zu viel verlangt.

tja das verlangen schon sehr viele leute. nur leider will die politik oft nichts von konstruktiven vorschlägen hören. aber sie können gerne versuchen, den abgeordneten ihrer wahl davon zu überzeugen ;)

alkohol ist halt die einzige legale droge(in österreich) mit wirklich berauschender wirkung.

Schon einmal etwas von Holzrosen gehört?

gesetzeslücken zählen nicht.

ok, dann eben Engelstrompete, Damiana, dhm, Afrikanisches Löwenohr, Blaufärbender Kahlkopf, Fliegenpilz, Ether, GBL, Goldregen, Tollkirsche......usw.
bin zu faul jetzt alle aufzuzählen, aber ich glaube mein Punkt kommt rüber.

wie gesagt: gesetzeslücken

sobald eine droge eine gewisse popularität erreicht wird sie verboten.

Schwer vorstellbar bei Pflanzen, die bei uns natürlich vorkommen. Die Meisten davon werden aber wohl nie populär werden (schade eigentlich.....Katzenminze hätte doch wirklich potential;), also wird sich Ihre These nicht so einfach untermauern lassen.

allerdings wird sie sich auch nicht widerlegen lassen ;)

außerdem: siehe spice etc.

Spice wird wohl kaum als Beispiel einer heimischen Pflanze gelten können. Es besteht aus einer Vielzahl von zerbröseltem Pflanzenglump, viele recht exotisch. Außerdem sind synthetische Cannabinoide enthalten.

aber egal...ich weis, dass sich die These auch nicht widerlegen lässt, aber solange so etwas noch nicht passiert ist liegt die Beweiserbringungs-last wohl eher auf Ihrer Seite ^^

oder auf garkeiner seite weils eine reine hätti-wari diskussion ist...

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