Christ wegen Islam- und Mursi-Beleidigung verurteilt

Sechs Jahre Haft, nicht rechtskräftig - Islamisten fordern Hinrichtung

Sohag - Ein Christ soll in Ägypten hinter Gitter, weil er im sozialen Netzwerk Facebook angeblich den Islam und Präsident Mohammed Mursi beleidigt hatte. Ein Gericht in der Stadt Sohag verurteilte den 42 Jahre alten Lehrer Bischoy Kamil Kamel am Dienstag zu insgesamt sechs Jahren Gefängnis.

Eine dreijährige Haftstrafe erhielt er wegen "Beleidigung des Propheten Mohammed und der Religion". Zwei Jahre Haft kamen hinzu wegen seiner angeblich despektierlichen Äußerungen über Mursi. Ein weiteres Jahr Haft brummten ihm die Richter auf, weil sich der muslimische Ingenieur, der ihn angezeigt hatte, ebenfalls von dem Lehrer beleidigt gefühlt hatte.

Der Verteidiger sagte, sein Mandat wolle das Urteil anfechten. Der Berufungsprozess soll am 27. September stattfinden. Der Angeklagte wurde nach Angaben eines Prozessbeobachters während der Urteilsverkündung von 300 Soldaten geschützt. Vor dem Gerichtsgebäude hatten sich 2.000 radikale Islamisten versammelt, die seine Hinrichtung forderten.

In der ägyptischen Provinz hatte es seit dem Sturz von Präsident Hosni Mubarak im vergangenen Jahr bereits zwei weitere ähnlich harte Urteile gegen Christen wegen Beleidigung des Islam gegeben. Einmal wurde ein 17 Jahre alter Bub zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. In dem zweiten Fall traf es einen Schulsekretär. In diesem Verfahren läuft der Berufungsprozess noch. (18.9.2012)

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