Werbeversprechen im TV: Unzufriedene Kinder sind leichtgläubiger

Die Werbung suggeriert, dass Konsumgüter glücklich machen. Selbst Kinder glauben dem Versprechen - und werden unglücklich, wenn der Effekt ausbleibt

Erwachsene Menschen, die sich vom Erwerb bestimmter Konsumgüter mehr Zufriedenheit erhoffen, geraten leicht in einen Teufelskreis: Wenn das Glücksgefühl nach dem Konsum ausbleibt, werden sie noch unglücklicher, wie Studien in der Vergangenheit mehrfach gezeigt haben. Und dann beginnt das Spiel von vorne. 

Ob sich dieser Zusammenhang auch bei Kindern nachweisen lässt, haben Forscherinnen und Forscher um Suzanna J. Opree von der Universität Amsterdam erforscht. Sie befragten 466 niederländische Kinder zwischen acht und elf Jahren wiederholt, wie zufrieden sie zu Hause, in der Schule, mit ihren Freunden und mit sich selbst waren. Gleichzeitig ermittelten die Forscher, wie wichtig den Kindern materielle Güter waren und wie sehr sie daran glaubten, dass diese sie glücklich machen.

Die Rolle der Werbung

Das Ergebnis haben Opree und ihr Team nun im Fachjournal "Pediatrics" veröffentlicht. Demnach gebe es auch bei Kindern einen Zusammenhang zwischen Unzufriedenheit und starker Fixierung auf Konsumgüter - und dabei spiele Fernsehwerbung eine gewichtige Rolle. Konkret seien Kinder, die sich selbst als eher unzufrieden beschreiben und die viel TV-Werbung sehen, nachweislich stärker auf Konsumgüter fixiert. Glückliche Kinder würden Fernsehwerbung dagegen weniger Glauben schenken, so die Forscher. "Die Werbung vermittelt Kindern, dass Besitz ein Weg sei, das eigene Glück zu steigern", so Studienleiterin Opree.

Mehrere Faktoren zählen

Die Forscher betonen, dass es freilich nicht allein die Fernsehwerbung ist, die für kindlichen Materialismus oder gar für junges Unglück sorgt. Die soziale Umgebung des Kindes - also Familie und Gleichaltrige - seien genauso zentral. "Wenn die Eltern und die Freunde bestimmte Werte vertreten, werden diese eher von den Kindern übernommen." 

Es liege also nicht zuletzt an den Eltern und Erziehungsberechtigten, Kindern eine gesunde Skepsis gegenüber den Verheißungen der Werbung zu vermitteln. Eltern sollten ihren Kindern beibringen, Werbebotschaften und kommerzielle Glücksversprechen kritisch zu hinterfragen. Suzanna Opree: "Wir wissen, dass Eltern den Einfluss von Werbung auf ihre Kinder abmildern können." Im Kern gehe es darum, Kindern andere Quellen für Lebensglück zu erschließen - etwa Liebe, Freundschaft oder das Spielen. (Lisa Mayr, derStandard.at, 24.9.2012)

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10 Postings
desensibilisierung

meine kinder sehen mangles fernseher in unserem haus keine werbung, dafür wirkt die werbung bei oma oder opa umso stärker. was ich mich frage: vielleicht sind sie wegen diesen mangels so leicht zu beeindrucken... ?

Selbst zufriedene Kinder sind in der Macht der Werbung ausgeliefert. Sie werden nicht selten von Gleichaltrigen mitgerissen.
Wer nicht das "modernste" Spielzeug o.ä. hat ist out. Da braucht ein Kind schon extrem viel Selbstvertauen um dem standhalten zu können.

Naja, so lernen sie wenigstens für das Leben als Erwachsener.

neid & gier

viele menschen sehen nur das, was andere haben bzw. wollen immer mehr - auch wenn sie das nicht brauchen. wird ja auch ganz gut durch die werbung so gefördert.

Das Ergebnis

kann man auf erwachsene 1:1 übertragen. unzufriedene menschen sind leichter verführbar, zb. durch extreme politische parolen und parteien und meinen gleichzeitig, durch übersteigertes konsumverhalten, glücklich zu werden - eine fatale fehleinschätzung.

nachdem festgestellt wurde dass es sich bei kinder ähnlich wie bei erwachsenen verhält ist umgekehrt eigentlich keine grosse erkenntnis mehr ;-)

Diese Meldung gehört doch eigentlich nach Web > Innovationen > Apple eingeordnet?

Oder bei der FPÖ/FPK Schiene

"Unzufriedene Wähler sind leichtgläubiger"

falsch

mir fällt eigentlich auf die schnelle keine apple-werbung ein, die ich in den letzten paar jahren gesehen hätte. bei apple funktioniert das anders: schickes outfit verleitet zum kauf. konsument zahlt viel zuviel für ein gerät, dass er woanders billiger bekommen hätte. um das zu kompensieren, redet er sich positive eigenschaften ein, die das gerät gar nicht hat. also eher mit granderwasser oder placebos vergleichbar. nur genauso wie placebos durchaus wirkung zeigen, sind auch apple-benutzer tatsächlich glücklich mit dem produkt. insofern eigentlich genau das gegenteil vom inhalt des artikels.

Braucht Apple auch gar nicht. Das machen die Jünger schon selbst.

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