Grazer Forscher "maskieren" bittere Medizin

18. September 2012, 15:49
  • Bittere Pillen sollen ein neues "Coating" erhalten.
    foto: apa/matthias hiekel

    Bittere Pillen sollen ein neues "Coating" erhalten.

Ein Lipid-Überzug soll die Einnahme unangenehm schmeckender Medikamente erleichtern

Medikamente schlucken kann zur Qual werden, wenn das Arzneimittel unangenehm schmeckt. Um die Einnahme zu erleichtern, werden Medikamente derzeit mit einer Art Schutzschicht überzogen. Andreas Zimmer vom Institut für Pharmazeutische Wissenschaften der Universität Graz erforscht und entwickelt neue Ansätze zur "Geschmacksmaskierung" der Wirkstoffe durch einen Überzug mit Lipiden.

Bitterer Geschmack oder auch ein ausgeprägt saurer Eindruck werden von vielen Menschen als abstoßend empfunden. Diese negative Geschmackswahrnehmung mag in der Evolutionsgeschichte ein wichtiger Selektionsvorteil gewesen sein, weil der Mensch davon abgehalten wird, giftige Alkaloide aus dem Pflanzenreich oder Säuren, die eine lokale Schädigung hervorrufen, zu sich zu nehmen. Bei Arzneimitteln ist dieser natürliche Schutzmechanismus allerdings unerwünscht.

Keine Lösungsmittel

Der Standard bisheriger Überzugsverfahren in der Pharmaindustrie ist das "Coating" mit Polymethacrylaten oder modifizierten Cellulosen. "Der Nachteil dieser Verfahren ist, dass dabei prozesstechnisch eine enorme Lösungsmittelmenge eingesetzt werden muss", so Zimmer. "Wir beschäftigen uns derzeit verstärkt mit dem Coating von Granulaten, die wegen der besseren Schluckbarkeit speziell von älteren Menschen mit Schluckbeschwerden, aber auch von Kindern bevorzugt werden. Diese wollen wir mit Lipiden überziehen" so Zimmer. Geschmacklich ergebe sich dadurch ein Arzneimittel, das "neutral beziehungsweise nach gar nichts" schmecke.

Im Rahmen des Coatings mit Lipiden werden laut Zimmer keine Lösungsmittel benötigt, zudem verkürzt sich die Prozesszeit, weil die langwierige Trocknung entfällt. Allerdings stellen solche Überzüge andere Herausforderungen an die Prozessentwickler: "Fette sind schlecht wasserlöslich. Für Arzneimittel, die verzögert wirken sollen, ist das optimal. Wenn schnelle Wirkung erforderlich ist, gibt es jedoch ein Problem", erklärte Zimmer. Die Vorhersage der Stabilität der Überzüge und die Suche nach Zusatzstoffen, die die Auflösung der Fette im Magen beschleunigen, ist eine Zielrichtung der Forschung in Graz. (APA/red, 18.9.2012)

Mehr Info?

Wie wird bitte ohne Lösungsmittel gecoated? Das kann ich mir kaum vorstellen. Schade, dass es dazu keine Info gibt.

Das Hauptproblem ist die Psyche!

Die Leute wollen keine Tabletten schlucken. Es ist die Arzneiform, die Tablette, die man nicht schlucken will. Einmal ist diese zu groß, dann wieder zu klein usw. Jeder Bissen Nahrung ist größer und voluminöser, als so eine Tablette. Die Patienten machen mit ihrer Tablettenschluckverweigerung auf sich aufmerksam.

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