Leiche des türkischen Ex-Präsidenten Özal wird exhumiert

18. September 2012, 11:55

Staatsanwaltschaft will Hinweisen auf Giftmord nachgehen

Istanbul - Die Leiche des ehemaligen türkischen Staatspräsidenten Turgut Özal soll auf Weisung der Staatsanwaltschaft Ankara exhumiert werden. Die Anklagebehörde wolle Hinweisen auf einen Giftmord an dem 1993 gestorbenen Staatschef nachgehen, meldeten türkische Zeitungen am Dienstag. Die Familie Özals bezweifelt schon seit langem, dass der Präsident tatsächlich wie offiziell angegeben an einem Herzinfarkt starb. Wann die Exhumierung stattfinden soll, ist derzeit noch unklar.

Sonderermittler des Präsidialamtes in Ankara hatten den Tod Özals in einem im Juni veröffentlichten Untersuchungsbericht als "verdächtig" eingestuft und unter anderem die Exhumierung angeregt. Özal war herzkrank und hatte sich 1987 einer Bypass-Operation unterzogen. Dennoch wird seit Jahren über ein mögliches Mordmotiv spekuliert; nach einer Version könnten rechtsgerichtete Kräfte im Staatsapparat beschlossen haben, den Präsidenten zu beseitigen, weil er eine Initiative zur Lösung des Kurdenkonflikts vorbereitete.

Özal, der die Türkei in den 1980er Jahren mit radikalen Wirtschaftsreformen modernisierte, wird noch heute von vielen Türken als wichtigster Staatsmann seit Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk verehrt. Sein Grabmal in Istanbul ist eine Wallfahrtstätte für viele Türken. (APA, 18.9.2012)

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Und wieder kramen unsere hochgebildeten Bubis aus der Förderklasse ihre Lieblingsmär heraus; die vom Özal als Kurden. Er war zweifelsohne kurdischstämmig (über die Großmutter) sah sich jedoch in erster Linie als Türke und handelte dementsprechend (angestrebte Turkstaatenunion). Weder sprach er selbst kurdisch, noch identifizierte er sich mit ihrer Sache. Lobenswert allerdings waren die geplanten Bemühungen in der Kurdenfrage, vor denen er allerdimgs starb; Mord lässt sich nicht ausschliessen, Teilen des (damaligen) Staatsapparates traue ich alles zu. Fazit: Özal als "Musterkurden" herzuzeigen, ist wie den Scholl Mehmet als Türken zu bezeichnen.....nämlich nicht stichhaltig.

vielleicht ist der herr özal eben auch sinnbild für die lächerlichkeit der forderungen einer pkk. die jahrhundertealte gemeinsamkeit von türken, kurden und arabern hat sich eben in vielerlei hinsicht niedergeschlagen. eine "trennung", eine territoriale abgrenzung, ein "wir-die-denken" ist allenfalls weltfremd. die türkei ist ein vielvölkerstaat. es gibt 2 gruppen, die das diesen konflikt betreffend gerne anders sähen: rassistische "türken"(davon sind ja nicht mal alle türken im völkischen sinne)und pkk-anhänger. ich verteidige keinen. ich kann nur wieder sagen, dass der türkische staat sich der problematik sicherlich bewusst ist, diese aber nich von heute auf morgen gelöst werden kann-zumal die pkk geradezu verzweifelt dagegen terror verübt

Vielvölkerstaat ja, aber der türkische Staat hat von Beginn an darauf hingearbeitet, diesen mit einem "Alle sind Türken, anderes gibt es nicht" zu zerstören. Die Kurden verlangen zu Recht die Anerkennung ihrer Ethnie, Kultur und Sprache - die z.T. nun einmal signifikante Untrrschiede zur türkisch-arabischen aufweisen. Die nationalistischen Türken sind bei weitem die Mehrheit und sind immer weniger bereit, zwischen PKK und Kurden zu unterscheiden (Erschiessung des 12jährigen Ugur Kaymaz, "Terroristen raus"-Rufe bei Diyarbakirspor-Auswärtsspielen, Malatya-Vorfall im Juli,Verhaftung all jener, die sich kritisch äussern etc.). Das Erschreckende? Genau das alles verteidigen und rechtfertigen die Türken.

die türkisch-arabische sprache? was soll das sein? schauen sie mal, die geschichte der türkei. natürlich war man als nachfolgestaat eines vielvölkergroßreichs darauf bedacht, dass einheit und zusammenhalt besteht (es gab ja genug ausländische kräfte, denen am gegenteil gelegen war oder die diese gar aktiv bedrohten). ALLE ethnien waren im zuge der von der nato, also auch von europäischen partnern, geflissentlich übersehenen kompromisslosen gleichmachung betroffen. ethnien, religionen, religiöse, politisch andersdenkende wurden alle zu opfern. selbst die "türken" an sich können nicht zum "tätervolk" stilisiert werden. die sache ist viel zu vielschichtig, als dass man jetzt sagen könnte, die türken in ihrer mehrheit wären antikurdisch.

Bei allem Respekt, aber dieses Bedrohungsszenario von den ausländischen Mächten ist eine Ausrede, um die eigene Verantwortung abzuladen. Keine ausländische Macht hat die Türkei daran gehindert, z.B. die feigen Täter von Sivas zu verfolgen (von denen die meisten nicht einmal flohen, weil sie wussten, dass sie davonkommen)......der türkische Nationalismus hat mutwillig und absichtlich Kulturen zerstört und vertrieben (Armenier, Griechen, Lasen) und bekommt die Rechnung für die eigene, heuchlerische Politik. Die überwältigende Mehrheit von Medien und Bevölkerung befürworten oder sehen weg und machen sich so an allen Verbrechen mitschuldig. Die kurdische Identität muss anerkannt und gleichberechtigt werden, da hilft alle Propaganda nichts.

die lasen? dass die jetzt ihre identität verlören, wäre mir neu.
zu allem anderen:
erst einmal ist das bedrohungsszenario sicherlich für die gründungszeit und die ersten jahre ganz und gar gegeben. dass keinerlei loslösung von der militärischen führung des landes stattfand, liegt an vielen faktoren. natürlich müssen sich alle fragen lassen, inländische und ausländische zuschauer und helfershelfer, warum das jahrzehnte so weitergehen konnte. vermutlich spielt auch der kalte krieg in dem die türkei eine besondere rolle einnahm dabei eine rolle. viele menschen wurden unterdrückt. leider leiden eben auch die minderheiten besonders.
maximalforderungen a la pkk bringen keinerlei fortschritt. eher das gegenteil. das wollen sie aber vermutlich auch

Sie lenken ab und gehen auf keinen einzigen meiner Punkte ein, von Gegenargumenten ganz zu schweigen. Die Mehrheitsbevölkerung der TR hat ein Mentalitätsproblem "Wer anders ist, den darf es nicht geben" (siehe auch die Staatsdoktrin), ALLE bisherigen Regierungen sind ein Spiegelbild dessen. Die Massaker von Maras, Corum, Sivas, das Istanbuler Pogrom gegen die Griechen, fällt das auch alles in die Gründungszeit? Anerkennung und Gleichberechtigung der kurdischen Identität sind keine Maximalforderungen, sondern eine Selbstverständlichkeit! Die Türken glauben den selbstverbreiteten Dreck vielleicht, aber ausserhalb der TR sind die Menschen zum Glück weder bildungs- noch erkenntnisresistent und kennen die Fakten sehr wohl.

..einer autonomie oder die ständige rede von einem "nordkurdistan", die die pkk-sympathisanten untragbar machen, von den pkk-terroristen ganz zu schweigen. aber wissen sie, ich verstehe schon, sie möchten gern die gesamte türkei auf ewig für die schandtaten einzelner oder dem fehler im system verantwortlich sehen, daher vermengen sie auch historische ereignisse mit aktueller diskussion. ich weiß ja nicht in welcher welt sie leben, aber wenn sie erkenntnisoffen sind, sollte ihnen auffallen, dass ein riesen umbruch stattgefunden hat in der türkei. ergenekon sagt ihnen was, oder? "wer anders ist, den darf es nicht geben", das betraf übrigens alle, auch türken in der laizistischen nato-hörigen türkei der letzten jahrzehnte.

sie vermengen hier einiges. was haben die von ihnen genannten vorfälle mit dem bedrohungsszenario zur gründung der türkei zu tun? ja, wer sagt denn hier, dass alles rosig ist in der türkei? die staatsdoktrin geht eben aber auch auf die gründungszeit zurück. der in teilen der bevölkerung fanatische führerkult kommt eben auch nicht von ungefähr. sie können natürlich gern weiterhin mit pauschalisierungen arbeiten (wie sie sie bei "den türken" ausmachen) aber dafür, dass es eine generelle türkische intoleranz gegen andere kulturen und identitäten innerhalb der türkei gibt, werden auch sie keinen beweise erbringen. es sind eben doch maximalforderungen, wenn die türkei sich gerade erst selbst reinigt, es sind eben unangebrachte forderungen nach..

Noch was: die von mir geäußerte Forderung hat mit jenen der PKK genau nichts zu tun. Das wissen Sie, und schreiben absichtlich das Gegenteilige hin, weil auf sachlicher, menschenrechtlicher Ebene die Türkei eine Bananenrepublik ist, daher auch jeder Kritiker sofort ein Terrorist - und davon haben Sie ebenfalls Kenntnis.

Ich habe diese Vorfälle bewusst genannt, weil es hervorragende Beispiele für Fälle sind, in denen behauptet wird, "ausländische Mächte" würden eine friedliebende Bevölkerung aufeinander hetzen. Diese idiotische Behauptung ist dann ein willkommener Vorwand, Konflikte herunterzuspielen, bzw. Täter straffrei entkommen zu lassen. Die TR ist ein seltsames Paradoxon; auf der einen Seite eine durchaus gastfreundliche Kultur, auf der anderen Seite politisch bedingte, eiskalte Menschenverachtung. Die Mörder von Ugur Kaymaz wurden freigesprochen (Überraschung!), Polizisten(!) liessen sich mit dem Mörder von Hrant Dink und türkischer Flagge fotografieren, der Sivas-Prozess fallengelassen, drei Beispiele von endlosen. Es lebe der Umbruch!

.. das wird nirgendwo möglich sein. "die türken" handeln also schon sehr realitätsbezogen. wer kein sinn für maß hat ist eben die "gegenseite", die hier sogar noch alles schlecht redet und einzig destruktiv tätig wird. und sie reden dieser seite das wort. sie sehe ich nur von "den türken" sprechen, die sie gesamtheitlich mit schmutz überziehen. ganz davon ab, dass das nicht wirklich produktiv und schon gar nicht realitätsbezogen ist, macht sie das nicht unbedingt sympathisch.

ich habe nie behauptet, dass die türkei volle rechtsstaatlichkeit besitzt, nie argumentiert, dass es keine nationalistische mitte gibt (die über jahrzehnte anerzogen wurde), die ihre fehler immer bei anderen sucht. ich habe einzig gesagt, dass es keinen grund gibt für pauschalisierungen. sie tun das aber indem sie diese untaten der türkei (den türken) als ganzes anlasten. das ist nicht sachlich. woher wissen sie überhaupt, was die bevölkerung von vielen dieser von ihnen angesprochenen beispiele hielt/hält? damals wie heute. was für forderungen stellen sie denn? sie meine die selbstverständlichkeit der kurdischen identität innerhalb der türkei? ja, was erwarten sie? dass man von heute auf morgen alles ändern kann, was vorher schief lief? ..

Ich kann türkisch, verfolge die Medien, kenne Türken in- und außerhalb der TR und kann mir so ein sehr gutes Bild machen. Was ich verlange, ist nichts Unmögliches: Gleichberechtigung der ethnischen und religiösen Minderheiten (z.B die Aleviten, deren Gemeinschaft nicht einmal anerkannt wird!), dass man seine Identität betonen kann, ohne gleich in Lebensgefahr zu geraten, nur weil man nicht türkisch (bzw. sunnitisch) ist. Aufarbeitung der dunklen Flecken der Geschichte etc. Und von den Exiltürken insbesondere wünsche ich mir, dass sie nicht alles reflexartig verteidigen, nur weil es mit der TR zu tun hat, sondern im Sinne der Aufklärung und Vernunft agieren und objektiver, aufgeschlossener werden (bislang nicht mal ansatzweise).

sie neigen wie bisher auch zu übertreibung und pauschalisierung. zumindest sind wir uns darin einig, dass die türkei eben noch einen langen weg vor sich hat. dieser wird sicherlich nicht einfacher, wenn man dem alten system grund gibt, sich erneut an die macht zu putschen.

Übertreibung? Sagen Sie das Ugur Mumcu, Abdi Ipekci u.v.a., die als Türken bereits wegen differierender Haltung ermordet wurden.

Komischerweise gelten die Bozkurt-Terroristen als Helden und Patrioten, dabei waren sie genauso hinterhältig und mörderisch wie die PKK mit zig Angriffen und zivilen Opfern (Maras, Bahcelievler, etc.). Wie ich jetzt auf die gekommen bin? Sollte das Prinzip "Doppelmoral" unterstreichen, welches sich wie ein roter Faden durch die türk. Politik zieht.

ja, diese fälle gibt es, dennoch tun sie so, als sei das ein typisch türkisches und nach all den jahrzehnten der fehlgeleiteten politik ein wunder. natürlich ist auch die pkk kein wunder, wurde sie doch sogar in teilen von teilen des militärapparats erst zu manchem befähigt. DIE türken sind keine nationalisten, die dem andersdenkenden das lebensrecht absprechen oder dergleichen. genausowenig sind DIE kurden pkk-nah. viele von ihnen leiden sogar mehr unter der pkk, als die anderen volksgruppen in der türkei. alle kurden leiden insofern als die pkk sie in geiselhaft nimmt für einen terroristischen feldzug im namen einer in teilen hehren sache, die durch begriffe wie "nordkurdistan" und dergleichen sicherlich aber an legitimität verliert.

Verantwortlich für den Ursprung des Konflikts ist und bleibt allerdings der türkische Staat mit seiner "Bergtürken"-Politik und dem jahrzehntelangen Ethnozid. Was hat man sich gedacht, dass sich Millionen von Menschen ewig unterdrücken lassen?
ene Teile der türkischen Bevölkerung, die da weggesehen bzw. unterstützt haben, sind mitschuldig. In den letzten Jahren gab es erste positive Schritte, aber da ist Luft nach oben - zweisprachige Ortstafeln und Behörden in Kurdengebieten, Entfernung der "Ne mutlu türküm diyene"-Schrift aus Gebirgszügen, die nun mal mehrheitlich kurdisch bewohnt sind (das dieser Slogan, genau dort angebracht, irgendeinen praktischen Nutzen haben soll, ist Wunschvorstellung), Erziehungsmöglichkeiten auf kurdisch etc.

.. verstummen, zumindest auf der seite der "mehrheitsgesellschaft", wenn der terrorismus mal endlich seinen platz in den köpfen derjenigen findet, die hier noch so widerwärtig von einem freiheitskampf sprechen. und ich weiß ja nicht in welcher welt sie leben, aber diktatorische züge in einem system sind die schuld der bevölkerung. sie könnten sonst ja gleich auch den kurden die schuld zuschieben. da wird sich schon jeder einzelne verantworten müssen innerhalb der staatlichen gewalten. für das unrecht allen - nicht nur den kurden - gegenüber.

...aber diktatorische züge in einem system sind -nicht automatisch- die schuld der bevölkerung.

so ist es richtig.

sie meinen die millionen von bürgern der türkei, richtig?
denn andere ethnien wurden ebenso auf dem altar des wir-gefühls unterdrückt in ihrer selbstbestimmung. auch der "typische" türkische sunnit war sicherlich nicht frei und erlebte so einiges an unterdrückung und verfolgung. was sollen zweisprachige ortstafeln bewirken? sollen dann auch in den arabischen gebieten solche stehen? in dem von lasen bewohnten nordosten auch? was sollen erziehungsmöglichkeiten sein? kurdischer unterricht wird eingeführt. wenn ich sie so reden höre, dann klingt es so, als hätte sich die türkei nicht just aus einem jahrzehntelangen strudel von nationalismus gerissen, wäre der bauernopferrolle im kalten krieg nicht erst jüngst entkommen. die radikalen werden ..

eine obuktion nach zwanzig jahren ist so wie eine hausdurchsuchung zur sache yline.

Muss nicht sein,es gibt Gifte oder Stoffe die man nach Jahrhunderten noch feststellen kann,natürlich nur wenn man auch möchte.

"Özal, der die Türkei in den 1980er Jahren mit radikalen Wirtschaftsreformen modernisierte, wird noch heute von vielen Türken als wichtigster Staatsmann seit Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk verehrt. Sein Grabmal in Istanbul ist eine Wallfahrtstätte für viele Türken."

denen ist wohl entgangen, dass herr özal ein kurde war.
anders wird es zumindest nicht ins weltbild der pkk-sympathisanten hier im forum passen.

Ein Kurde... ein Türkischer Präsident!!

widersricht das nicht der These von den PKK Symphatisanten hier im Forum? Die behaupten doch, dass jeder Kurde ein PKKler sei.

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