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Niemand da.
Wien - Der Europa-League-Auftakt Rapids gegen Rosenborg Trondheim muss am Donnerstag laut UEFA-Urteil ohne Zuschauer über die Bühne gehen. Funktionäre und Journalisten eingerechtet werden gerade einmal ein paar hundert Leute Einlass finden. So schmerzhaft das für Rapid auch sein mag, ein völliges Novum ist es nicht. Bereits im Herbst 1971 ließen es die Hütteldorfer Fans im Wiener Prater "geistern". Zum UEFA-Cup-Achtelfinalspiel gegen Juventus Turin (0:1) kamen sage und schreibe 623 Zuschauer.
So viele sind im Vereinsarchiv (www.rapidarchiv.at) notiert, laut der zeitgenössischen Presse waren es dank ein paar zusätzlicher "Gratisblitzern und Adabeis" vielleicht 800 Köpfe, die sich ins Praterstadion verirrt hatten, das damals sogar 72.000 Menschen Platz bot. "Rechnet man die italienischen Schlachtenbummler, die Funktionäre, Ordner, Journalisten und Freikartenbesitzer an, dann mögen die insgesamt 25 Spieler beider Mannschaften mit den drei Schiedsrichtern in der Überzahl gegenüber den Wiener Besuchern gewesen sein", sinnierte die "Arbeiter-Zeitung". Und Helmut Haller, deutscher Legionär bei "Juve" und Vize-Weltmeister 1966, meinte knapp: "Bei uns sind beim Training mehr Leute".
Die "AZ" monierte: "Das war eine trostlose Kulisse im gespenstisch leeren Praterstadion: Ein paar Hundert Unentwegte und eine nur zu zwei Dritteln eingeschaltete Beleuchtung." Zwar war Rapid den widrigen Bedingungen zum Trotz feldüberlegen, doch zeigte das italienische Traditionsteam letztlich sein Potenzial. Also resümmierte die "AZ": Vor der geringsten Zuschauermenge, die je bei einem internationalen Pokalspiel in Wien gezählt wurde, verlor Rapid mit 0:1."
30.000 in Turin
Rapidtrainer Robert Körner wusste warum: "Ohne Unterstützung durch das heimische Publikum kann man eine Klassemannschaft wie Juventus nicht bezwingen". Im Rückspiel setzte es dann zwei Wochen später vor 30.000 Tifosi ein 1:4.
Warum aber gerade der "Besuch der alten Dame" beim Publikum durchfiel, hatte andere Hintergründe als heute. Es gab keine Sanktionen gegen Fans, vielmehr waren diese einfach zu Hause geblieben. Das Spiel fand erstens am 24. November statt, und Wien war gerade vom ersten Wintereinbruch heimgesucht worden, und zweitens handelte es sich um ein "Fernsehspiel", wie die APA konstatierte. Die "AZ" sekundierte: "Das Wiener Fußballpublikum war an diesem Abend vor den Fernsehschirmen versammelt."
Das Verhältnis zu TV-Übertragungen war damals durchaus ambivalent. Die einen hielten sie vom Match-Besuch ab, den anderen waren sie ein Dorn im Auge. Das bekam auch der spätere Wiener Bürgermeister Helmut Zilk zu spüren, wie der Tagespresse zu entnehmen war: "Fernsehdirektor Dr. Zilk erklärte am Donnerstag, man würde in Hinkunft bei der Erwerbung von Übertragungsrechten von Fußballspielen noch strengere Maßstäbe als bisher anlegen. Vor allem aus den Bundesländern sei der Unmut über die Direktübertragung des Spiels Rapid gegen Juventus überaus groß gewesen. 400.000 Schilling wäre das Match keinesfalls wert gewesen."
Dennoch wurde das TV als Grundübel der mäßigen Zuschauerzahlen samt Folgewirkungen geortet: "Der Wiener Fußball ist in einen Teufelskreis geraten. Die Zuschauer bleiben aus, weil schlecht gespielt wird, die Spieler spielen schlecht, weil die Resonanz fehlt", analysierte ein Sportreporter. Letztlich kam es zu einer typisch österreichischen, weil halbherzigen Lösung: Ab Mitte der 1970er Jahre wurden besonders wichtige Spiele zeitversetzt im TV übertragen. Während sich im Radio das Match schon dem Ende zuneigte, flimmerte im Fernsehen gerade die erste Hälfte über den Schirm. Groteskerweise kam diese Praxis auch bei Spielen zum Tragen, die bereits im Vorfeld restlos ausverkauft waren. (APA; 18.9.2012)
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Heute spielen AT-Mannschaften auch katastrophal. Warum werden die Matches dann überhaupt besucht? Selbstabstrafung weil charakterlich erniedrigt? Offensichtlich.
Ich, wahrlich kein Rapidfan, finde den Artikel, noch dazu von der APA, sehr interessant. Vor allem die seinerzeitigen Überlegungen zum Thema Fernsehübertragungen finde ich mit dem Vorteil der heute möglichen geschichtlichen Rückschau auch ausgeprochen amüsant.
Man wollte an traditionellem festhalten, sich den Möglichkeiten neuer Technologie verschliessen und ist grandios gescheitert, heute, wo wir die Ergebnisse kennen, natürlich leicht gesprochen.
Angeblich gehört die Schadenfreude zu einer der schönsten Freuden. Ich freue mich darauf, dass mindestens 1.000 Polizisten, die RAPID bezahlen muss, dafür sorgen, dass auch kein einziger Hooligan, die bei den RAPID-Verantwwortlichen noch immer unter Fans firmieren, ins ehemalige Praterstadion gelangt. Außerdem wird mich die Ansage des Stadionsprechers, eines gewissen Andi Marek, des minderbemittelten Fanbeauftragen aus dem Waldviertel, zu Begeisterungsstürmen hinreißen: "Der SK RAPID bedankt sich bei null Zuschauern." Und oben in seinem Literaturhimmel wird Herr WSD zugucken und mir hoffentlich beipflichten, wie angenehm es ist, ein Fußballspiel zu verfolgen und 90 Minuten lang hört man nicht diese entnervenden Sprechchöre: "Schwuuuuuuule
Das klärt einiges auf. Dachte ich hätte mir das damals als Kind eingebildet...!
1986, mein erstes Ländermatch im Praterstadion gesehen, 4:1 gegen Deutschland.
Und als ich nach Hause gekommen bin, lief das noch immer im Fernsehen, und das vierte Tor ist gerade gefallen...
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