Was wurde aus dem Buben in der Bawag-Werbung?

Interview |
  • "Pas de photos, pas d'interviews" ("Keine Fotos, keine Interviews") steht auf Niki Ernsts T-Shirt. Für derStandard.at hat er eine Ausnahme gemacht.
    foto: stadler

    "Pas de photos, pas d'interviews" ("Keine Fotos, keine Interviews") steht auf Niki Ernsts T-Shirt. Für derStandard.at hat er eine Ausnahme gemacht.

  • Niki Ernst einst in der Bawag-Werbung.
    foto: agentur

    Niki Ernst einst in der Bawag-Werbung.

  • Der legendäre Wiesenlauf.
    foto: agentur

    Der legendäre Wiesenlauf.

  • Die beiden Spots als Video

13 Jahre lang war der Wiener Niki Ernst als Achtjähriger in der Bawag-TV-Werbung zu sehen - Die Bank "verfolgte" ihn bis ins Berufsleben

Als der achtjährige Niki Ernst 1980 zufällig in der Bawag-TV-Werbung landete, konnte er nicht ahnen, dass das seinen Einstieg in die Werbewelt bedeuten und sein Leben wesentlich beeinflussen würde. Ganze 13 Jahre lang liefen die beiden Bawag-Spots im ORF auf und ab und setzten sich durch ewige Wiederkehr in so manchem österreichischen Gehirn fest. In einem streiten sich zwei Kinder um ein Sparschwein, im zweiten läuft eine Familie beschwingt eine Wiese hinunter. Der Wiesen-Spot ist besonders bekannt - vielleicht auch, weil die Mutter im Wiesen-Spot keinen BH trug.

Wie oft die zwei Filme ausgestrahlt wurden, weiß niemand genau. Niki Ernst, heute 40, hat jedenfalls versucht, sie in das "Guinness Buch der Rekorde" zu bringen. Die Rekordfesthalter fanden das nicht ganz so aufregend - es waren wohl keine Österreicher. Im Gespräch mit derStandard.at erzählt er über die Werbewelt, sein Liebhaberprojekt TEDx und wie ihn die Bawag bis ins Berufsleben "verfolgte".

derStandard.at: Wie ist es eigentlich dazu gekommen, dass Sie der Bawag-Bub wurden?

Ernst: Das war mehr oder weniger Zufall. Ein Bub ist kurzfristig ausgefallen, und meine Mutter war mit dem Produzenten Christian Skrein befreundet. Und schon stand ich am Roten Berg in Wien-Hietzing und wir haben gedreht. Für mich war das ja ein Spaß. In zwei Tagen haben wir die zwei Bawag-Spots, eine Werbung für einen italienischen Orangensaft und einen Moulinex-Film gedreht. "Moulinex ist der Spezialist" hieß das damals.

derStandard.at: Dadurch sind Sie wohl unendlich reich geworden.

Ernst: Na ja, es geht so. Es waren, glaube ich, rund 10.000 Schilling, die meine Mutter bekam, und das war auch vollkommen in Ordnung.

derStandard.at: Sind Sie über die Jahre häufiger auf die Spots angesprochen worden?

Ernst: Ja, das hat mich schon verfolgt. Zumindest bis zur Pubertät, wo man sich dann ja schnell radikal verändert. Die Leute fanden es entweder super oder haben die Werbung gehasst. Zwischendrin gab es nicht viel.

derStandard.at: Wie ging es dann weiter?

Ernst: Ich habe einmal die Schule fertig gemacht, studiert und solche Sachen eben und bin dann bei Günther Lebisch bei der BBDO gelandet. Und wie der Zufall so spielt, habe ich mit ihm dort die Bawag als Kunden betreut und den Folgefilm zu meinen Spots aus der Kindheit produziert. Es geht aber noch weiter: Später, als ich bei McCann arbeitete, habe ich wieder die Bawag betreut, weil die mittlerweile die Agentur gewechselt hatte.

derStandard.at: Was hat Ihnen damals an der Werbewelt imponiert?

Ernst: Es war eine spannende Zeit für mich. Ich habe hauptsächlich internationale Arbeit gemacht und war viel unterwegs. Deswegen habe ich übrigens auch fliegen gelernt. Weil ich zum Beispiel für Termine an einem Tag von Wien nach Zagreb, Ljubljana, Split und wieder zurück musste, kam es für die Firma billiger, wenn ich selbst fliege. Ich habe also einen Fluglehrer an die Seite bekommen und bin Pilot geworden. Fliegen ist bis heute eine Leidenschaft. Das war schon lustig, wenn man mit dem Zündschlüssel zum Flughafen geht, an allen Schranken vorbei zum Flugzeug und dann wegfliegt. Ich kam auf circa 40 Flugstunden im Jahr.

derStandard.at: Jetzt haben Sie aber eine eigene Firma.

Ernst: Ja, planetsisa gibt es seit 2008. Ich habe immer gerne für die großen Agenturen gearbeitet, aber irgendwann hat es für mich nicht mehr so gepasst. Also wollte ich sehen, wie man es selbst ein bisschen anders machen kann. Jetzt sitzen neun Leute in Wien und drei in Salzburg. Hier in Wien sind wir im 17. Bezirk mitten im Grünen, kochen zu Mittag, und nach vier Jahren haben wir für Mitarbeiter ein Sabbatical-Programm, bei dem sie einen Monat lang machen können, was sie wollen - auf Kosten der Firma. Eine Kollegin war in New York, der nächste geht bald den Jakobsweg.

derStandard.at: TEDx Salzburg machen Sie auch. Wie geht sich das alles aus?

Ernst: Ja, einen Tag der Woche widme ich TEDx (die Ted Talks sind eine Eventreihe, bei der Experten in 18 Minuten über ein Projekt oder ein Thema referieren. Auf YouTube haben einige Ted Talks mehrere Millionen Views. Anm. d. Red.), das ist für mich eine wunderbare Abwechslung zum normalen Werbegeschäft. 2004 habe ich das erste Mal einen TED Talk von Jeff Han gehört. Er hat dort ein neues Interface präsentiert, bei dem man mit Fingern direkt am Display Dinge bewegen kann - also die Standard-Technologie der Touchscreens von jedem iPhone etc. heute. Das hat mir imponiert. 2009 war ich dann in Oxford bei einer Konferenz dabei und habe die Lizenz für die Veranstaltung von TED-Talks in Salzburg bekommen. (Lisa Stadler, derStandard.at, 18.9.2012)

Niki Ernst (40), spielte als Kind durch Zufall in zwei Bawag-TV-Spots mit, die 13 Jahre lang im österreichischen TV zu sehen waren. Mittlerweile ist er Geschäftsführer der Agentur planetisa und organisiert die Ted Talks in Salzburg. Das nächste TEDx Event findet am 29.9. zum Thema "Be proud" statt (Tickets und Infos).

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