Altstadtverband Salzburg: Millioneneinbußen wegen Citysperre

  • Die Innenstadtsperre in Salzburg gehe auf Kosten der Wirtschaft, erklärt der Altstadtverband.
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    foto: kerstin joensson/dapd

    Die Innenstadtsperre in Salzburg gehe auf Kosten der Wirtschaft, erklärt der Altstadtverband.

Wiederholung würde langfristig zu massiven Umsatzrückgängen führen

Salzburg - Die Wirtschaft in Salzburgs Altstadt habe durch die fünfwöchige Durchfahrtsperre der Innenstadt im Sommer Umsatzeinbußen von knapp 3,5 Millionen Euro hinnehmen müssen, erklärte der Altstadtverband am Montag. Das seien 1,5 Prozent des Jahresumsatzes. Sollte sich das Szenario wiederholen, würden langfristig aber die Umsätze um 33 Millionen Euro zurückgehen, was Auswirkungen auf die gesamte Struktur in der Altstadt brächte. Das ergab eine Studie, die der Altstadtverband in Auftrag gegeben hatte.

Fünf Wochen lang war im Sommer werktags die Fahrt durch Salzburgs Innenstadt von 10.00 bis 14.00 Uhr verboten, wobei es Ausnahmen für Bewohner, Arbeitnehmer, Hotelgäste, Lieferanten, Gehbehinderte oder den öffentlichen Verkehr gab. Die Untersuchung zeigte nun, dass die Auswirkungen für die Stadtbewohner selbst am geringsten waren, weil nur jeder Achte in dieser Zeit mit dem Auto unterwegs war. Die Bewohner aus den umliegenden Bezirken, dem grenznahen Oberösterreich und aus Bayern kommen aber mit dem Auto, und dies werde auch so bleiben, sagte Studienautor Roland Murauer.

Besucher gegen Wiederholung

Gerade dieses Klientel ist laut Studie für die Altstadt-Wirtschaft unverzichtbar, denn 70 Prozent des Umsatzes werde mit Kunden und Gästen aus diesen Gebieten und der Stadt Salzburg selbst erwirtschaftet. Laut der Befragung würden etwa zwei Drittel der Bayern im Falle einer Wiederholung der Aktion weniger oft kommen oder die Altstadt überhaupt meiden (24 Prozent). Bei den Oberösterreichern wäre es nahezu jeder Zweite, und auch aus den Salzburger Bezirken würden 14 Prozent weniger oft und acht Prozent gar nicht mehr die Altstadt besuchen.

Inga Horny, Geschäftsführerin des Altstadtverbandes, wehrt sich nicht grundsätzlich gegen Verkehrsmaßnahmen. Allerdings müsse zunächst einmal klar definiert werden, welche Ziele man überhaupt erreichen wolle. Schon in den nächsten Wochen wird daher unter Federführung eines früheren Verkehrsplaners aus Zürich ein dreistufiger Workshop zum Thema "Vision Verkehr Altstadt" durchgeführt, in den Experten aus allen möglichen Bereichen eingebunden werden. Das Ergebnis dieses Prozesses soll Basis für Verhandlungen mit der Politik sein, um ein langfristiges Modell zu erarbeiten. Parallel dazu überprüft der Altstadtverband mit Unterstützung externer Verkehrsexperten all jene Vorschläge, die zurzeit von der Stadtpolitik zum Thema Verkehr einlangen.

Die Studie wurde von der Cima Austria Beratung + Management GmbH durchgeführt. Dazu wurden 1.511 Haushalte in der Stadt Salzburg, in den Landbezirken und in den angrenzenden bayerischen und oberösterreichischen Regionen telefonisch befragt. Weiters wurden 1.347 Passanten interviewt sowie Fragebögen an die Wirtschaftstreibenden verschickt, von denen 356 (42 Prozent) beantwortet zurückkamen. (APA/red, 17.9.2012)

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