Historiker Cüppers: "Die Waffen-SS war der Wegbereiter der Shoa"

Analyse

Der Mythos von den "sauberen Waffen-SSlern", wie er am Ulrichsberg verbreitet wurde, ist unhaltbar

Wien - Hermann Kandussi, Präsident der Ulrichsberggemeinschaft, versteht die Welt nicht mehr. Warum sollte nicht ein Mitglied der Waffen-SS (Herbert Bellschan von Mildenburg, Jahrgang 1924) die Festrede am Ulrichsberg vergangenen Sonntag halten? "Sagen Sie mir ein Verbrechen, das die Waffen-SS begangen hat!"

Kein Problem. Die Kriegsverbrechen der Waffen-SS, wie Massenmorde an Zivilisten bis hin zur Beteiligung an der Judenvernichtung, sind bestens dokumentiert. Eine Aussage wie die Kandussis steht zwar in der Tradition der Rechten in Österreich, ist aber faktenwidrig und streift nach Meinung von Juristen den Tatbestand der Verharmlosung des Nationalsozialismus. Am Montag startete die Staatsanwaltschaft Klagenfurt mit Ermittlungen gegen die Ulrichsberggemeinschaft.

Die Waffen-SS war die "Weltanschauungsarmee" des Nationalsozialismus. Sie unterstand direkt dem "Reichsführer SS" (RFSS) Heinrich Himmler und bestand aus Kampfverbänden und den Wachmannschaften der KZs. Bei der Ausbildung wurde auf Fanatismus im NS-Sinn großer Wert gelegt. Der Feldzug im Osten war von Hitler als weltanschaulicher Vernichtungskrieg angelegt. In einer Weisung vom 3. März 1941 hieß es: "Dieser kommende Feldzug ist mehr als nur ein Kampf der Waffen ... um diesen Krieg zu beenden ... (muss) die jüdisch-bolschewistische Intelligenz ... beseitigt werden."

Für diesen Vernichtungskrieg, der von Anfang an praktisch alle Juden erfasste, wurden im Frühjahr 1941 mehrere Waffen-SS-Einheiten aufgestellt: das 1. und 2. SS-Kavallerie-Regiment und die 1. und 2. SS-Infanterie-Brigade (mot.). Die Reiter-SS hatte schon in Polen Massenerschießungen durchgeführt. Sie und die motorisierten Infanteriebrigaden sollten in Russland vor allem hinter der Front " Sicherungs- und Säuberungsaufgaben" übernehmen. Dahinter verbarg sich zwar teilweise Kampf gegen Partisanen, vor allem aber Terror gegen Zivilisten, besonders Juden. Die SS-Reiter erschossen im Juli/August 1941 rund 25.000 Juden in den Pripjet-Sümpfen. Dabei wurden erstmals auch Frauen und Kinder ermordet. Die 1. SS-Infanteriebrigade tötete allein von Ende Juli bis Mitte August etwa 7000 Juden jeden Geschlechts und Alters. Mitglied dieser Brigade war Friedrich Peter, später Vorsitzender der FPÖ.

Der Historiker Martin Cüppers: "Diese SS-Brigaden waren die ersten, die überhaupt zur Massenvernichtung von jüdischen Zivilisten eingesetzt wurden. Sie waren die Wegbereiter der Shoah." Ein ähnliches Wüten gab es auf dem Balkan, vor allem durch die Waffen-SS-Division "Prinz Eugen".

Es ist richtig, dass die Waffen-SS nicht nur aus " Hinter-der-Front-Säuberungs"-Einheiten bestand, sondern zum Teil über kampfstarke Eliteeinheiten verfügte. Aber auch die begingen schwerste Kriegsverbrechen wie etwa die SS-Panzer-Division "Das Reich" in Südfrankreich. In Tulle und Oradur-sur-Glane ermordeten sie mehrere hundert Zivilisten.

Besonders in den letzten Kriegsmonaten tat sich die Waffen-SS mit sinnlosen Gräueltaten hervor. Beim Transport von ungarisch-jüdischen Zwangsarbeitern durch die Steiermark, das Burgenland und Niederösterreich im März 1945 verübten Waffen-SS-Angehörige zahllose " 5-vor-12"-Morde. All das ist detailgenau dokumentiert (siehe die Arbeiten der Historikerin Eleonore Lappin). Wer heute noch den Mythos von der "sauberen" Waffen-SS verbreitet, kann sich auf Unwissenheit nicht ausreden. (rau, DER STANDARD, 18.9.2012).

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diese Treffen gehört Verboten!

Jeder der so einem Treffen beiwohnt gehört von Haus aus ein Prozeß wegen Wiederbetätigung gemacht!

Erschreckend:

Offensichtlich haben die viel Freude mit der Verherrlichung und Verharmlosung der Wehrmacht, der SS und des 3. Reiches, siehe:

http://www.facebook.com/Ulrichsbergtreffen

Kommentare offensichtlich zum Großteil aus der Neo-N***i-Szene

Rauschers Beitrag erläutert kurz und knapp in welcher ideologischen Bandbreite sich der Umgang mit der Waffen SS abspielt. Und das reicht auch für die politische Positionierung des Einzelnen.
Für tiefere Einblicke muss der Interessierte schon recht arg recherchieren und militärhistorische Wälzer durcharbeiten.

Nur eines sei gesagt: Im anglo-amerikanischen Raum ist die Rezeption der Waffen SS als kämpfende Truppe durchwegs positiver, als im deutschsprachigen Raum.

Wer sich an das Bild der US-Soldaten, welche vor einer eindeutigen SS (SniperScouts!!)-Flagge posieren, erinnert, kann diese Rezeptionsgeschichte vielleicht schon erahnen.

Wenn man einen Boxkampf zeigt, bei dem nur ein Boxer zu sehen ist und der andere unsichtbar bleibt,

bekommen wir sicher kein klares Bild, was dort im Boxring passiert.
Die Sowjetunion war zum Zeitpunkt des Angriffes das Reich des Bösen, das die ganze Welt mit der Weltrevolution bedrohte und im Inneren bisher in der Menschheitsgeschichte beispiellose Grausamkeiten verübt hatte.
Außerdem hat die SU wie Hitler Polen überfallen, dann Finnland, und annektierte Teile der Länder. Warum wohl haben die Verbündeten Polens nicht auch Rußland den Krieg erklärt?
Weil es nicht um Moral ging, sondern um Machtspiele.
Wer einem brutalen starken Regime gegenübersteht kämpft nicht mit Samthandschuhen. Wäre Hitler so überlegen gewesen wie die USA dem Irak oder Afghanistan, hätte er sich auch das Mäntelchen des Riitterlichen umgehängt.

Faktum ist:

am 22.6.41 hat wer angegriffen ? Ich weiß, ich weiß, Präventivschlag, haha. Warum dann die grossen Anfangserfolge, wenn der Gegner seinerseits eh' jeden Augenblick selbst angreifen wollte.
Und der Krieg war von Anfang auch gegen grosse Teile der Zivilbevölkerung ausgerichtet. Und zwar systematisch.

blablabla Relativierung blabla die tapfere SS hat sich nur vor der böse bösen Roten Armee gewehrt blabla christliches Abendland vs. unglübiger Kommunismus schwurbel brechkotz

eines von vielen

In Griechenland verübte eine Waffen-SS-Einheit im Juni 1944 das Massaker von Distomo. Über 200 unschuldige Zivilisten wurden getötet, das Dorf zerstört.
http://de.wikipedia.org/wiki/Distomo

erschreckend, ... aber warum spielt die Freiwillige Feuerwehr mit?

Warum setzen diese alten Männer immer noch auf ein braunes Image, haben die nichts, rein gar nichts, in Kärnten dazugelernt???

Was aber noch viel erschreckender ist, dass die "Freiwillige Feuerwehr" sich bereitwillig in den Kreis der Gestrigen einfandt. Das können viele Menschen einfach nicht mehr nachvollziehen und werden auch zukünftig die Feste der blaubraunen Florianijünger meiden ...

.

Naja -es ist halt die unendliche Geschichte was schändlicher ist:

Ermorde ich 7000 Zivilisten systematisch durch Kopfschuss oder ermorde ich sie systematisch durch Spreng- und Brandbomben.

Darüber wurden vermutlich schon ebensoviele Bücher geschrieben iwe es Opfer gab.

Eine müßige Diskussion..

Am Ende schreiben immer die Sieger die Geschichte.

aber dass juden gleich welchen alters ermordet gehören, steht für so ein nazerl ^^wohl fest. es stellt sich nur die frage der methode. q.e.d.

Nur eine ernstgemeinte sachliche Frage..

Glauben sie das Bomben und Sprengkörper aufs Alter der Opfer schauen? Oder sind dann doch auch Menshcen jeglichen Alters betroffen?

Der Holocaust war und ist der abscheulichste Massenmord aufgrund seiner Fabriksmässigen Art und der grausamen Tötungsmethoden.

was verstehen Sie daran nicht, dass jüdische zivilisten GEZIELT gesucht und ermordet wurden, weil ihre ermordung für die wahnhaften antisemiten wichtigstes kriegsziel war?

Was verstehen SIE daran nicht

das die Nazis alle Juden umbringen wollten? Egal ob Zivilist oder sonst was?

Aber natürlich auch wer eien Bombe auf Städt wirft will auch alle Menschen darin umbringen egal ob SOldate (das ist das ziel) aber auch die Zivilisten darin.

Stimmt sicher..

daher auch die Einschätzung der Historiker das es eine verbercher Organisation ist.

Also sollte bei ALLEN SS Mitglieder eine Anklage erhoben werden, um zu schauen wer sich welcher Individualschuld schuldig gemacht hat. Und zwar auch jetzt noch bei über 90jährigen

Das Problem sehe ich woanders

Im Nachhinein kann man leicht moralisch überlegen sein und diese SSler verteufeln, aber zur damaligen Zeit haben ja viele wirklich geglaubt, daß Hitler quasi ein neues und gutes Zeitalter für den Großteil (?) der Bevölkerung will und das Land in eine strahlende Zukunft geht.

Wenn man dann aber einsehen muss, daß man nur einem Verbrecher und seinem Regime gedient hat, ist das nicht leicht zu verkraften.

Diese Leute haben eben ihre Pflicht erfüllt und sehen das noch heute so - auch wenn sie diese Pflicht für ein Unrechtsregime erfüllt haben. Die ideologische Verblendung und der Starrsinn des Alters verhindert eine Selbstreflexion.

Die wenigesten die heute mit dem Finger zeigen, hätten damals den Mut gehabt Widerstand zu leisten.

für den Großteil (?) der Bevölkerung

was soll das fragezeichen?

bevor ich mitleid mit SS lern habe

habe ich lieber Mitleid mit den Millionen von Menschen, die das Nazi Regime kaltblütigst ermordet hat.

sich im auftrage der macht zu bewaffnen und auszuziehen, um andere menschen zu töten,
ist die pflicht keines einzigen menschen. damals nicht, heute nicht und morgen auch nicht.

die pflicht jedes einzelnen menschen wäre es, töten auf verlangen der macht (egal welcher) zu verweigern.

womit Sie aber sicher recht haben: anno 2012 ist es nicht besonders schwierig, virtueller antifaschist zu sein und die gräuel des nazisystems vollständig zu erfassen (ausser vielleicht für leute wie kandussi).
vor 70 jahren war das bedeutend schwieriger, verlangte bedeutend mehr mut, übersicht und entschlossenheit.

deshalb sollte man systeme "streng" beurteilen, menschen innerhalb von systemen aber milde (ausser vielleicht kandussi).

Oh - ein ganz Mutiger ...

.... "... Pflicht jedes einzelnen Menschen ...".
Gratuliere! Wie tapfer Sie sich dem Erschießungskommando stellen.
Nur dass das klar ist: Soldaten haben noch nie einen Krieg begonnen oder erklärt. Es waren IMMER Politiker, weil Krieg nicht das Versagen der Soldaten sondern das Versagen der Politiker dokumentiert.
Jedem Krieg geht das Versagen der Politik voraus.

soldaten sind offenbar zu feige, zu manipuliert und zu gehirngewaschen, um "nein" zu sagen.
allein die entscheidung eines jungen menschen im westen, soldat zu werden, ist zu hinterfragen.
heute weiss man längst, dass wir soldaten nicht ausbilden, um uns zu verteidigen sondern um andere anzugreifen.

der mensch ist zu moralischer selbstverantwortung fähig.

"der mensch ist zu moralischer selbstverantwortung fähig."

Das ist sicher richtig. Ich wage aber nicht, Menschen zu verurteilen, die nicht den Mut dazu hatten.

Naja, war auch etwas anders gemeint...

Ich mache auch keinem Soldaten einen Vorwurf, dass er sich nicht getraut hat "Nein" zu sagen, obwohl - wenn alle zusammenhalten täten, würde das sogar funktionieren, siehe Weihnachtsfrieden 1914 - wenn auch nur von kurzer Dauer. Bei dieser Diskussion geht es mehr um die immer noch vorhandene Verherrlichung eines verbrecherischen Regiems und den daran Beteiligten, manche sind ja immer noch stolz auf ihre Rolle als Wehrmachts- oder SS-Mitglied... darum gehts!

darum gehts aber jetzt nicht! es geht nicht darum Motive, Schuld und persönliches Engagement zu beleuchten! Es geht darum, dass sich da leute herstellen und mit genau ihrer Argumentation eine verbrecherische Ideologie reinwaschen wollen!!!

Wenn sich die leute herstellen und sagen: "Ja, ich war dabei! Ja, es war ein verbrecherisches Regime! Und wir müssen alles daran setzen, dass sowas nimmer passiert!" Ja, dann würde das ganze irgendeinen sinn ergeben! Das passiert aber nicht, das wollen die nicht! Und SIE auch nicht, stimmts?

"Pflichterfüllung" wie zB die Ermordung von Kindern?

Sagen Sie mir ein Verbrechen, das die Waffen-SS NICHT begangen hat!

Man muss jetzt nicht jeden Deutschen persönlich verdammen, weil er damals in irgendeiner Form an bewaffneten Auseinandersetzungen teilgenommen hat, aber wir brauchen auch wirklich nichts über die allgemeinen Strukturen und Vorhaben zu beschönigen. Die Waffen-SS war letztlich ja deswegen nötig, weil das, was die getrieben haben, nicht mal die Wehrmacht so ohne weiteres ausgeführt hat.

Übrigens habe ich in einem Buch auch sehr kritische Worte von Ex-Generälen Deutschlands gelesen, die gemeint haben, dass das Ausmaß, in dem man deutsche Zivilisten verfolgt hat, ob man sie nun Juden, Sozialisten oder wie auch immer genannt hat, eben ganz normale Bürger, der Kampfmoral extrem geschadet hat - wer will schon für die Mörder seiner Familie kämpfen?

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