"Ein kleiner Fehler, und schon ist es vorbei"

Interview | Thomas Hirner
17. September 2012, 18:16
  • Österreichs erster Vorstieg-Weltmeister Jakob Schubert: "Als großer Sportfan glaube ich, dass Klettern den meisten Sportarten
überhaupt um nichts nachsteht."
    foto: epa/stephane reix

    Österreichs erster Vorstieg-Weltmeister Jakob Schubert: "Als großer Sportfan glaube ich, dass Klettern den meisten Sportarten überhaupt um nichts nachsteht."

  • Schubert: "Nachdem ich schon
9a+ geklettert bin, wäre nun 9b, der schwerste Grad, den es im Moment gibt, das
nächste Ziel."
    foto: epa/stephane reix

    Schubert: "Nachdem ich schon 9a+ geklettert bin, wäre nun 9b, der schwerste Grad, den es im Moment gibt, das nächste Ziel."

  • Jakob Schubert, WM 2011, Lead Men Final.

  • Underground (8c+/9a), Jakob Schubert.

  • Dan Osman, Speedkletterer (1963-1998)

Österreichs frischgebackener Vorstieg-Weltmeister Jakob Schubert über den Kletterboom, Klimmzüge mit dem kleinen Finger

derStandard.at: Herzliche Gratulation zum Weltmeister-Titel in der Königsdisziplin des Klettersports! Sie sind Österreichs erster Vorstiegs-Weltmeister. Wie schwierig war der "Fight Ihres Lebens"?

Jakob Schubert: Es war nicht einfach, weil eine WM nur einmal im Jahr stattfindet. Bei den Weltcups hat man mehrere Chancen, weil es mehrere Events pro Jahr gibt. Bei einer WM ist der Druck doppelt so hoch und dementsprechend ist auch die Nervosität viel höher und deutlich zu spüren. Ausschlaggebend für den Erfolg war, dass ich im Kopf sehr gut abschalten und mich voll auf das Klettern konzentrieren konnte. Die Tour war enorm schwer, ist mir aber sehr zu Gute gekommen. Dass es für den Titel reicht, habe ich noch nicht ganz realisiert. Ich bin jedenfalls überglücklich.

derStandard.at: Mit Gold ist für Sie Ihr "großer sportlicher Lebenstraum in Erfüllung gegangen". Gehen Sie jetzt in Sportpension?

Schubert: (lacht) Auf jeden Fall nicht, ich bin ja erst 21. Dass ich mir meinen größten Traum schon so früh erfüllen konnte, ist ein Wahnsinn. Man kann bei Weltmeisterschaften extrem stark sein und den Titel holen, man kann aber auch die ganze Karriere leer ausgehen. Ein kleiner Fehler und schon ist es vorbei.

derStandard.at: Sie waren vor dem Wettkampf locker, kaum nervös und spürten, in Topform zu sein. Spielt beim Vorstieg-Klettern die Art der Route eine essentielle Rolle?

Schubert: Es gab fünf Favoriten auf den Sieg. Jeder hat natürlich seine Stärken. Es gibt Unterschiede bei der Länge der Route, bei den Griffarten. Manchmal ist mehr Ausdauer gefragt, dann wieder mehr Maximalkraft. Wir trainieren darauf hin, dass wir auf jede Routenart gut vorbereitet sind. Und ich glaube, dass es auch meine große Stärke ist, auf allen Routen gut sein zu können. In Paris ist mir die Tour entgegengekommen. Ich hatte von Anfang an einen Lauf, habe nirgends gezögert und die schweren Stellen schnell überklettert. Das war ausschlaggebend. Noch dazu habe ich in den letzten Monaten extrem viel Selbstvertrauen getankt, mich in den Trainings sehr stark gefühlt und habe so den mentalen Aspekt gut unter Kontrolle gehabt.

derStandard.at: Welche Rolle spielen Kraft, Ausdauer und mentale Stärke?

Schubert: Der Vorstieg ist ein Zusammenspiel aus Kraft und Ausdauer, weil es doch 15, 20 Meter rauf geht. Außerdem sind so knallharte Züge drinnen, sodass man eine gute Maximalkraft braucht. Der mentale Aspekt spielt natürlich auch eine sehr große Rolle, weil es viele Athleten auf Topniveau gibt.

derStandard.at: Schaffen Sie Klimmzüge mit dem kleinen Finger?

Schubert: Das habe ich noch gar nicht ausprobiert. Es gibt Kletterer, die schaffen das, aber ich gehöre wohl nicht dazu. Das ist auch gar nicht notwendig. Im Wettkampf muss man sich nie mit einem Arm ohne Füße hinaufziehen. Einen einarmigen Klimmzug sollte man schon schaffen und das können wohl auch alle. Wenn die Technik gut ausgereift ist, dann macht man das Meiste ohnehin mit den Füßen.

derStandard.at: Fünf Medaillen gingen in Paris an Österreich. Worauf führen Sie diese beachtliche Erfolgsquote zurück?

Schubert: Wir sind seit Jahren ein irrsinnig starkes Team aus Spitzenathleten, nicht zuletzt wegen unserer super Trainer Reinhold Scherer und Rupert Messner. Es wird auch hervorragende Nachwuchsarbeit geleistet und der Zusammenhalt ist sehr stark.

derStandard.at: Wie darf man sich einen Trainingstag vorstellen? 

Schubert: An normalen Tagen muss ich mich um halb neun beim Bundesheer melden und gehe dann gleich in die Kletterhalle um zweieinhalb Stunden Maximalkraft zu trainieren, nach einer Mittagspause steht am Nachmittag ein Ausdauertraining an, das zirka vier Stunden dauert. Das Ganze fünfmal pro Woche. Maximalkrafttraining funktioniert nur mit vollen Speichern, dazu sind auch Pausetage nötig.

derStandard.at: Wie viele Nationen mischen an der Kletter-Spitze mit?

Schubert: Da gibt es große Unterschiede zwischen Bouldern, Vorstieg und Speed und auch zwischen Damen und Herren. Zu den Topnationen gehören Russland, Frankreich und Österreich.

derStandard.at: Ist das Klettern olympia-reif?

Schubert: Auf jeden Fall. Ich verfolge Olympia immer via TV und als großer Sportfan glaube ich, dass Klettern den meisten Sportarten überhaupt um nichts nachsteht.

derStandard.at: Sie sind im April 2011 in Spanien den Papichulo (9a+) geklettert. Welche weiteren Ziele haben Sie sich am Fels vorgenommen?

Schubert: Von den Wettkämpfen her geht es jetzt noch bis Ende November weiter, fast jedes Wochenende steht ein Wettkampf auf dem Programm. Danach würde ich die Zeit gerne nutzen, um nach Spanien zu fahren und dort auf Fels zu klettern. Nachdem ich schon 9a+ geklettert bin, wäre nun 9b, der schwerste Grad, den es im Moment gibt, das nächste Ziel. In Spanien gibt es diesbezüglich große Auswahl an Kletterspots.

derStandard.at: Wie kamen Sie zum Klettern?

Schubert: Ich war ein Spätstarter, habe erst mit zwölf Jahren begonnen. Damals hat mich mein Patenonkel in die Innsbrucker Kletterhalle mitgenommen. Ich bin im Wochenrhythmus klettern gegangen. Nachdem mich mein jetziger Trainer Reinhold Scherer dort entdeckt hat, habe ich  im Innsbrucker Kletterteam mittrainiert und dann nicht mehr aufgehört, weil es mir so getaugt hat.

derStandard.at: Mussten Sie zu Beginn Ihrer Kletterkarriere Ängste vor der Höhe oder dem Runterfallen überwinden?

Schubert: Wenn man früh als Kind damit anfängt, dann kriegt man das gar nicht so mit. Da unterschätzt man das und kriegt das sozusagen ins Blut. Daher hatte ich nie mit Angst zu kämpfen, außer natürlich beim Felsklettern, wenn es weite Hakenabstände gibt. Dann aber ist aber meiner Meinung nach auch ein bisschen Angst wichtig, damit man nicht zu viel Risiko eingeht.

derStandard.at: Müssen Sie auf Ihr Körpergewicht achten?

Schubert: Ja natürlich, aber es ist nicht schlimm. Zum Glück bin ich diesbezüglich gesegnet, ich nehme weder schnell ab noch zu.

derStandard.at: Im Vergleich zu früher genießt Klettern heutzutage große Popularität. Worauf führen Sie diesen Boom zurück?

Schubert: Klettern ist eine extrem lässige Sportart. Was uns in Österreich sehr hilft, ist, dass wir erfolgreich und in den Medien präsent sind. Es freut mich sehr, zu sehen, dass es immer mehr Leute gibt, die diese Sportart begeistert. Warum es erst jetzt so boomt, wundert mich ehrlich gesagt.

derStandard.at: Was halten Sie von Speedclimbing?

Schubert: Das ist extrem beeindruckend, aber man muss da Wettkampf und Free solo am Fels unterscheiden. Bei Wettkämpfen gibt es Seilsicherung und eine genormte Route. Am Fels gibt es nur ein paar Wenige, die das machen, wie Dan Osman zum Beispiel. Aber Free solo ist mit sehr viel Risiko verbunden. Von dem her ist das für mich fix nichts. Ich lasse es lieber. (Thomas Hirner, derStandard.at, 17.9.2012)

Jakob Schubert (geboren am 31. Dezember 1990) lebt in Innsbruck und ist von Beruf Sportsoldat. 2011 gewann er den Gesamtweltcup in Lead und Overall, belegte bei der WM in Arco 2011 (ITA) Platz zwei (Lead). Am 16. September 2012 gewann er in Paris Gold (Lead) und holte damit den ersten Vorstieg-Weltmeistertitel nach Österreich. Seine bisher schwerste Route am natürlichen Fels gelang ihm im April 2011 in Spanien (Papichulo, Schwierigkeitsgrad 9a+).

Links:

Jakob Schubert

Österreichischer Wettkletterverband

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Beeindruckend! Den jungen Mann lade ich mal zu mir beim Hausbau ein, da isolier ich mit DämmWolle das Dach von innen, erspar mir das Aufbauen eines Gerüsts. Jakob hantelt oben rum und drückt mit Fuß oder Hand, was eben gerade frei ist, die ihm zugeworfenen Teile rein. Winwin!

Wie wird die Disziplin 'Vorstieg' gewertet? Geht das auf Zeit?

in dem Fall hat es soweit ich es mitbekommen habe keiner der Finalisten bis zum Top geschafft, da ging es dann mehr oder weniger um die erreichte Höhe des höchsten Griffes!
Vermutlich wird bei mehreren Top-erreichungen dann die Zeit gewertet..

Korrigiert mich bitte falls ich falsch liege!

:D

Wer so einem Posting rot gibt, den würd ich gern mal kennenlernen. Muss ja eine interessante Person sein.

man findet nur alte Regeln, leider ...

.

netter "@gidolf", es geht doch nicht um rot und grün, es geht um auffindbare lesbare und aktuelle Wettkampfregeln, leider kann man die Regeln 2012 auf jener Bundesverbandsseite (ÖWK) leider nicht finden, abgesehen einer englischen Version, für die Übersetzung fehlt mir leider die Zeit, aber vielleicht kann das jemand machen, wär toll :)

http://www.wettklettern.at/index.php... Itemid=165

Macht nichts, Englisch kann ich besser als Kletterregeln. Danke!

... hier noch der aktulle Link zu den Welt-Wettkampf-Regeln, der Link auf der Österreichseite (Wettkampfklettern) ist leider defekt

http://www.ifsc-climbing.org/?category_id=201

Interview / IFSC Kanal

Da gabs gestern ein Interview mit Jakob Schubert und
Angela Eiter:

http://tvthek.orf.at/programs/... irol-heute
"Kletterland Tirol"

Der IFSC hält auf youtube einen ziemlich vollständigen Kanal:
http://www.youtube.com/user/ifsc... sults_main

Tirolteam, einfach perfekt drauf :)

Jetzt wissen es alle, die Kletterhalle in Innsbruck ist OPTIMAL! Man sieht es an der extrem hohen Dichte an WM-Medaillen und Weltcuperfolgen. Nun braucht sich Land und Stadt, wegen einer neuen millionenteuren Kletterhalle keine Sorgen mehr machen, weil die vielen sehr erfreulichen Erfolge beweisen es, die bestehende Halle ist einfach perfekt geeignet für das Training aller Spitzensportler :)

Mal abgesehen von dem Sarkasmus ihres Postings:

Die Kletterhalle in Innsbruck ist schlicht ranzig.

Gratuliere dem Jakob zu seinem grossen Erfolg.
Sich gegen einen Ondra durchzusetzen (3. Platz oO) ist echt eine immense Leistung.

Nebenbei - mein derzeitiges Lieblingsklettervideo will ich euch nicht vorenthalten ;)
http://tinyurl.com/9bk8osy

Jakob, ... ein „wilder Hund“ wie einst die Bergsteigerlegende Werner Haim

Jakob Schubert, als erster rotweißroter Kletterweltmeister (erste Reihe Fußfrei !), ein ganz großer Mann in Tirol und die reale Kletterikone am Tiroler Banner :=)

da bin ich nun sehr gespannt, ob die außergewöhnlich erfolgreichen innsbrucker, die so viele wm-medaillen schon gesammelt haben, auch eine adäquate kletterhalle vom landehauptmann zeitnah zugesprochen bekommen, na dann hoffen die tiroler auf eine positive entscheidung vom landesvater, ja hoffentlich ...

Der Herr Schubert ist sowieso eine Klasse für sich.

In der Kletterhalle am Tivoli hängens die schwerste Route auf, er steigt's durch, schnauft nichteinmal besonders und meint nur "Ganz leicht is nit" oder was in der Art...
Ist beruhigend, zu wissen, dass der Gute momentan der Weltbeste für dieserlei Dinge ist. Dann sei es einem auch gestattet eben dieselbe Route nach einem kurzen Blick auf die ersten paar Griffe mit "unmöglich" zu bewerten.
Unseren Kletterern wünsch ich alles Gute und viel Erfolg.
Mir selbst wünsch ich, dass ich den einen oder die andere mal wieder im KLetterzentrum in Innsbruck bewundern darf ;)

... ist Jakob Schubert wirklich ein Kärntner?

Pressemeldung kurier.at

Kletter-WM: Der Aufstieg zur Topnation
Österreich holte in Paris bereits fünf Medaillen. Zum Abschluss gab es für den Kärntner Jakob Schubert Gold.

http://kurier.at/sport/spo... nation.php

Kein Plan?!

Jedenfalls war er im Kletterzentrum Tivoli in Innsbruck. Und hat besagte Route ebenso bewertet.
War jedenfalls schon einige Zeit nachdem der Worldcup in Innsbruck gastiert hat, was ich mich erinnern kann...
Jedenfalls ist er ein sympathischer Kerl - und es ist einfach nur geil, wenn man ihm zuschaut, mit welcher Leichtigkeit und scheinbarerer (?) Ignoranz der weiß-Gott welche Probleme im wahrsten Sinne des Wortes im Hand umdrehen löst...

apropos dan osman, wers noch nicht kennt...R.I.P.

https://www.youtube.com/watch?v=OX7p3jfr0mA

ok,...

wer bitte gibt auf sowas rot?!

ich nicht, aber ich kann mir gut vorstellen, dass es leute gibt die der meinung sind, man muss nicht alles auf die spitze treiben.

9a+ am freien fels.... alter falter.... jeder der schon mal selber zumindest einen 5er gegangen ist, kann nur niederknien vor diesen leuten - un-fass-bar

und free solo ... sowieso der nackte irrsinn

9a+ ist vergleichbar mit einer 11+ nach UIAA. Krank. bin letztens an einer 7er verzweifelt und wußte einfach nicht, was ich greifen soll bzw wo die griffe sind. (am naturfels versteht sich)

lustigerweise meinte der Fischhuber mal in einem Interview, dass Felsklettern meist leichter ist als Hallenklettern, wegen der meist inhomogeneren Schwierigkeiten (1 Schlüsselstelle, Rest Zu- und Ausstieg sozusagen) und mehr Varianten eine Stelle zu machen...9a+ ist natürlich unpackbar arg!

"Ein kleiner Fehler und schon ist es vorbei."

Da wüsste ich so manche Sportart, auf die das zutrifft ^^

stimmt schon, ... dieses Abtropf-Prinzip sollte auch auf Funkionäre, Verbandsangestellte und Trainer umlegbar/anwendbar sein *ggg*

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