Ethanol: Am Tropf der Lebensmittelindustrie

Kolumne |

Die EU ist bei E10 zurück gerudert, nun folgt auch Österreich

Das Kernproblem bei einer Erhöhung des Ethanolanteils im Kraftstoff liegt nicht etwa daran, dass die Agrana in Pischelsdorf Ethanol in einer Größenordnung des österreichischen Eigenbedarfs produziert, sondern im internationalen Mechanismus der Lebensmittelindustrie, der sehr komplex abläuft, auf jeden Fall aber ein erhebliches Risiko birgt, dass am Ende aller marktwirtschaftlichen Prozesse die Ärmsten sich das Essen nicht mehr leisten können.

Schon wenn es nur um Lebensmittelproduktion allein geht, ist das ein heikles Thema. Immer wieder pachten große Unternehmen in weniger entwickelten Ländern Agrarflächen. In der Unschärfe der politischen Verhältnisse bleibt der örtlichen Landwirtschaft dann nicht mehr viel zum Leben. Eine zügellose Herstellung von Ethanol würde enorme Mengen an zusätzlichem Flächenbedarf hervorrufen und diesen Effekt weiter verstärken.

Heikle Energiebilanz

Schon die derzeitige Situation ist bedenklich: Schlechte Ernten weltweit lassen den Weizenpreis (die bevorzugte Frucht für die Ethanolherstellung) in die Höhe gehen, während Russland mit Dumpingpreisen Weizen exportiert, obwohl nach US-Berechnungen die Lager bald leer sein müssten und nur mehr wenig für den Eigenbedarf bleibt.

Ein anderer heikler Punkt ist die Energiebilanz. Selbst im Technologieministerium (BMVIT) glaubt man nicht an die großen Vorteile von Ethanol als Ersatz für Erdöl, da die Herstellung von Ethanol selbst große Mengen an Erdöl verschlingt. Kein Wunder, dass die EU bereits zurückrudert ist, nun hat Österreich den Start ausgesetzt. (Rudolf Skarics, Der Standard Printausgabe, 14.9.2012, in der Onlineausgabe ergänzt am 17.9.2012)

Share if you care
6 Postings
selbst wenn es 100% aus Agro (NICHT "bio"!!) hergestellt wäre:

es IST und BLEIBT

1) Verbrennung (d.h. erzeugt CO2, NOx, Abgase, Giftgase)
2) Baummord (d.h. weniger Sauerstoff wird erzeugt)

(und blockiert Ackerflächen = vernichtet Waldflächen)
(und ist damit genauso schlimm wie Zersiedelung und IndustrieFlächenVerbrauch)

Sie sind gegen Zersiedelung weil Sie gerne in einer 30m2 Kleinwohnung leben und sich selbst für so wertlos halten dass die tolle Umwelt ja nicht unter Ihrer kümmerlichen Existenz leiden darf? Gönnen Sie sich mal etwas, Sie sind es wert, ich glaube an Sie :) Zum E10 an sich: Leider trocknet es nicht dafür ausgelegte Gummi/Kunststoffleitungen aus - den Hersteller freuts und ein poröser Schlauch muss auch repariert werden

Wieso traut sich (noch) keiner Algen im großen Stil einzusetzen?
Die Vorteile sind immens: http://www.wiwo.de/technolog... 54414.html
Man kann aus ihnen Biogas, - diesel und wasserstoff herstellen, sie wachsen viel schneller als Pflanzen, produzieren mehr Biomasse, man braucht keine Dünger, Pestizide, keine speziellen Anbauflächen und sie konkurrieren nicht mit Nahrungsmitteln (oder kaum....man kann sie ja eigentlich auch essen). Entsprechende Reaktoren könnte man auch in die Höhe bauen um Platz zu sparen...Algenhochhäuser sozusagen.

Das ist preislich völlig jenseits von gut und böse.

Genau, und Geschwindigkeiten jenseits von 30 km/h sind tötlich.

Der entscheidende Punkt ist die Spaltung der Beta 1,4 glycosidischen

Bindung. Man muss die Zellulose vergären können. Da gibt es unter anderem an der Uni Graz gute Ansätze. Pflanzen bilden nun mal ungleich mehr Zellulose als Stärke. Und die kann der Mensch nicht verwerten.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.