Jäger der verlorenen XP: Mann spielt alle Rollenspiele seit 1979 nach

Rainer Sigl, 17. September 2012, 13:23
  • "Wasteland": Das postapokalyptische Rollenspiel aus dem Jahr 1987 ist einer der geistigen Vorgänger der "Fallout"-Reihe.
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    "Wasteland": Das postapokalyptische Rollenspiel aus dem Jahr 1987 ist einer der geistigen Vorgänger der "Fallout"-Reihe.

  • "Ultima V": Der ewige Klassiker "Ultima V" (1988) fasziniert auch nach fast einem Vierteljahrhundert.
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    "Ultima V": Der ewige Klassiker "Ultima V" (1988) fasziniert auch nach fast einem Vierteljahrhundert.

  • "Starflight": 1986 erschien mit "Starflight" ein umfangreicher Klassiker des SF-Rollenspiels.
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    "Starflight": 1986 erschien mit "Starflight" ein umfangreicher Klassiker des SF-Rollenspiels.

  • "Bardstale": "The Bard's Tale" (1985) nötigt Spieler zum händischen Kartografieren.
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    "Bardstale": "The Bard's Tale" (1985) nötigt Spieler zum händischen Kartografieren.

Mammutprojekt startete 2010 mit "Akalabeth"

Manche Hobbys können ganz schön zwanghaft werden. Als Chester Bolingbroke im Jahr 2009 nach 72 Stunden pausenlosen Spielens mit roten Augen und schlechtem Gewissen aus der Fantasywelt von "The Elder Scrolls: Oblivion" auftauchte, fasste er angeekelt einen Entschluss: Es sollte endgültig vorbei sein mit der fatalen Faszination, die Computerrollenspiele, kurz CRPGs, seit seiner Jugend am C64 fast ungebrochen auf ihn ausübten. Reumütig sagte er der Welt der digitalen Erfahrungspunktejagd adieu - doch nicht für immer. Drei Wochen Entzugserscheinungen genügten, um eine andere Bewältigungsstrategie ins Spiel zu bringen: Wenn schon der Lockruf des CRPG so stark war, dann wollte er seiner Passion wenn schon, dann richtig erliegen. Auf seiner Website CRPGaddict dokumentiert Bolingbroke seit Anfang 2010 ein wahnwitziges Mammutprojekt: Beginnend mit "Akalabeth", dem Urvater der "Ultima"-Reihe aus dem Jahr 1979, spielt er sich chronologisch in der Geschichte des CRPGs bis in die Gegenwart.

Einzigartiges Games-Archiv

Heute, über zwei Jahre und stolze 75 (!) Spiele später, ist der Games-Archäologe bei "The Magic Candle" im Jahr 1989 und damit noch lange nicht am Ende angelangt. Seine Seite dokumentiert dabei akribisch die Eigenheiten jedes einzelnen getesteten Spiels in Text, Bild und Video und ist somit dabei, ein einzigartiges Dokumentationsarchiv eines ganzen historischen und auch heute noch quicklebendigen Spielgenres zu werden - ein Archiv, das auch so manchem der in letzter Zeit eröffnenden Games-Museen oder -Ausstellungen, wie etwa jenem des Smithsonian American Art Museum in Washington oder dem Computerspielemusum in Berlin zur Ehre gereichen würde.

Cheats und Walkthroughs sind tabu

Die Regeln, die sich der Enddreißiger aus Massachussetts dabei selbst auferlegt hat, sind strikt: In Frage kommen nach strengen Auswahlkriterien definierte Computerrollenspiele für DOS oder Windows, Cheats und Walkthroughs sind tabu. Ziel ist es, jedes Spiel bis zum Ende, minimal aber sechs Stunden lang zu spielen und zu dokumentieren. Bolingbroke, der in Wirklichkeit anders heißt und diesen "Künstlernamen" zur besseren Abgrenzung seines realen Lebens vom virtuellen gewählt hat, bedient beileibe nicht das alte Klischee eines zwanghaften Spielefreaks: Er ist beruflich erfolgreich, hat Frau und Kind, ist sportlich und hat einen gut bezahlten Job, der im Monat 20 Reisetage und manchmal auch 14 Stunden Arbeit pro Tag bedeutet - alles nicht unbedingt Merkmale des Klischeecomputerspielers. Die hohe Frequenz an Geschäftsreisen und Abenden in Business-Hotels bieten dafür aber Gelegenheit genug für Reisen in die Games-Geschichte.

Spielehistoriker aus Zufall

Bolingbrokes Mammutprojekt, das wohl noch Jahre bis zur Vollendung brauchen wird, ist aber mehr als eine Übung in Nostalgie. "Der Spaß am Spiel steht für mich bei meinem Projekt im Vordergrund. Ich behaupte, dass man mit diesen historischen Spielen genau so viel Spaß haben kann wie mit aktuellen Titeln", beschreibt er im Email-Interview seine Motivation. Durch sein obsessives Dokumentationsprojekt ist Bolingbroke zugleich beinahe zufällig zum Spielehistoriker geworden, der den historischen Spielen so ein virtuelles Museum errichtet. Und natürlich lässt sich an diesen Titeln, die Produkte ihrer Entstehungszeit sind, auch so einiges an tatsächlicher Geschichte ablesen: "Fantasy-Spiele sind eher zeitlos, aber an Science-Fiction-Rollenspielen wie ‘Wasteland' (1987) spiegelt sich viel von Kalter-Kriegs-Angst wider, und ‘Sentinel Worlds' (1989) oder ‘Starflight' (1986) sind stark von der Popkultur ihrer Zeit geprägt."

"Bei klassischen Spielen musste man selbst von Hand Karten zeichnen, sich Notizen machen und Puzzles noch auf dem Papier austüfteln. Das war für mich immer Teil des Reizes an diesem Genre. Aktuelle Rollenspiele nehmen die Spieler hingegen viel zu sehr an der Hand."

In den über dreißig Jahren, die zwischen den ersten Computerrollenspielen und aktuellen Genre-Blockbustern wie "The Elder Scrolls: Skyrim" liegen, hat sich vieles geändert - vor allem der Anspruch an den Spieler selbst. Ältere Semester können sich mit Sicherheit noch an Schulhefte voller selbst kartografierter Kerker und kryptische eigenhändige Aufzeichnungen zu den jeweiligen Titeln erinnern. Diese Herausforderung vermisst der Games-Historiker Bolingbroke bei heutigen Spielen: "Bei klassischen Spielen musste man selbst von Hand Karten zeichnen, sich Notizen machen und Puzzles noch auf dem Papier austüfteln. Das war für mich immer Teil des Reizes an diesem Genre. Aktuelle Rollenspiele nehmen die Spieler hingegen viel zu sehr an der Hand."
Dafür hätten sich natürlich unbestritten im Lauf der Jahre aber auch große Fortschritte gezeigt: "Vor allem Umfang und Offenheit neuerer Spiele sind, neben den unglaublichen Entwicklungen bei Grafik und Sound, ein großer Fortschritt. Die Klassiker bieten - auch wenn man das vielleicht subjektiv anders in Erinnerung haben mag - meist nur eine einzige Haupt-Quest und ein einzelnes Ende und waren überhaupt viel weniger umfangreich."

Zurück in die Zukunft?

Neben seinen persönlichen Favoriten - "Ultima V", "Might & Magic I", "Pool of Radiance" und "Starflight" - sähe Bolingbroke vor allem einen besonders berühmten Veteranen der Games-Geschichte gerne wieder im Rampenlicht der aktuellen Games-Industrie: Richard Garriott alias Lord British, der mit seiner "Ultima"-Reihe zeitlose Meilensteine des Genres geschaffen hat. Besonders "Ultima IV" würde Bolingbrokes Meinung nach als Remake mit zeitgemäßer Grafik und Interface auch 2012 noch gute Figur machen - ob allerdings das tatsächlich im Juli von Bioware angekündigte Free2Play-Remake "Ultima IV- Quest of the Avatar" dem Original im Sinne des Spielearchäologen gerecht wird, ist mehr als ungewiss. Der vor allem bei der Spielecommunity beliebte Trend zur - oft rechtlich ungesicherten - Neuauflage spielgeschichtlicher Meilensteine - aktuell etwa das gelungene Remake von "Half-Life", "Black Mesa" - zeigt, dass die großen Namen der Vergangenheit in der Spielerschaft trotz ständig neue Hypes fabrizierender PR-Maschinerien durchaus nicht ganz in Vergessenheit geraten.

"Ein wirklich großartiges Spiel bleibt großartig"

Letztlich braucht es aber gar keine stromlinienförmig dem aktuellen Massengeschmack angepasste Remakes, um die Klassiker zu genießen, meint zumindest Chester Bolingbroke: "Ein gutes Computerrollenspiel ist im Grunde nicht so sehr von der Technologie abhängig. Ein wirklich großartiges Spiel bleibt großartig, auch wenn Grafik und Sound natürlich nicht mehr den technischen Möglichkeiten der Gegenwart entsprechen. Es ist wie beim Film: Auch ‘Casablanca' ist ja nicht deswegen ein schlechter Film, weil er ‘nur' in Schwarz-Weiß gedreht wurde. Gute Spiele transzendieren die Technologie." (Rainer Sigl, derStandard.at, 17.9.2012)

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kann mich noch gut an die ganzen handgezeichneten Maps erinnern, die man bei Jet Set Willy, Knight Lore, Sabre Wulf,...und anderen Labyrinthspielen machen musste. Das war eine geile Zeit

Auch mal die Ultima-Besprechungen von Spoony anschauen!

http://spoonyexperiment.com/category/... ospective/

Der hat sich nämlich besonders viel Mühe gemacht.

anschauen ok. anhören ... da muss man schon ein fellow adhs-geschädigter sein.

Tja, der Mann ist eben engagiert. ;)

Weisst, "Rainer Battler"...

solche Hosenfurzer wie Du würden sich ganz gewiss nie hinsetzen und selber irgendetwas verfassen oder filmen.

Nur zum Maulen und das Knöpferl drücken, dafür kriegt's eure faulen Ärsche noch hoch.

hötaus, jetzt gibta gas :)

Darklands hat er auch noch vor sich, das alleine ist ein Monster-Projekt. Was hab ich damals Zeit mit diesem Spiel verbracht.

Viel Spaß bei "Fate - Gates of Dawn", das ohne Karten eine monate-, wenn nicht jahrelange Reise bedeutet.

Meine erste Reise hat 10 Jahre gedauert. Dafür brauche ich für Larvin heute keine Karte mehr. Ich kenne die Stadt in- und auswendig.

Ich habe schon ca. 100x Might and Magic 3, 4 und 5 durchgespielt. Das waren echt selten geniale Spiele. Letztens hab ich mir aus Neugier Skyrim gekauft. Rundenbasierende Spiele dürften scheinbar out sein. Bei Might and Magic konnte man 15 Minuten herumstehen und nichts passierte, bei Skyrim fällt dich nach 3 Minuten irgendein Viech an...

Am schönsten fand ich die Kombination aus Echtzeit und Rundenbasierung in Fallout 1+2.

was mir bei den alten might and magic-teilen so gut gefallen hat, war, dass man eine bestimmte monstergattung in einem landstrich einfach ausrotten konnte, in dem man den "generator" (meistens als "nest" o.ä. bezeichnet) finden und vernichten konnte. mich hat das viel mehr motiviert als die ständig respawnenden monster in den neueren rpgs.

Das stimmt. Bei Skyrim werde ich immer wieder von den gleichen Idioten mit Steinen beworfen, obwohl ich sie schon mindestens 5x umgebracht habe...

Auch fand ich die Dungeons bei der MM-Reihe fast abwechslungsreicher...

Skyrim, Oblivion und Co. leben von der Athmosphäre, die zweifelsohne großartig ist.
Ganz andere Vorraussetzungen.

Wird er alle Texte in Planescape Torment auch durchlesen? :-)

Hmmm... manche Spiele sind einmalig...

PeAcE

keine walkthroughs?

schreibt er doch selbst:
"Tomorrow, I'll make a decision whether to continue with Bloodwych or move on. There don't really seem to be any walkthroughs or full-length LPs online, so I have an urge to finish it just to document the ending. On the other hand, it really is excruciatingly boring, repetitive, and linear." http://crpgaddict.blogspot.co.at/

Und? In seinem Blogpost steht ja nix anderes als im Artikel.
Er wills eben deshalb beenden um es zu dokumentieren, WEIL es noch keine Walkthroughs dafür gibt. Und das, obwohl ers fürchterlich langweilig findet.
Kein Wort davon, dass er selbst Walkthroughs verwenden würde.

In order to piece together the entire story--which I was clueless about as I actually won the game--I had to look at walkthroughs and journal entries that I hadn't actually discovered. The sequence of events seems to be
---kein wort davon?

richtig: erst nachdem er seine regeln befolgt hat.
falsch: er schreibt selbst zum zweck der doku...Und nun?

Naja, mit dem richtigen Zitat ist das dann halt auch eine andere Sache... ;)
Wobei er den Walkthrough halt offenbar nicht verwendet hat um das Spiel durchzuspielen.

finds es persönlich eh irre und bemerkenswert was dieser mensch so vollbringt, bin ja selbst mit c64, apple 1 und amiga 500 inkl update mittels speicherkarte auf 1 mb! aufgewachsen. meinte nur das der standard artikel nicht exakt ist. jedenfalls finde ich hatten die "alten" spiele einfach "mehr"...ist halt so wie beim film gg bücher - beide bilden ca dasselbe thema an aber beim buch beginnt halt mehr im hirn zu laufen. so auch bei den neuen spielen. da ist grafik und fx alles. damals in den games manic mansion, zak mc kracken, leisure suit larry...am c64 das waren zeiten. oder am msdos 6.11. den konventionellen speicher mittels himem und config.sys und autoexec. anpassen damit das spiel rennt....das fehlt (zum glück?!) alles nun. heute mac

verdammte himem, autoexec und config anpassung! :)

Da hab ich auch noch viel Zeit damit verbracht! Aber es blieb einem auch nix andres übrig als sich mehrmit seinem Pc und seinen Wirkungsweisen auseinender zu setzen als heute!

Es gab aber selbst unter MS-DOS (ich glaube ab 5.0) die Möglichkeit ein "Bootmenü" zu erstellen.

Zwecks der Wahl zwischen expanded oder extended Memory...

;-) Ja, das waren noch Zeiten...

Ich seh das ähnlich wie Sie, wobei ich vom C64 direkt auf einen 286AT mit 16MHz, 1MB Hauptspeicher, 40MB Festplatte und VGA-GraKa gesprungen bin, auf dem ich mich dann mit Monkey Island, EOTB usw. vergnügt habe. Larry 1-3 sowie die anderen Sierra-Adventures (Conquests of Camelot, Kings Quest 1-4, Police Quest 1) durfte ich schon am Firmen-Laptop meines Vaters (10MHz, 15kg) spielen.
Die aktuellsten Spiele die ich noch ab und zu aufdreh sind Civ4, GTA:SA und Fallout 3.

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