Spätsommerliche Poesie

Die Austria gewann in Mattersburg in einem ansehnlichen Match Ansehen. Mitverantwortlich dafür war Philipp Hosiner, der die Austria zu einer runden Sache komplettiert

Mattersburg - Die Austria - das war schon immer so - ist ja stets eher besungen und nicht so sehr beschrieben worden. Von Alfred Polgar über Friedrich Torberg bis herauf zu Hans Weigl wurden den violetten Mimen poetische Kränze geflochten, und man will sich gar nicht vorstellen, was herauskommen könnte, würde Robert Menasse diesbezüglich zur Feder greifen. Vielleicht kommt das aber eh noch.

Pu der Bär

Bis dahin muss man sich mit Schlachtrufen begnügen. Etwa: "Wir brauchen keinen Pu der Bär / wir haben ja den Hosiner!"

Tatsächlich hatten Peter Stöger und alle anderen der Wiener Austria am verblichenen Sonntag diesen Philipp Hosiner, den 23-jährigen Burgenländer, der erstmals in Violett von Beginn an "ran durfte", wie man bei 1860 München, wo sie ihm die Ballesterer-Wadln vorgerichtet haben, wohl sagt.

Zwei Tore, ein drittes nur aus Gründen der sogenannten "ausgleichenden Gerechtigkeit" abseitsbezüglich aberkannt. Der von der Admira Geholte kann da leicht bescheiden sein. "Ich habe ja nur zweimal danke sagen müssen."

Nach dem zweiten Tor - "Na, was sag ich: Da schau her / schon wieder dieser Hosiner!" - marschierte er denn auch artig zur violetten Fantribüne und machte mehrmals den Diener, weil "man muss sich ja auch vorstellen bei den Fans".

Die haben es derzeit wirklich gut. Die Austria hat sich mit dem jungen Hosiner so weit komplettiert, dass die Mannschaft aussieht, als wäre sie rund. Da wird der Ball flach gehalten und geht deshalb oft hin und her - und ja, genau: Dann kommt der Hosiner. "Ich habe mich nicht viel umstellen müssen, die Austria spielt ähnlich wie die Admira." Nämlich - einmal noch: nicht verquer, sondern steil oder gestanglt auf Hosiner.

Peter Stöger hat mit diesem Team jedenfalls eine Mannschaft zur Gestaltung, die enormes spielerisches und kämpferisches Potenzial hat. Zweimal ist Mattersburg ja in Führung gegangen, hat stets versucht, den Favoritnern zu zeigen, wo der Barthel den Most herholt. Das ergab am Sonntag, als der Frühherbst seine Brillanz in den Spätsommer zauberte, ein schönes, mitreißendes, sozusagen theatralisches, insgesamt beinahe unösterreichisches Fußballspiel. Da haben zwei Teams einander nichts geschenkt. Und am Ende hat das bessere 4:2 gewonnen. Drei Gegentore hat Heinz Lindner in den acht bisherigen Runden hinnehmen müssen. So viel zur Mattersburger Leistung.

Montagfrüh begann wieder die burgenländische Arbeitswoche, das Pendeln. Da hat man dann im Zug auch Zeit zum Twittern. Andreas Berger, ein TV-Journalist im Alter des Herrn Hosiner, fand am Mattersburger Bahnhof ein Gedicht mit dem schönen Titel Neues Lied. Er fotografierte und twitterte es: "Austria, du bist mein Verein / du wirst immer der Stolz der Hauptstadt sein. / Wir lieben dich so sehr und scheißen am SCR / und sind gegen Kommerz."

Geht man vom Pappelstadion hinauf zum Bahnhof, kommt man vorbei am Literaturhaus. Und so fügt sich das eine zum anderen, wie Philipp Hosiner in diese vielversprechende Austria. (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD, 18. September 2012)

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