Der "richtige Riecher" bei der Partnerwahl

17. September 2012, 11:22

Fremder Körpergeruch wird dann als angenehm empfunden, wenn die Immungene besonders von den eigenen differieren

Göttingen - Wer seinen Lebenspartner nach einem angenehmen Körpergeruch aussucht, sorgt dafür, dass seine Kinder mit einem starken Immunsystem gesünder leben können. Dies ist eines der Ergebnisse der Forschungen des Biologen Manfred Milinski, Direktor des Max-Planck-Instituts für Evolutionsbiologie in Plön, über die er am Sonntag bei der Tagung der GDNÄ - Die Wissensgesellschaft (Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte) in Göttingen berichtete.

Körpergeruch, so der Wissenschaftler, spielt bei der Partnerwahl - beim Menschen wie im Tierreich - eine ganz entscheidende Rolle. Dabei wirken sich im individuellen Körpergeruch Gene aus, die für eine wichtige Komponente des Immunsystems verantwortlich sind, die sogenannten MHC-Allele. Fremder Körpergeruch wird als angenehm empfunden, wenn die Immungene besonders unterschiedlich von den eigenen sind. Kinder eines Paares, das über die Gerüche harmoniert, haben durch die Mischung der unterschiedlichen Gene dann ein besonders starkes Immunsystem.

Blockade bei Schwangerschaft

Dass Mäuse Unterschiede des MHC-Systems riechen können, ist bereits seit längerem bekannt. Milinski ließ Frauen den Geruch von benutzten T-Shirts von 140 männlichen Probanten beurteilen. Dabei zeigte sich, dass auch Menschen die Immungene riechen können und deutliche Unterschiede zum eigenen Immunsystem als besonders angenehm empfinden. Selbst das eigene Parfüm wählen die meisten Menschen so aus, dass es zu ihrem Immunprofil passt. Untersuchungen in England hätten sogar gezeigt, berichtete Milinski bei der GDNÄ-Tagung in Göttingen, dass Paare, bei denen zur Zeit der Partnerwahl diese Fähigkeit blockiert war - durch Schwangerschaft oder durch ältere Versionen der Antibabypille - höhere Scheidungsraten zu verzeichnen hatten als Paare, die in der entscheidenden Zeit die Immungene riechen konnten.

Für die Evolutionsbiologie, so Max-Planck-Direktor Milinski, können diese Ergebnisse eines der großen Rätsel lösen: Warum gibt es Sex? Denn eigentlich biete asexuelle Fortpflanzung deutliche Vorteile: "Söhne sind aus Sicht der Evolution ein überflüssiger Luxus und die Evolution hätte eigentlich im Sinne der Optimierung das männliche Geschlecht schon längst eliminieren müssen", sagte  Milinski. Dennoch pflanzten sich die meisten Tierarten sexuell fort, denn durch die Vermischung von unterschiedlichen Immunkomponenten können sie sich an die gefährlichste Umweltveränderung anpassen, der alle Lebewesen seit Urzeiten ausgesetzt sind: die furiosen Attacken von sich ständig wandelnden Krankheitserregern. Das könne aber nur funktionieren, wenn die Sexualpartner die Unterschiede der Immungene auch bemerken können, etwa durch den Körpergeruch, damit er sich bei der Partnerwahl - auch unterbewusst - entscheidend auswirkt. (red, derStandard.at, 17.9.2012)

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20 Postings

Mir fehlt der Aspekt der übertriebenen "Hygienevorstellung", wenn in der heutigen Zeit die natürlichen Gerüche als abstossend bewertet und dementsprechend mit duftenden Intimlotionen oder starkriechenden Deos überdeckt oder durch Intim- und Achselhaarrasuren zu vermindern versucht wird.

Der Aspekt wird eh via Scheidungsrate veranschaulicht...

Mario Sedlak
Mario Sedlak
00
18.9.2012, 19:52
Die Frage "Warum gibt es Sex?" passt nicht zu der Antwort: "Söhne sind aus Sicht der Evolution ein überflüssiger Luxus".

Sexuelle Vermehrung hat unbestritten Vorteile (nur so können sich günstige Mutationen ansammeln), aber das wäre durchaus auch mit Zwittern möglich.

Ich vermute, der Vorteil von zwei verschiedenen Geschlechtern ist 1. die mögliche Arbeitsteilung und 2. kann die Evolution mit den eigentlich nicht so wichtigen Männchen experimentieren (bei Männern streuen die Begabungen stärker und die Lebenserwartung ist geringer). Männchen, die für das Leben nicht taugen, sterben oder kommen bei der Partnerwahl nicht zum Zug. Die Weibchen haben was zum Züchten und Auswählen. Die Evolution kommt voran.

Auch in unserer modernen Gesellschaft scheint sich das widerzuspiegeln: z. B. im Männerüberschuss auf allen Partnerbörsen.

Warum gibt es Sex?

Weil man sich so den Partner aussuchen kann,
man kann einen Selektionsvorteil erkennen und gezielt fördern.

Das bringt mehr als 1000e zufällige Mutationen und zufällige Weitervererbung eines vorteilhaften Gens.
Außerdem werden sich besonders "fite" Individuen überzufällig häufiger fortpflanzen.

War das so schwer?

Zufallslästerung!

wenn es nach der studie geht, bin ich asexuell :)

Und demnächst auch in Facebook: automatisches MHC-Matching!

soll ich mich jetzt vierzehn tage nicht mehr waschen?

wenigstens. anschließend schicken Sie das t-shirt zur auswertung ein, nähere informationen sowie eine kostenlose rücksendebox anzufordern bei: parship.at

Also, ich hatte während meiner Schwangerschaften kein reduziertes, sondern ein deutlich empfindlicheres Geruchsorgan.

Vor allem während der Zeit der Schwangerschaftsübelkeit war das ein Handicap: Am anderen Ende des Autobusses sitzt jemand mit einer Alkoholfahne, oder einmal kurz die Nase in einen (sauberen!) Kühlschrank gesteckt - und schon war mir speiübel...

Spezifische Desensibilisierung

Ich glaube das ist nicht ungewöhnlich, aber es schließt nicht aus, dass gerade für die "optimalen" MHC/Immungen-Gerüche die Sensibilität in der Schwangerschaft heruntergesetzt ist bzw. man andere Gerüche bevorzugt.

darum beim 1. Date nach

"küss die Hand"

Teil 2

"schnupper unter der Achsel"

;-)

"Selbst das eigene Parfüm wählen die meisten Menschen so aus, dass es zu ihrem Immunprofil passt."

Das finde ich interessant. Ich hätte auf das Gegenteil getippt. Man sucht sich einen Geruch aus, den man selbst mag. Und das ist einer der dem eigenen (Immunsystem) verschieden ist.

das mit dem Parfüm find ich auch interessant - ich denke es ist eher so das man versucht das eigene Immunprofil dadurch verstärkt nach außen zu präsentieren...

"...Evolution hätte eigentlich im Sinne der Optimierung das männliche Geschlecht schon längst eliminieren müssen."
Da is was dran ... ;)

lieber max

selbstmord wäre eine alternative.....

Die Rotstrichelnden dürften evolutionsbedingt ihren Humor verloren haben ...

Vielleicht war der Witz auch einfach schlecht.

Hat nicht funktioniert, weil auch das männliche Modell ein Erfolgsmodell ist.
Deshalb wurde jetzt die Quote erfunden. Und "gendergerechte" Tests.

Haette schon funktioniert,

wenn die Kirche nicht ueber Jahrhunderte Frauen ermordet und stigmatisiert haette. Zweiteres tut sie heute noch. Zäh, die Balance wieder herzustellen. Deswegen Quoten. Schlechte Loesung, aber die Forderung ist schon nachvollziehbar.

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