Libyen: Mühsame Suche nach den Hintermännern

Analyse | Stefan Binder
17. September 2012, 10:22

Im nachrevolutionären Chaos formierten sich zahlreiche gut bewaffnete jihadistische Gruppierungen - Eine Spurensuche

Fünf Tage nach den tragischen Ereignissen im US-Konsulat in Benghazi sind die Spuren der Gewaltausbrüche noch immer sichtbar. Der Leichnam von US-Botschafter Chris Stevens, der in der Nacht auf den 12. September nach einem Angriff auf die amerikanische Vertretung ums Leben kam, ist gemeinsam mit drei weiteren getöteten Amerikanern wieder in den Vereinigten Staaten. Doch wer für den Tod des Botschafters verantwortlich ist, ist ebenso unklar, wie die Frage ob ein wütender Mob, der über den Film "Innocence of Muslims" aufgebracht war, oder doch eine geplante Aktion hinter den Angriffen steht. Antworten sollen Ermittler des FBI finden, die nach Libyen gereist sind. Auch die Frage nach etwaigen Hintermännern aus dem radikal-islamistischen Milieu des Landes soll geklärt werden.

Die Suche dürfte mühsam werden, denn Kandidaten dafür gibt es im heutigen Libyen genügend: Vom wütenden Mob, bis zur radikal-islamische Ansar al-Sharia in Benghazi bis hin zur Al-Kaida.

"Brigaden des inhaftierten Sheikh Omar Abdul Rahman"

Relativ unbekannt, dafür aber ganz oben auf der Liste der Verdächtigen dürften die "Brigaden des inhaftierten Sheikh Omar Abdul Rahman" stehen. Ihren Namen verdanken sie dem religiösen Anführer der ägyptischen Gruppe Gamaa al-Islamiya, der derzeit eine lebenslange Haft wegen seiner Beteiligung an den Bombenanschlägen gegen das World Trade Center 1993 absitzt.

Obwohl weder etwas über die Größe noch die Anführer der Gruppe bekannt ist, hat sie es zu zweifelhafter Berühmtheit in Libyen geschafft: Bombenanschlag gegen das libysche US-Konsulat im Juni, Angriff auf den Konvoi des britischen Botschafters und zwei Attacken gegen das Rote Kreuz im Mai.

"Libysche Islamische Kampfgruppe"

Es ist nur eine von vielen kleinen Gruppen, die nach dem Sturz Gaddafis auf der politischen Landkarte Libyens aufgetaucht sind. Über Zulauf können sich diese nicht beklagen. Das war nicht immer so.

Vor dem Sturz Gaddafis im Jahr 2011 war Libyens dominante jihadistische Bewegung die "Libysche Islamische Kampfgruppe" (LIFG). Gegründet in den 80er Jahren, versuchten die LIFG-Jihadisten in den 1990ern das Regime von Diktator Muammar Gaddafi zu stürzen. Doch nach zahlreichen erfolglosen Versuchen und einer extrem brutalen Gegenoffensive des Regimes, entschloss sich die Bewegung schließlich 2006 Abstand vom bewaffneten Kampf zu nehmen. 2009 verhandelten Mitglieder des Shura-Rates des LIFG unter anderem mit Gaddafi-Sohn Saif al-Islam um den Konflikt endgültig beizulegen. Nicht ohne innere Konflikte: Jene, die mit dem Friedensschluss nicht einverstanden waren, verließen die Gruppe, um wenig später unter anderem in Pakistan den bewaffneten Jihad wieder aufzunehmen. Der Rest der LIFG hielt sich zuverlässig an die Vereinbarung mit dem Gaddafi-Regime. Selbst als die Revolution ausbrach, hielt der Frieden zwischen LIFG und Gaddafi. Mehr noch: Statt "Kampfgruppe" änderte man den Namen in "Bewegung für Veränderung".

Doch je länger und blutiger der Konflikt in Libyen wurde, desto mehr Anhänger der LIFG begannen sich dem bewaffneten Widerstand anzuschließen. Der prominenteste unter ihnen war Abdul Hakim Belhaj, der später Chef des Militärrates von Tripolis wurde. Nach dem Sturz Gaddafis, splitterte sich die Anhänger der LIFG erneut. Zwei verschiedene politische Fraktionen traten folglich im Juli 2012 bei den Parlamentswahlen an. Einerseits die "moderate" Nationalpartei Hizb al-Watan für die auch Belhaj antrat.

Andererseits die deutlich konservativere Hizb al-Umma al-Wasat, die auch von den meisten ehemaligen LIFG-Mitglieder unterstützt wurde. Die Präferenz der Libyer wurde schnell klar: Bei den Wahlen errang die "moderate" Hizb al-Watan keinen Parlamentssitz, während die Hizb al-Umma al-Wassat einen Vertreter ins neue Abgeordnetenhaus schicken konnte. Ihre Wahl fiel auf Abdul Wahhab al-Qaed, Bruder des Al-Kaida-Terroristen Abu Yahya al-Libi.

"Ansar al-Sharia in Benghazi" & Freunde

Doch das Ende der LIFG und der Sturz Gaddafis war nicht das Ende der jihadistischen Bewegungen in Libyen - ganz im Gegenteil. Im revolutionären und nachrevolutionären Chaos formierten sich zahllose neue und vor allem gut bewaffnete Gruppierungen. Als einer der größten hat sich die "Ansar al-Sharia in Bengahzi" (ASB) von Muhammad Zahawi herauskristallisiert. ASB propagiert eine besonders strenge Auslegung des islamischen Rechts. Die "New York Times" berichtet, dass Mitglieder der Gruppe führend bei dem Angriff gegen das US-Konsulat, bei dem schließlich auch der Botschafter starb, dabei gewesen seien. Zahawis Männer selbst machen widersprüchliche Aussagen zu dem Angriff.

Zahawis Gruppe wurde auch immer wieder im Zusammenhang mit der Zerstörung von Sufi-Schreinen und Gräbern genannt. "Ansar al-Sharia in Benghazi" bekannte sich nicht zu den Angriffen, lobte sie jedoch öffentlich. Behilflich dabei könnten zahlreiche fragwürdige Gruppen gewesen sein, die mit Zahawi zumindest in Kontakt stehen. Allen voran die "Ansar al-Sharia in Darna", die vom ehemaligen Guantanamo-Häftling Abu Sufyan bin Qumu angeführt wird. Hinzu kommen zahlreiche kleinere dschihadistische Battalione - sogenannt katibas. Einen ersten Eindruck von diesen katibas konnte man im Juni diesen Jahres gewinnen, als die Ansar al-Sharia in Benghazi zu einer großen Konferenz lud. Wenn man Fotos, die während des Treffens gemacht wurden glauben schenkt, nahmen an dem jihadistischen Get-together hunderte Personen teil.

Folgen

Die Folgen der Jihadisten- und Waffenschwemme nach dem Sturz Gaddafis beschränken sich jedoch nicht nur auf Libyen. Waffen, die der Westen nach Libyen lieferte tauchen in weiten Teilen Nordafrikas wieder auf. In Mali etablierten sich neue jihadistischen Gruppierungen mit diversen politischen Ablegern und in Syrien beglücken derzeit Veteranen des libyschen Bürgerkrieges die Levante. Die libyschen Jihadisten sind in Syrien gefragt, bringen sie doch ausreichend Kampferfahrung und Waffen mit. (Stefan Binder, derStandard.at, 17.9.2012)

Korrektur: In der ersten veröffentlichten Version stand statt "Waffen, die der Westen nach Libyen lieferte tauchen in weiten Teilen Nordafrikas wieder auf" der Satz "in weiten Teilen Afrikas auf".

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 53
1 2
Jeden Tag eine Mohammed-Karrikatur ...

... ist die einzig richtige Antwort auf die Einschüchterung der Islamisten. Sie stellen in ihrer Bevölkerung eine Minderheit dar und können ihren Hass nur durch Einschüchterung die Mehrheit jener Länder mobilisieren. Nach dem Motte: Bist du nicht willig, gebrauch ich Gewalt!
Solchen Menschen muss man so entschlossen wie möglich entgegenstehen. Jedes Appeasment bringt nur das Gegenteil - ihre Einschüchterung hat Erfolg und somit ihre Methode bestätigt.
Jeden Tag eine Provokation, bald wird der Ofen aus sein und der Westen und die liberalen Moslems haben den Kampf gegen die menschenverachtenden Radikalen gewonnen.

gemessen an dem Aufwand den diese Gazette betreibt

und dies auf vielen Ebenen wie mainstream copies oder Beitraegen von sogenannten Experten wie Frau Harrer, es ist armselig was dabei zustande kommt.
http://rt.com/news/liby... rters-700/
Es sieht ganz danach aus als darf die Wahrheit hier nicht an die Oberflaeche gelangen.

Ganz im Gegensatz zu den üblich-medial gehypten "muslimischen" Durchgeknallten ist nun ein Amateurvideo vom geplanten Angriff auf Chris Stevens aufgetaucht, wo er noch am Leben ist…

…Einheimische versuchen den schwer verletzten Stevens in Sicherheit zu bringen und rufen "Allahu Akbar", als sie Lebenszeichen bemerken:

http://www.euronews.com/2012/09/1... d-in-libya

…Die Integrität eines Gastes ist für normale Mulsime eine Ehrensache - ganz im Gegensatz zu all dem Unsinn der uns aus den Nach-Richtern entgegenplärrt.

Das ganze, seit Tagen aufgetischte G'schichtl paßt einfach vorn und hinten nicht zusammen.

[img] [Hintergrund]

Bildmaterial zu obigem Posting:

www.algemeiner.com/wp-conten... tevens.jpg
www.algemeiner.com/wp-conten... vens-2.jpg
http://youtu.be/lRBl11SRtUk

Von den Bildern her ist nicht ersichtlich, ob die Menschenmasse Stevens freundlich gesinnt ist (wie FS3 berichtet) oder feindlich (wie anderswo argumentiert wird: www.infowars.com/ny-times-... or-stevens ).

Das Youtube-Video macht auf mich eher einen bedrohlichen Eindruck und folgende Bilder suggerieren auch nicht gerade, dass "Stevens noch lebt" und dass auf "gesundheitserhaltenden Transport" wertgelegt wird, oder?

http://t.co/Sy3ctT3k
http://t.co/sQsoJePm

Alles voll daccord…

…Das FS3 wollte hier nur demonstrieren, daß auch eine ganz andere Geschichte hinter den übermittelten Bildern stecken kann.

Genausogut könnte jemand behaupten, hier die Auswirkungen einer Sauforgie zu erkennen.

Was sagt uns das nun über die anhaltenden Behauptungen aus den Nach-Richtern, daß überall in der angegriffenen Welt plötzlich ein infantiles 14-Minuten C-Filmchen tatsächlich der "Auslöser" für all diese Aufruhren ist?

Wohl nichts Gutes.

@ "gesundheitserhaltenden Transport": also wenn mein Lebenspartner schwer verletzt ist, so würde ich ihn/sie nicht ins Krankenhaus tragen ...

@ "Die Integrität eines Gastes ist für normale Mulsime eine Ehrensache": völlig richtig. Wie überall gibt es aber auch bei Moslems nicht nur "normale", siehe: http://youtu.be/7F8D8v1EBAU

Noch ein Wort zur Hypokrisie unserer Medien: Wenn hier behauptet wird, daß eine "mühsame Suche" nach den Hintermännern stattfindet, möchte das FS3 daran erinnern, daß BEKANNT ist (aber UNTERBERICHTET wird), daß einer d.Rädelsführer des Angriffs…

…auf das US-Konsulat auf Bengazi ein FREIGELASSENER Insasse aus Guantanamo ist: Sufyan Ben Qumu war einst OBLs Fahrer, wurde 2007 aus dem US-Konzentrationslager in Kuba freigelassen und war bis 2010 in Libyen inhaftiert. Ben Qumu kämpfte gegen die Sowjets in Afghanistan.Die Tatsache, daß solche Typen aus Guantanamo entlassen werden, während Unschuldige -u.vor allem nicht Kooperationswillige- weiter einsitzen u.dann irgendwann einmal selbstgemordet aufwachen…
http://derstandard.at/plink/134... 8/27943713
…verrät nichts Gutes über die wahren Intentionen des dztg.isrealen US-Regimes.

Und vor allem über die Hgr. bei dieser Scharade, wo ein weiterer US-Bürger für "höhere" Interessen kaltlächelnd geopfert wurde.

"Nach dem Anschlag auf die US-Botschaft posiert ein bewaffneter Kämpfer vor den Flammen. Wer hinter den Angriffen steckt ist unklar."

Na der "bewaffnete Kämpfer" könnte sicher helfen bei der Klärung dieser Frage ....

Und schon wieder so ein blühendes Land

dem arabische Frühling folgt der humanistisch, demokratisch geprägte arabische Sommer, wie ja so viele hier prognostiziert haben.

Schön.

Hat wirklich jemand etwas anderes erwartet, als dass in diesen Ländern nach und nach die radikalen Islamisten an die Macht kommen? Sie haben die Mittel, sie haben die Anhänger, sie wissen wie man sich an die Spitze bombt und mordet.
Wenn die USA nicht bald wieder einen etwas genehmeren Diktator installieren wird das noch sehr, sehr eng für den Westen.

Dem US-Botschafter werden noch viele (nicht nur US-Bürger) in den Tod folgen !!!

Früher oder später werden wohl auch einige der Boden-luft-raketen, die "die Rebellen" erbeutet haben, den weg in den "Westen" finden.
Spätestens dann, wenn die Libyer drauf kommen wer Sie in diese Chaotische Situation gebracht hat !!!

Der Terror kommt wie ein Bumerang zum Verursacher zurück !!!

Mühsame Suche? CIA fragen warum sie den Kerl (Qumu) der es gemacht hat, in Guantanamo ausgebildet haben, und schnell wäre die Suche vorbei.

"Mühsame Suche nach den Hintermännern"

was ist daran mühsam?

sarkozy, cameron, obama, clinton h., berlusconi, rasmussen, die typen aus denhaag, total, elf, bp, shell,....

Einfach ist die Welt der Einfachen.
:)

Eine Suchaktion,

die wohl darüber hinweg täuschen soll, dass die USA dort die Falschen an die Macht gebombt haben.

"Allen voran die "Ansar al-Sharia in Darna", die vom ehemaligen Guantanamo-Häftling Abu Sufyan bin Qumu angeführt wird."

Und: "Waffen, die der Westen während der Revolution nach Libyen lieferte tauchen in weiten Teilen Afrikas wieder auf. In Mali etablierten sich neue jihadistischen Gruppierungen mit diversen politischen Ablegern und in Syrien beglücken derzeit Veteranen des libyschen Bürgerkrieges die Levante."

Haben die USA tatsächlich eine neue Strategie die Menschenrechte durchzusetzen?
Die Guantanamo-Häftlinge mit "Potential" freilassen und ihnen eine Chance/Waffen geben?

Ja ich denke auch das Guantanamo zu einem heimlichen Terrorcamp ausgebaut wurde

Stevens was in Benghazi for a 10 a.m. meeting Wednesday with the Agoco oil company. His visit was supposed to be secret, but it is being reported that the details of his visit were passed on to the extremists. Sensitive documents are said to be missing from the representative office.

die verschwörungstheorie kommt nicht so in gang. dabei hätte die geschichte doch alles was es braucht
steigender ölpreis/fallender doller
einen us botschafter der wegen eines treffen mit der lybischen ölgesellschaft stirbt, dabei werden sensible unterlagen entwende. dafür (möglicherweise) verantwortlich eine gruppe geführt von einem ex quantanamo. staaten die nur warnen aber nich verhindern können. und das alles soll das fbi aufklären :)
die ganze geschichte geht aber unter (bzw wird dadurch ermöglicht), weil jemand ein einjahre altes youtube- filmchen übersetzt und es in umlauf bringt

so liebes forum jetzt seit ihr dran daraus eine schöne geschichte zu schreiben.

was täte die forums gesellschaft nur ohne sie !!!

Ich bin ja so beeindruckt von der friedlichen, demokratischen und prosperierenden Gesellschaft die dort nach der Befreiung von einem grausamen, blutrünstigen Diktator durch die NATO geschaffen wurde!

Nicht das ich nun ein Anhänger von Gadaffi bin (ganz im Gegenteil) - aber seien wir jetzt mal ehrlich - ist es wirklich besser geworden?

;-)

Jetzt muss nur noch der Iran gerettet werden und dann leben wir alle im Frieden.

sicher nicht besser ...

... und die Jahre werden zeigen, ob es sich ausgezahlt hat oder nicht. Der Rutsch in die islamistische Richtung in den "Frühlings"-Ländern ist derzeit signifikant. ABer vielleicht wird dadurch der Islam demaskiert. Im Iran sehen wir so eine Tendenz ja, da die Jugend völlig frustriert von den Mullahs ist. Wenn dort eine Revolution kommt, wir das Ergebnis sicher keine extremistische Regierung sein, sondern eher eine westlich orientierte.

im iran kann man wunderschoen sehen wie ein islamischer staat eigentlich mit minimaler gewalt - mal abgesehen von ein paar exzessen zb gegen die volksmujaddehin - funktioniert.

brain drain von 50_000 jaehrlich und die sollen rumjammern wo sie wollen, wenns ihnen spass macht.
innere emmigration, rueckzug ins private, nach einem alten katholischen modell: macht was ihr wollt, aber schaut nach aussen hin heilig aus.
und mobilisierung der ungebildeten massen.
gibt schlimmeres und das allein waer zuwenig sich drueber aufzuregen. aber dem so wie unsere gleichgeschalteten medien in den letzten 1 1/2 jahren hirnfrei zuzujubeln - das ist skandaloes.

Posting 1 bis 25 von 53
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.