Himmelfahrtskommando

Anfangs war das durchaus charmante Familienunterhaltung der Marke Gottschalk

Man sollte meinen, von riskanten Aktionen in Fernsehshows hat Thomas Gottschalk die Nase voll. Vor nicht einmal zwei Jahren kam es im Showklassiker "Wetten, dass..?" zu einem schweren Unfall, erschüttert zog Gottschalk damals seinen Hut. Gemeinsam mit Berufsblondine Michelle Hunziker und Chefprolet Dieter Bohlen saß er am Samstag nun zum ersten Mal in der Jury der RTL-Show "Das Supertalent".

Anfangs war das durchaus charmante Familienunterhaltung der Marke Gottschalk, ein bisschen Zirkus, ein übergewichtiges Kind (das von Onkel Thomas ganz herzig darüber hinweggetröstet wurde, dass es leider nicht so gut singen kann) und - weil RTL eben doch ein Privatsender ist - leichte Zugeständnisse in Richtung Sozialporno: ein Wolfgang-Petry-Klon, dessen Bundeskanzlerin "Angelika" heißt und der hochnotpeinlich seinen Text nicht konnte ("Ich wollte doch Vollplayback!").

"Katastrophe!" in der nächsten Sendung

Irgendwann aber wurde aus der Show ein Himmelfahrtskommando. "Katastrophe!", erfuhr man, Michelle habe einen Unfall gehabt. Kurz bekam man zu sehen, wie ein Mann sie akrobatisch herumwirbelte, sie schien zu fallen und - Cut. Schnell noch ein fortdüsender Krankenwagen, alles weitere in der nächsten Sendung.

Ohne Michelle (die offenbar Prellungen und eine Gehirnerschütterung erlitt) und ohne Kommentar leiteten die beiden Herren dann die nächste Wette, äh, Talentprobe: Ein 87-Jähriger trat zum Bungee-Sprung an, "the Austrian Rock" Franz Müllner hielt das Seil fest. Mehr wolle er davon nicht sehen, merkte Gottschalk streng an. Recht viel mehr geschmacklose Effekthascherei wäre auch kaum gegangen. Fragt sich, ob ihm das vorher keiner gesagt hat. (Andrea Heinz, DER STANDARD, 17.9.2012)

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