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vergrößern 600x600Fürst Metternich, nach der Revolution und seiner Abdankung als Staatskanzler auf der Flucht nach London, bittet Salomon Rothschild um 3000 Gulden: Brief vom 22. März 1848.
Wien - Eine Suche nach Dokumenten, die nie inventarisiert wurden, ist weit aussichtsloser als jene nach der Nadel im Heuhaufen. Denn im historischen Haus-, Hof- und Staatsarchiv mit der babenbergisch-habsburgischen Urkundensammlung am Minoritenplatz lagern auf elf Geschoßen 18 Laufkilometer Akten. Dennoch gab Hofrat Ernst Petritsch die Hoffnung nie auf, dass die verschollenen Briefe, die Klemens Wenzel Lothar von Metternich (erst Graf, später Fürst) an Salomon Mayer Freiherr von Rothschild schrieb, irgendwann auftauchen würden: "Ein Archiv verliert nichts."
Und tatsächlich: Vor kurzem stieß Metin Yilmaz, ein Ausheber, per Zufall auf ebenjene Briefe. Er war beauftragt worden, im Sechsergeschoß, in dem sich vermischte, nie bearbeitete "Sachen" aus der Monarchie befinden, zwei Nachlässe herauszusuchen. Nach zehn Minuten des Wühlens stieß er auf einen unbeschrifteten braunen Karton. Und er wusste sofort: In diesem mussten sich die Metternich-Briefe befinden. So war es denn auch. " Das Schnüffeln ist meine Stärke", sagt Metin Yilmaz.
Mit diesem Fund findet ein unrühmliches Kapitel doch noch ein gutes Ende. Denn diese Briefe stammen aus dem Archiv der in der NS-Zeit enteigneten und vertriebenen Familie Rothschild.
Bereits im März 1938 stellten die Nationalsozialisten das Bankhaus SM Rothschild in Wien unter kommissarische Verwaltung, kurz darauf beschlagnahmten sie den umfangreichen Besitz der Brüder Alphonse, Louis und Eugène Rothschild, darunter das Familienarchiv mit 40.000 Dokumenten. Dieses wurde in ein Lager der Gestapo nach Berlin und 1944 ins Schloss Wölfelsdorf (heute in Walbrzych, Polen) verbracht. Im Frühjahr 1945 fielen die Archivalien zusammen mit vielen anderen der Roten Armee in die Hände: Sie wurden in 50 Eisenbahnwagons nach Moskau transportiert und im Zentralen Staatlichen Sonderarchiv eingelagert.
Im Juli 1960 besuchte Nikita Chruschtschow, damals Ministerpräsident der UdSSR, Wien. Und er brachte Geschenke mit: in drei maßgefertigten braunen Schachteln diverse Schriftstücke, die von der Sowjetarmee im Zweiten Weltkrieg "gerettet" worden seien, darunter Briefe von Metternich an Marschall Bellegarde und Salomon Rothschild, ein Schuldbrief des Erzherzogs Karl Ludwig sowie fünf Personaldokumente des Advokaten Ludwig Kunwald.
In den Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs aus dem Jahr 1960 berichtete der Archivar Rudolf Neck (Generaldirektor von 1979 bis 1986) über die "Sowjetische Aktenspende". In einer Fußnote kündigte er "eine kleinere Studie auf Grund dieses Materials" an. Doch Neck war nicht der Fleißigste; er beließ es bei der Ankündigung. Warum er die Materialien, die in den Kartons aufbewahrt wurden, nicht inventarisieren ließ: Das weiß niemand mehr. Und so verlor sich im Laufe der Jahrzehnte jede Kenntnis über sie.
Erst 1990, in Zeiten von Glasnost, wurde die Existenz des Zentralen Staatlichen Sonderarchivs bekannt. Die russische Regierung begann eine Reihe von Beständen zu restituieren. Im November 2001 gelang es den Rothschilds, ihr Archiv zurückzubekommen. Bei der Durchsicht wurde festgestellt, dass einige Schriftstücke fehlten: die Briefe Metternichs an Salomon Rothschild, die geschäftliche Korrespondenz des Fürsten und seiner Erben mit dem Bankhaus sowie ein Schuldbrief von Erzherzog Karl Ludwig. Bereits 1960, so ein Vermerk der russischen Archivare, waren diese Dokumente nach Wien gebracht worden.
Anfang 2003 erbat das Rothschild Archive in London vom Staatsarchiv Kopien der Schriftstücke, worauf Hofrat Petritsch eine Recherche einleitete. Deren Ergebnis war beschämend: "Bedauerlicherweise" fehlte nicht nur von den Briefen, sondern von der gesamten Spende jede Spur.
Erst vier Jahre später, 2007, fand der Ausheber Metin Yilmaz beim Aufräumen zwei der drei Kartons. Sie enthielten die Dokumente Kunwalds und den Schuldbrief. Doch Yilmaz hielt weiter die Augen offen - und nun entdeckte er eben die dritte Schachtel mit 18 Briefen Metternichs an Bellegarde sowie dem Rothschild-Material.
Petritsch fertigte sogleich ein Verzeichnis an. Die Dokumente zu Metternich, darunter Kontoauszüge, Quittungen und Verträge, datieren aus dem Zeitraum von 1826 bis 1876. Der ungeliebte Staatskanzler hatte bei Salomon Rothschild, dem wichtigsten Financier der Monarchie, hohe Schulden und verpfändete gar seine böhmischen Güter.
Die meisten Briefe diktierte Metternich; doch dann brach die Revolution aus: Der Staatskanzler dankte am 13. März 1848 ab - und floh. Nun hatte er selber zur Feder zu greifen: Er bat den "lieben Salomon", ihm Geld zu leihen und gab ihm genaue Anweisungen. Der erste Brief ist mit 22. März 1848 datiert: "Ich bitte Sie dem Major, B[aron] Anatole von Leykam die Summe v.[on] 3000 fl [=Gulden] C.[Conventions] M. [Münze] zu verabfolgen, und meinem Conto S. mit selberzu belasten. B. Leykam wird sich bey Ihnen zum Empfange der Summe melden. Metternich"
Am gleichen Tag schreibt er noch einen zweiten, ausführlicheren Brief. Er bittet, den Kredit nicht auf seinen Namen zu verbuchen, und gibt Rothschild die geplanten Stationen seiner Flucht bekannt: Dresden, Leipzig, Frankfurt, Köln, London. Und er endet mit dem Satz: "Sie und ich werden uns treu bleiben." Drei Tage später, am 25. März 1848, schreibt Metternich aus Dresden. Er bittet, das Geld dem Grafen Esterházy zu übergeben. Weder in Deutschland noch irgend anderswo auf dem Kontinent sei des Bleibens nicht. "Meine Wünsche begleiten die Welt; dass sie sehr krank ist, daran zweifeln Sie wohl aber so wenig als ich. Gott befohlen, lieber Salomon. Metternich"
Der Vollständigkeit halber sei ein weiterer Brief erwähnt, den die Rothschilds von den Russen zurückbekommen haben. Am 3. April schrieb Metternich aus Arnheim: "Lieber Salomon! Ich habe Ihren Creditbrief erhalten und danke Ihnen für denselben." Den Schuldschein "Fürst Metternich Schuld Capital Tilgungs Plan" unterzeichnete der gestürzte Staatsmann am 30. Juni 1848 in London. Zurück nach Wien kehrte Metternich erst wieder 1851.
Der Rückgabebeirat wurde bereits über den Fund in Kenntnis gesetzt; in einer der nächsten Sitzungen wird die Empfehlung ausgesprochen werden, das Material an die Rothschilds zu restituieren. (Thomas Trenkler, DER STANDARD, 17.9.2012)
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Ich weiß zwar nicht genau, was ein "Aufheber" ist, aber offenbar tut erstaunlich gut geschultes Personal seinen Dienst im Archiv, wenn er "Sofort [wusste], in diesem [unbeschrifteten braunen Karton] mussten sich die Metternich-Briefe befinden."
... dem Herrn Metin Yilmaz Applaus von den HistorikerInnen für den Fund und hoffentlich eine Gehaltserhöhung/Vorrückung oder eine sonstige Anerkennung vom Staatsarchiv, dass der uns vor der internationalen Blamage verschlampter Staatsgeschenke bewahrt hat.
... die schulden des oberschnüfflers und volksunterdrückers im dienste von Habsburg und Rothschild mit zins und zinseszins zu begleichen...
wobei, die övp wär's glatt im stand. - vielleicht wollen sie ja auch gleich wieder ein brücke nach einem adeloiden neu benennen?
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