Polizei und Armee gehen gegen streikende Arbeiter in südafrikanischer Mine vor

Vermittler-Bischof warnt vor Revolte in Südafrikas Platingürtel

Marikana - Die südafrikanische Polizei ist am Sonntag mit Hartgummigeschoßen gegen streikende Bergarbeiter in der Platinmine Marikana vorgegangen. 500 Polizisten nahmen Razzien in den Arbeiter-Unterkünften vor und beschlagnahmten nach eigenen Angaben mit Unterstützung der Armee traditionelle Waffen wie Speere, Buschmesser und Stöcke. Nach Angaben von Armeegeneral Xolani Mabanga wurden auf Anforderung der Polizei 150 Soldaten bei der Grube stationiert. Später ging die Polizei mit Tränengas gegen die Streikenden vor. Diese warfen Steine und errichteten Barrikaden aus brennenden Reifen.

Einem Polizeisprecher zufolge gab es zahlreiche Festnahmen. Der Fernsehsender eNCA zeigte Bilder von Menschen mit blutenden Wunden, die durch Gummigeschoße verursacht wurden. Unter den Verletzten waren auch Frauen. Am 16. August hatten Polizisten am Rande der Mine das Feuer auf streikende Arbeiter eröffnet und 34 Menschen erschossen. Es war der blutigste Polizei-Einsatz in Südafrika seit dem Ende des Apartheid-Regimes 1994.

Der Vermittler im Arbeitskampf der Marikana-Mine erklärte, der Polizeieinsatz sei eine "grobe Menschenrechtsverletzung" und werde die Krise weiter verschärfen. Im gesamten sogenannten Platingürtel rund um Rustenberg mit den größten Platinbergwerken der Welt könne es zu einer "Revolte" kommen, warnte der anglikanische Bischof Jo Seoka. Bei den Verhandlungen habe es zuletzt Fortschritte gegeben, doch nun bestehe die Gefahr eines "brutalen Endes". Die Polizei habe die Arbeiter aufgefordert, alle ihre Waffen abzuliefern. Doch als sie dies getan hätten, habe sie auf die Arbeiter geschossen. (APA, 15.9.2012)

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