Bettina Wulff sagt Talkshow-Auftritte ab

Buch der ehemaligen deutschen First Lady war zuvor mit Hohn und Spott überzogen worden - Vernichtende Kritiken im Internet

Köln - Nach heftiger Kritik an ihrem Buch und ihrer Interview-Offensive in Zeitschriften hat die frühere deutsche First Lady Bettina Wulff (38) mehrere Fernsehauftritte abgesagt. Wulff wird weder in der Sendung "Menschen bei Maischberger" am Dienstag im "Ersten" sitzen noch in der Talkshow "3nach9" am Freitag im Dritten von Radio Bremen und NDR.

Eine Sprecherin des Westdeutschen Rundfunks (WDR) in Köln bestätigte am Samstag eine Information der "Bild am Sonntag", nach der der Auftritt in der Talkshow "Menschen bei Maischberger" ausfällt. Auf der Website der ARD-Show hieß es: "Bettina Wulff hat sich entschlossen, derzeit keine Medientermine wahrzunehmen." Sandra Maischberger hatte Wulff zusammen mit der Feministin Alice Schwarzer und dem Politikberater Michael Spreng befragen wollen.

Ebenfalls abgesagt wurde der geplante Auftritt in der Talk-Sendung "3nach9", der am kommenden Freitag im NDR Fernsehen zu sehen gewesen wäre. Eine genaue Begründung habe ihr Verlag nicht gegeben, teilte Radio Bremen mit. In "3nach9" wollten Judith Rakers und Giovanni di Lorenzo Bettina Wulff neben dem Schauspieler Til Schweiger, dem Sänger Peter Maffay und der Affenforscherin Julia Fischer befragen.

"Furcht vor weiteren öffentlichen Anfeindungen"

Nach Informationen der "Bild am Sonntag" steht Bettina Wulff auch nicht mehr für Lesereisen und Signierstunden in Buchhandlungen zur Verfügung. Vielmehr wolle sie sich vorerst aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Grund dafür sei "Furcht vor weiteren öffentlichen Anfeindungen". Auch ihr Mann, der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff, habe sie zu diesem Schritt gedrängt.

Wulffs Buch "Jenseits des Protokolls" wurde in den vergangenen Tagen von vielen Seiten kritisiert. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast etwa sagte der Zeitung "Die Welt" vom Samstag: "Ich verstehe nicht, wie sich jemand über zu viel Öffentlichkeit beklagen kann, der gleichzeitig sein Leben mit intimsten Details nach außen kehrt."

"Langweilig, egoistisch und überflüssig"

In einer Emnid-Umfrage für das Nachrichtenmagazin "Focus" gaben 72 Prozent der Befragten an, sie hielten es für falsch, dass Bettina Wulff in ihrem Buch über Eheprobleme und das Krisenmanagement ihres Mannes berichte.

Vor allem im Internet bekam das Buch viel Hohn und Spott ab. Bei Amazon etwa hatte es bis Samstag die extrem hohe Zahl von 670 Bewertungen erhalten, die jedoch ganz überwiegend vernichtend ausfielen. "Selbstmitleid pur - langweilig, egoistisch und überflüssig", lautete der Titel einer typischen Rezension. Eine andere trug die Überschrift: "Nach Selbstdemontage bleibt nur Emigration ins Ausland". (APA, 15.9.2012)

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