MBA-Absolventen: Ken und Barbie machen Karriere

14. September 2012, 19:36
  • Barbies und Kens gehe es primär ums Geld.
    foto: apa/daniel karmann

    Barbies und Kens gehe es primär ums Geld.

Über "Barbies und Kens im Businesslook"

Immer wieder interessant, was große europäische Konzerne so alles bewegt: Da verabschiedet sich bei der Deutschen Telekom AG ein Vorstand mit 62 Jahren in den wohldotierten Ruhestand und setzt sich bei dieser Gelegenheit noch einmal so richtig kritisch mit dem Führungsnachwachs auseinander. Sein ganz besonderes Augenmerk gilt dabei den Absolventen von MBA-Schulen: Er nennt sie "Barbies und Kens im Businesslook" und meint das weder niedlich noch nett.

Mit diesen Barbies und Kens geht er vernichtend hart ins Gericht: Aus seiner Sicht fehle es ihnen an Loyalität - sie wollen sich nicht über einen längeren Zeitraum und erst recht nicht emotional an ein Unternehmen binden. Vielmehr sehen sie sich fälschlicherweise als absolute Spitzenkräfte, die dort arbeiten wollen, wo es ihnen Spaß macht und wo sie interessante Aufgaben sehen. Zudem gehe es diesen Barbies und Kens primär um Macht und Geld: Sie wollen rasch und hoch aufsteigen, wollen persönlich weiterkommen, und sie wollen sehr gut verdienen.

Mangelnde Treue?

Auch wenn man jetzt rasch darauf hinweisen kann, dass es in Österreich weder solche Vorstände noch solchen Führungsnachwuchs gibt, bietet es sich an, diese Aussagen näher zu betrachten. Denn egal, welche empirische Basis hinter seiner Aussage steckt und auf welche Hochschulabsolventen er sein Urteil bezieht: Ist es nicht irritierend grotesk, wenn ein Top-Vorstand genau diese spezifischen Merkmale kritisiert?

Können Vorstände überhaupt noch Loyalität von Mitarbeitern erwarten, wenn Unternehmensleitungen, getrieben von simplem Shareholder-Value-Denken, brutale Kündigungswellen lostreten, also das Wort "Loyalität" im Umgang mit eigenen Mitarbeitern nicht kennen? Und können Vorstände sich über mangelnde "Treue" beklagen, wenn sie öfters auch einmal gerade fünf Jahre bleiben?

Das Einstiegsgehalt für Nachwuchsführungskräfte bei der Deutschen Telekom liegt bei rund 48.000 Euro pro Jahr; ein Telekom-Vorstand bekommt rund zwei Millionen Euro pro Jahr. Bei wem geht es also tatsächlich ums Geld?

Absolutes Machtstreben

Und wenn man in den Biografien von Vorständen liest, so scheint eines ihrer zentralen Persönlichkeitsmerkmale das absolute Machtstreben zu sein: Nur so kommen sie an die wohldotierten Fleischtöpfe heran, und nur so sichern sie sich auch ihren aufwändigen Lebensstil. Gerade deshalb ist es paradox, wenn sich Vorstände darüber aufregen, dass vielleicht auch andere unter Verzicht auf Loyalität nur nach Macht und Geld streben könnten. Was aber noch mehr irritiert: Viele dieser Vorstände sind trotz ihres Machtstrebens, ihrer fehlenden Loyalität und ihrer ausufernden Gehälter allgegenwärtig in den Medien und glorifizieren sich als Rollenmodelle für die Jugend.

Wäre es dann aber nicht irgendwie verständlich, wenn in der Arbeitswelt der Zukunft immer weniger Jugendliche über eine nachhaltige, sozial verträgliche sowie ökologisch vertretbare Zukunft nachdenken und sich stattdessen "Barbie und Ken im Businesslook" zum Vorbild nehmen? (Christian Scholz, STANDARD, 15./16.9.2012)

CHRISTIAN SCHOLZ ist Professor für Betriebswirtschaftslehre und Gründungsmitglied des MBA-Programms an der Universität des Saarlands.

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"Aus seiner Sicht fehle es ihnen an Loyalität - sie wollen sich nicht über einen längeren Zeitraum und erst recht nicht emotional an ein Unternehmen binden. Vielmehr sehen sie sich fälschlicherweise als absolute Spitzenkräfte, die dort arbeiten wollen, wo es ihnen Spaß macht und wo sie interessante Aufgaben sehen. Zudem gehe es diesen Barbies und Kens primär um Macht und Geld: Sie wollen rasch und hoch aufsteigen, wollen persönlich weiterkommen, und sie wollen sehr gut verdienen."

Das ist doch bitte bei JEDEM Arbeitnehmer so. Wir arbeiten um Geld zu machen, und das ist auch völlig OK so. Nur klappt das halt bei manchen nicht so gut. Die die "loyal" sind sind fast immer die die halt nirgendwo sonst eine Chance hätten einen Job zu bekommen.

die deutsche telekom belohnt ja treue mit ausquetschen bis zum letzen tropfen vor der auslagerung der arbeitsplaetze nach ungarn und in die slowakei. aber damit hat der herr vorstand natuerlich rein gar nichts zu tun.

Für einen Prof.

ein schwacher Kommentar.

Stimmt.

Warum kostet die geschiedene Barbie mehr als die ledige?

Sie hat das Haus, das Auto, etc. vom Ken.

Mitarbeiter sind schon sehr umverschämt wenn sie "dort arbeiten wollen, wo es ihnen Spaß macht und wo sie interessante Aufgaben sehen."

Dann lieber loyal einem Unternehmen gegenüber sein, dass einen schlecht behandelt, keine interessanten Tätigkeiten bietet und im besten Fall auch noch schlecht bezahlt. Da freut man sich doch richtig für ein Unternehmen wie die Deutsche Telekom zu arbeiten.

"dort arbeiten wollen, wo es ihnen Spaß macht und wo sie interessante Aufgaben sehen."

Tja, wenn das nur so einfach wäre... deshalb gibt es relativ viele junge Mitarbeiter, die so alle 2-3 Jahre mal das Unternehmen wechseln. Verständlich, aber volkswirtschaftlich eher bedenklich. Vielleicht sollten einige Unternehmen mal über die "Unique Selling Position" (klingt wichtig, gell?) der jeweiligen Stellen nachdenken.

Es spricht nichts dagegen, in jungen Jahren alle paar Jahre zu wechseln - mittelfristig bewirkt das, dass man mehr Erfahrung mitbringt und nicht nur ein Unternehmen kennt.

Es gibt ja sogar den Spruch "mit 20 alle 2 Jahre, mit 30 alle 3, ..."

Volkswirtschaftlich gesehen ist das keinesfalls bedenklich, wenn die Leute Positionen wechseln und dadurch flexibler sind und mehr Erfahrung mitbringen - und wenn's dann in die verantwortungsvolleren Jobs kommen, bleiben's eh länger.

Und Position wechseln heißt nun mal in den Meisten Fällen Unternehmen wechseln.

Da haben Sie recht, die Erfahrung in anderen Unternehmenskulturen ist sehr für den einzelnen viel wert. Volkswirtschaftlich betrachtet gings mir um die Einschulungskosten und um die benötigte Zeit, bis ein neuer Mitarbeiter wirklich performed. Ob der "frische Wind durch neue Mitarbeiter" das wirklich aufwiegt? Ich hätte vermutet, dass es am sinnvollsten ist, wenn ein Mitarbeiter sich intern alle paar Jahre verändert. Aber, genau kann ich es nicht wissen, mir liegen da leider keine Zahlen vor... und ich bin auch "erst" beim 5. Unternehmen.

Ihr Spruch gefällt mir, befolge ich jetzt schon meine ganze Karriere lang. Hoffentlich sehen das die Personaler auch so, wenn mein Lebenslauf dann mal sehr lang wird. :-)

"Ich hätte vermutet, dass es am sinnvollsten ist, wenn ein Mitarbeiter sich intern alle paar Jahre verändert."

Klar - aber: viele geeignete Positionen gibt's ja nicht, dass das alle machen können, und auch im Konzern kostet die Umschulungsphase.

Intern in Pension gehen?

Wie meinen's das?

Arbeit soll Spaß machen und befriedigen?

Wo komma denn da hin? Wo wären denn dann die angefressenen Gesichter der Frustrierten in den Büros und U-Bahnen?

individualismus?

wenn die wirtschaft genau das verlangt, nämlich ken und barbie im businesslook, dann wird sie genau das bekommen: an fh ausgerichtete klone der mittelmäßigkeit mit einer ausnahme - überdurchschnittlich antrainierten sozialen defiziten.
je geringer die intrinsische motivation, den job zu machen (individualität und freude an der hacke ist ein no-go), desto stärker das streben nach macht und geld.
wen soll das wundern?

Die MBA Kens und Barbies müssen so oft den Job wechseln, weil Sie in der Praxis einfach nichts drauf haben. Aber Sie punkten bei den Bewerbungen und suchen sich nach einem Jahr den nächst höheren Posten.

Während die restlichen Angestellten damit Beschäftigt sind das Chaos und die verbrannte Erde dieser Kens und Barbies dann wieder zu gutzumachen, ziehen Sie weiter und verkaufen sich bei den Ken und Barbies HR Managern für teures Geld.

Leider läuft das ganze nicht mehr so, denn derzeit wird überall besonders im Mittleren Management gespart. Die Mitarbeiter haben dann zwar noch mehr Arbeit fürs gleiche Geld, aber sie haben zumindest einen Job.

"Die Mitarbeiter haben dann zwar noch mehr Arbeit fürs gleiche Geld, aber sie haben zumindest einen Job."
Sofern Sie eine gscheite Ausbildung haben, brauchen Sie das nicht so sehen. Zumindest nicht bis 40, bei brauchbaren Weiterbildungen vermutlich noch etwas länger.

Eine nette Art darüber hinwezg zu täuschen, dass Sie selbst nicht so oft Job wechseln können weil SIe keiner nehmen würde?

Im Grunde dreht es sich doch ausschließlich um die Work-Life-Balance. Wozu ein paar Hunderter im Monat mehr haben, wenn man diese nicht benötigt?

Der Karrieresprung ist oft nur ein Gespräch weit entfernt, aber für 20 % mehr Geld (brutto 40 %) wäre es blöd, 100 % mehr arbeiten zu müssen.

Oft sind es nicht nur 20% - oder ein paar hunderter - mehr.

Und es ist ja nicht so dass Leute die schlechter bezahlt werden per se weniger arbeiten (müssen).

Besser bezahlte Jobs haben oft auch mehr Spielraum (oder umgekehrt Verantwortung, die natürlich auch zur Last werden kann), und sind interessanter (was natürlich von den eigenen Interessen abhängt).

Aber DA geb ich ihnen schon Recht: Sich für mehr Geld das Leben zu ruinieren hat wenig Sinn. ;-)

Kennen Sie mich? Natürlich hab ich auch schon einige male den Job gewechselt.

Die Vollpfosten waren aber schon nach weniger als 1 Jahr wieder weg.

Den Teil mit "für teures Geld haben's offensichtlich nicht so ganz hin bekommen, sonst würden's darüber nicht so jammern?

Kleiner Tipp für alle wo es nicht mehr mit dem Gehalt weitergeht: Den Mut zu einem Branchenwechsel haben... die Gehaltsunterschiede für nahezu idente Positionen sind ein Wahnsinn. (Über 50% Unterschied ist möglich!)

Funktioniert zumindest im IT Bereich sehr gut, weil die Arbeitsmethodik meist mehr zählt als das Branchenwissen...

wonach die kens und barbies streben sei ihnen selbst überlassen. das wirklich schlimme ist, dass die wenigsten von denen wirklich etwas in der birne haben. geschweige denn über führungsqualitäten o.ä. verfügen... sie sind im grunde genommen angestellte mit irgendeinem diplom, dass man sich auch in bulgarien oder rumänien hätte kaufen können.

Offensichtlich nicht ganz so einfach, sonst würden Sie's auch machen.

Oder arbeiten Sie aus Begeisterung für weniger Geld?

das ist neidig und verallgemeinernd

aber wahr

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