Das DNA-geprägte Porträt

Forscher haben fünf Gene gefunden, die das Gesicht bestimmen: Im Labor ließe sich künftig vielleicht aus DNA-Spuren ein Phantombild erstellen

Rotterdam - Die unbekannte DNA am Tatort könnte dem Täter gehören. Also ab ins Labor damit, um aus jenen Genen, die für die Gesichtsbildung verantwortlich sind, ein Phantombild zu erstellen. - Eine Forschergruppe unter der Leitung Manfred Kaysers von der Erasmus-Universität Rotterdam ist dieser forensische Zukunftsvision einen Schritt näher gekommen. Bereits jetzt ist es möglich, aus DNA etwa die Augenfarbe abzuleiten. Die Forscher haben aber nun erstmals fünf Gene identifiziert, die an der konkreten Ausbildung der menschlichen Gesichtszüge beteiligt sind, berichtet das Fachjournal "PLoS Genetics".

Ausgangsmaterial der Untersuchung waren Magnetresonanztomographieaufnahmen und Porträtfotos von 10.000 Menschen europäischer Abstammung. Die Forscher glichen Schlüsselpunkte wie Wangenknochen, Nasenspitze und Augäpfel und ihre Abstände zueinander mit den genetischen Informationen statistisch ab. Die Analyse ergab fünf Gene, die an der Herausbildung der untersuchten Gesichtsmerkmale beteiligt sind. Drei der Gene sind bereits in vorhergehenden Untersuchungen aufgetaucht. Sie haben Anteil an der Herausbildung der Mundpartie, der Position der Nase und am Abstand zwischen den Augen. Zwei davon wurden bereits mit der Herausbildung einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte in Verbindung gebracht.

Mit den gefundenen Genen steht man aber erst am Anfang: Sie seien lediglich "erste Ergebnisse, die den Beginn der genetischen Beschreibung der menschlichen Gesichtsmorphologie markieren", erklärt Kayser.

Aus früheren Studien, etwa aus der Zwillingsforschung, war bekannt, dass die Gesichtsbildung stark genetisch determiniert ist. Die Forscher schließen aus den neuen Ergebnissen, dass es eine sehr große Zahl von Genen mit jeweils geringen Auswirkungen geben muss, die die Gesichtszüge bestimmen. Eine derartige Konstellation sei bereits aus anderen komplexen Merkmalen wie der Körpergröße im Erwachsenenalter bekannt, so die Forscher. (pum/DER STANDARD, 15./16. 9. 2012)

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18 Postings
und diese Reportage in nano kommt zum gegenteiligen Schluss

nämlich dass es mit der "Gesichtserkennung" wohl noch nicht so leicht gehen wird, wenn überhaupt jemals.

http://www.3sat.de/page/?sou... index.html

und wieder...

"Zwei davon wurden bereits mit der Herausbildung einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte in Verbindung gebracht. "
Herausbildung??? Ich bin ja kein Poet, aber ein besseres Wort ist Ihnen nicht eingefallen?...klingt nach Volkschulaufsatz... schade um den Artikel/Bericht, wäre interessant zu lesen gewesen.

Beeindruckend! Das ist schon spannend, ob man eines Tages, Gesichter, und Körper mit DNA "designen" wird können? Ja ich träum vom Übermenschen bin aber deswegen auch noch nicht zwangsläufig ein Nazi!

Reaktionen auf meinen Beitrag werden gelesen, und beantwortet sofern ich eine Antwort habe!

Gene machen keine Supermenschen. Talente und Charackter ergeben super Menschen, aber sicher auch keine Supermenschen.

kommt wohl eher drauf an wie man "übermensch" definiert. für manche sind filmstars schon götter ;)

faszinierend ist das Verständnis der Morphogenese

Wie werden aus zwei Zellen, Zellen so unterschiedlicher Typen, die sich am richtigen Platz befinden und ein komplexes Lebewesen bilden. Hier hat die Gruppe um Dr. Kayser sich der Ausbildung des Gesichts angenommen. Die forensischen Möglichkeiten mögen ja spannend sein, und PR gehört heute zum Geschäft. Ein DNA-basiertes Phantombild hätte vor allem die Funktion Menschen zu finden, die die gesuchte DNA haben könnten, um sie zu einem DNA-Test "einzuladen". Der Beweis braucht nicht mittels Phantombild zu erfolgen.

Irgendwann werden sie dann auch noch auf dem Gesicht die zugehörige DNS zusammenbasteln können.

Meine Fresse ...

...

ob das geht könnte man ja vorab an lebenden menschen überprüfen

Bei mir schrillen schon die Alarmglocken

keine angst, hässliche

menschen werden nicht kopiert..äh...damit wollte ich nicht sagen, dass sie hässlich wären :/

Dann stellen sie sich doch lieber freiwillig.

Was haben Sie denn verbrochen?

nope

stellen sie sich vor ein Täter stielt erst mal unauffällig ihre DNA indem er zb ihre Bürste klaut - ein Minimaldelikt, das sie wohl sicher nicht zur Anzeige bringen werden.

Dann deponiert er ihre Haare auf größeren Tatorten um von sich abzulenken.

...oder sie steigen jemanden mit ausreichendem Aggressionspotential ungewollt auf die sprichwörtlichen Füße (zB im Job) und derjenige benützt ihre leicht zu bekommende DNA um ihnen Probleme zu machen...

Die DNA wird von den Juristen heutzutage viel zu leichtfertig als Beweis benützt.

Schwer zu sagen, aber dafür dürften dann eher Kriminalisten - siehe das DNS-Phantom u.a. in der NSU-Mordserie - verantwortlich sein. Der Widerstand dagegen wird am ehesten noch von den gern geschmähten Juristen kommen.

Die DNA wird ja wohl gezielt benützt. Es gibt nur sehr wenige Fälle wo tatsächlich z.B. die gesamte Bevölkerung eines Dorfs dazu aufgefordert wurde eine Probe abzugeben.
D.h. im Normalfall: Es gibt DNA-Spuren + eine Reihe von durch andere Indizien bereits verdächtige Personen. Aus deren Reihen kann man dann durch gezielte Tests einen Treffer landen.

Dagegen helfen nur flächendeckend eingesetzte Überwachungskameras, damit man beweisen kann, dass man zum fraglichen Zeitpunkt ganz woanders war. :)))

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