Schladming: Einstürzende Neubauten für die Ski-WM

14. September 2012, 18:37
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Die für die WM 2013 gebaute Überbauung "Loop" wird wieder abgerissen - Geschätzter Schaden: 400.000 Euro

Graz/Schladming - Der Schladminger Bürgermeister Jürgen Winter, ansonsten nicht sonderlich anfällig für depressive Verstimmungen, hat diesmal doch "schweren Herzens" resigniert: "Mir bleibt nur noch übrig zu fordern, dass die Steuerzahler dafür nicht aufkommen und draufzahlen müssen." Ihm seien als Bürgermeister, da die Kompetenzen bei anderen Behörden lägen, die Hände gebunden, "der Präsident" habe sich halt durchgesetzt, sagt Winter im Gespräch mit dem STANDARD.

Daher werde jetzt die erst im November 2011 fertiggestellte künstlerische Verbauung - der "Loop" - der neuen Talstation in Schladming für die Ski-WM im Februar 2013 wieder niedergerissen. Weil eben "der Präsident", ÖSV-Chef Peter Schröcksnadel, mehr Zuschauerplätze gefordert habe, müsse die Konstruktion weichen, sagt Winter. Der Schaden: offizielle 114.000 Euro, inoffizielle Berechnungen gehen von Bau- und Materialkosten von mehr als 300.000 Euro aus.

Immerhin mussten für den Loop, der auch als Halterung für eine neue Beleuchtungsinszenierung gedacht war, aufwändige Fundamente eingezogen werden. Die Abrisskosten werden mit 57.000 Euro - offiziell - veranschlagt, Insider rechnen aber mit dem Doppelten. Wer dafür aufkommt, ist noch unklar. Im Anschluss an eine Krisensitzung letzte Woche sagte Schröcksnadel zur Austria Presse Agentur jedenfalls kurz angebunden: " Wir wollen das Thema nicht weiter aufschaukeln."

"Fehleinschätzung"

Da nun seitens der Verantwortlichen von einer "Fehleinschätzung" die Rede ist, dürften die Kosten wohl beim Bauherrn, den Planaibahnen, hängenbleiben. Sie gehören zu 62 Prozent dem Land Steiermark, zu 23 Prozent der Republik Österreich und zu 3,6 Prozent der Stadtgemeinde Schladming. Den Rest halten örtliche Privatunternehmer.

Unterm Strich dürfte der Schildbürgerstreich jedenfalls gut 400.000 Euro kosten. Dies vor dem Hintergrund eines Landesbudgets, in dem eine Lücke von mehr als 200 Millionen Euro klafft und die rot-schwarze Reformpartnerschaft seit Monaten fieberhaft nach Einsparungen und neuen Einnahmequellen sucht.

Loop-Architekt Gernot Ritter zeigt sich über die Demontage seines Werkes " natürlich gar nicht erfreut". Ritter im Gespräch mit dem STANDARD: "Es war ein städtebauliches Gesamtkonzept und auch für die Zeit nach der WM gedacht. Jetzt ist das Gesamtkonzept natürlich zerstört."

Mehr Sitzplätze

Konkret geht es um 10.000 zusätzliche Sitzplätze im Zielraum. Das derzeitige Konzept mit dem Loop war für 20.000 Plätze berechnet. Schröcksnadel habe aber, sagt Winter, für die 14 Tage 400.000 Zuseher im Plan, daher müsse das Fassungsvermögen auf 30.000 Sitzplätze erweitert werden. Und so geschieht es auch. Winter: "Der Präsident lässt sich nicht beirren."

Da hatten auch SPÖ-Landeshauptmann Franz Voves und sein ÖVP-Stellvertreter Hermann Schützenhöfer nicht mehr viel zu melden. Was den Grünen-Landespolitiker Lambert Schönleitner den Kopf schütteln lässt: "Da hätte ich mir von Voves und Schützenhöfer schon mehr Standfestigkeit und Leadership erwartet. Sie hätten sich ganz einfach hinstellen und sagen müssen: Nein, mit uns nicht. Die Bevölkerung hier ist ziemlich aufgebracht. Das soll auf alle Fälle Herr Schröcksnadel persönlich aus seiner Tasche zahlen."

Die Vorkommnisse um den Abriss des Loops sind nach dem von Landeshauptmannvize Schützenhöfer vollzogenen Hinauswurf des durchaus erfolgreichen Planai-Geschäftsführers Ernst Trummer vor einem Monat - er hatte gegen den Loop-Abbau gekämpft - weiterer Zündstoff für das Gerücht, der ÖSV-Boss werde nach der Schladminger Ski-WM im Februar 2013 mit seinem Unternehmen die Planaibahnen übernehmen. Zumal das Land zur Budgetsanierung eben dringend neue Einnahmen braucht.

Schröcksnadel lässt ausrichten, nein, er habe kein Interesse an den Bahnen. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass vom Land noch ein Angebot kommen wird, das er nicht ausschlagen kann. (Walter Müller, DER STANDARD, 15./16.9.2012)

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    Weil ÖSV-Chef Peter Schröcksnadel fordert mehr Zuschauerplätze. Deswegen soll der jüngst erbaute "Loop" an der Schladminger Talstation demnächst wieder abgerissen werden.

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