Wohnbauförderung: "Budgets brechen ein"

  • Die Wohnbauförderung wird immer weniger, die gemeinnützigen Bauträger suchen fieberhaft nach alternativen Geldquellen.
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    Die Wohnbauförderung wird immer weniger, die gemeinnützigen Bauträger suchen fieberhaft nach alternativen Geldquellen.

Zwischen 2009 und 2011 gingen die Förderzusicherungen schon um 25 Prozent zurück - Neue Wege in der Finanzierung des Wohnbaus gefragt

Um fast zehn Prozent weniger Mittel aus der Wohnbauförderung standen im Jahr 2011 den heimischen gemeinnützigen Bauträgern zur Verfügung. Der Wohnbauforscher Wolfgang Amann, Geschäftsführer des Instituts für Immobilien, Bauen und Wohnen (IIBW), machte am Freitag auf den traditionellen "St. Wolfganger Tagen" der ARGE Eigenheim darauf aufmerksam, dass wegen der schon länger laufenden Kürzungen der Wohnbaubudgets die Förderungszusicherungen im Geschoßwohnbau zwischen 2009 und 2011 um nicht weniger als 25 Prozent zurückgegangen seien - "Trend weiter negativ".

Wenn die Bundesländer den geförderten Geschoßwohnbau weiter zurückschrauben, sei die Leistbarkeit des Wohnens gefährdet, so Amann weiter. Denn diese werde gerade durch die gemeinnützigen Bauvereinigungen (gbv) gewährleistet: "2011 stiegen die Wohnkosten aller gbv-Mietwohnungen um 1,9 Prozent. Das ist deutlich unter der Inflationsrate von 3,3 Prozent. Private Hauptmietwohnungen verteuerten sich mit 4,9 Prozent mehr als doppelt so stark."

Langfristige Kredite Mangelware

Sorgen bereitet den Mitgliedern der ARGE Eigenheim, allen voran ihrem Obmann Klaus Lugger, aber nicht nur die Wohnbauförderung, sondern ganz allgemein die Finanzierungssituation des Wohnbaus in Österreich. Dieser werde zu über 80 Prozent aus der Wohnbauförderung und aus Kapitalmarktmitteln finanziert.

Bei der Wohnbauförderung sei die Wiedereinführung der Zweckwidmung "unbedingt notwendig", so Lugger. Wie kürzlich berichtet, wird dies im Zuge der Finanzausgleichsverhandlungen im kommenden Jahr stark thematisiert werden. Neu hinzu komme aber auch das Risiko, vom Kapitalmarkt keine 20- bis 25-jährigen Kredite mehr zu erhalten. "Für die künftigen Wohnungseigentümer ist es noch dramatischer, da die Bonitätskontrollen der Finanzierungsinstitute laufend verschärft werden", so Lugger.

Gute Bonität

Josef Schmidinger, Vorstandsvorsitzender der Bausparkassen der Sparkassen, wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass "90 Prozent der gemeinnützigen Bauvereinigungen eine sehr gute Bonität aufweisen" würden. "Die von ihnen aufgenommenen Investitionskredite würden nach internationalen Ratingstandards 'Investment Grade' aufweisen und daher bevorzugte Anlagequalität auch für institutionelle Anleger darstellen."

An Notwendigkeiten für die langfristige Absicherung der Wohnbaufinanzierung sieht er neben der Wohnbauförderung unter anderem "zusätzlich institutionelle ergänzende Finanzierungen, etwa durch Emission von Pfandbriefen, oder projektbezogene Finanzierungen durch Versicherungen oder Immofonds". Auch den Ausbau "gemeinsamer Kooperationsmodelle mit starken Finanzpartnern" sowie einen Ausgleich der Finanzierungsmittel zwischen den Gemeinnützigen hält er für nötig.

Die Investitionen von fünf Milliarden Euro in Neubau und Sanierung pro Jahr unterstreichen für ihn jedenfalls auch die wirtschaftliche Bedeutung der Gemeinnützigen. "Die GBV verfügen über 600.000 und verwalten über 800.000 Wohnungen. Sie errichten mehr als 20.000 und sanieren rund 50.000 Wohnungen pro Jahr." (red, derStandard.at, 14.9.2012)

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7 Postings

Die Mitglieder der ARGE Eigenheim müssten sich nur mal aufs AR konzentrieren, dann könnte sich die GE auch ein Eigenheim leisten. Ungewöhnliche Idee in einem Land in dem jeder glaubt alles vom Staat geschenkt bekommen zu müssen, ich weiß!

Wohnen unleistbar machen

vor allem auch die, die nebenbei zulangen. Bei dem Bauprojekt, wo wir grad schauen, dass wir uns eine Wohnung leisten können:
Auf "Sonderwünsche" verlangt die Baufirma 20% Aufschlag auf das Angebot vom Handwerker und der Baumeister nochmal 10%. Und der Standard ist zwar OK, aber auch nicht das, was man bei einer neuen Eigentumswohnung möchte.
Das mal auf alles obendrauf.
Wenn man da verhandeln möchte, heißts nur "wenns es net zahlen wollts, dann führn ma's halt im Standard aus" (und das hab ich euphemistisch formuliert).

Unser WBFsystem (wie alle Fördersysteme!)fördert

in erster Linie:
die Grundbesitzer
die Bankinstitute
die Bauwirtschaft (Generalunternehmer)
die Wohlhabenden
die Immobilienhändler(spekulanten)
und sie können oben Genannte, in verschiedenen Kombinationen Wählen,
Die Bauwirtschaft als Grundbesitzer stehen in der Kreide bei den Banken, die Banken haben Grundstücke und Häuser als Sicherstellung......
Es ist und bleibt ein Sytem zur Umverteilung von nicht so arm hin zu reich.
Und dass mit der Wohnbeihilfe die Vermieter gefördert werden ist nach kurzer Überlegung wohl auch ziemlich schnell klar.
Und Herr Herzerzog versuchen sie jetzt einmal leistbare(!) Wohnungen zu mieten - sie werden nur Wohnhöhlen finden.

ein Zuschuss zu Zinsen

von einem Bankdarlehen ist keine WBF, sondern eine direkte Bankenförderung. Schluss Damit !!!

Schluss mit der Wohnbauförderung und der Wohnbeihilfe!
Progressive Besteuerung von leerstehendem Wohnraum und den Einkommen aus Mieten......
Reform der Grundsteuer bzw. Bemessungsgrundlagen..
Und Strategie für den Ausstieg aus der Bauwirtschaft als Schlüsselindustrie.....

Reaktivierung von Wohnhöhlen.

... und bitte Sonnenschein das ganze Jahr über. Nie wieder Minusgrade!

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