Naschmarkt: Wieder ein paar weniger

Kolumne | Severin Corti, 17. September 2012, 17:07
  • Um des Einkaufens willen gehen heute nur die wenigsten noch auf den Naschmarkt.
    foto: apa/fohringer

    Um des Einkaufens willen gehen heute nur die wenigsten noch auf den Naschmarkt.

Die Verdrängung guter Wirte aus der Gastromeile und das eintönige Angebot machen traurig

Schon klar: Um des Einkaufens willen gehen heute nur die wenigsten noch auf den Naschmarkt. Zu eintönig ist das Angebot, zu selten sind jene Standler, die - wie Gemüsegärtner Karl Kuczera im hinteren Teil - wirklich herausragendes Obst und Gemüse anbieten.

Wobei: Der Bauernmarkt, der samstags ganz hinten bei der Kettenbrückengasse mehr geduldet als gefördert wird, ist ein Lichtblick. Was aber genauso traurig macht, ist die Verdrängung guter Wirte aus der Gastromeile. Wer sich nicht als kryptoasiatische Fastfood-Bude, als Döner-Outlet oder als sonst ein Schnitzelfritter für die Touri-Abteilung hermascherlt, hat offenbar keinen Platz mehr. 

Der letzte Vietnamese geschlossen

Anfang September machte Chi, der wahrscheinlich kleinste und zweifelsfrei wunderbarste Vietnamese, dicht (soll aber zum Glück in absehbarer Zeit in der Leopoldstadt neu aufsperren). Umso tragischer, dass diese Woche mit dem Phô Saigon auch der nächste und somit letzte Vietnamese am Markt samt dem angeschlossenen (und wirklich ganz herausragend sortierten) Asia-Geschäft das Handtuch warf - trotz gut gehender Geschäfte.

Was die Betreiber nicht mehr wollten, war der rüpelhafte Ton, der hier zusehends herrscht. Dass es damit (bis auf den unbeugsamen Indian Pavilion!) kein einziges authentisches Asia-Standl am Markt mehr gibt, spricht freilich auch Bände über die Kundschaft, die hier mittlerweile verkehrt. (Severin Corti, DER STANDARD, 15.9.2012)

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marktamt

bitte einmal zu hinterfragen, welche rolle das marktamt beim niedergang des naschmarktes und anderer märkte spielt!
das ist nämlich eine bei weitem unterschätzte rolle!
diese herrschaften bedürfen m.e. einer massiven kontrolle !
und: nicht zu unterschätzen ist auch der rubel, der da rollt, wenn standln übernommen werden....da gibt es listen, mit reihungen der standlsuchenden, etc.
der quadratmeterpreis für die miete der standln ist sehr, sehr niedrig, der bewegt sich pro m² unter 10 euro, ABER.....

am besten...

alles abreißen-tiefgarage und shopping mall mit großraumdisco rauf. gibts in der gegend eh nicht. dann sind die bobos weg und snf-jugend dort.

Zwischen Naschmarkt und Grinzing gibt es nur mehr zwei Unterschiede

Die Nähe zur STadt und zum Naschmarkt kommt man mit der Ubahn, nach Grinzing mit der Straßenbahn.
Man könnte aber den 38er bis zum Karlsplatz verlängern, dann brauchen die Touristen nicht umsteigen

Kreisch!

Das Phô Saigon ist/war eines meiner Lieblingslokale - im angrenzenden Geschäft hat es auch eine sehr gute Auswahl asiatischer Produkte gegeben (Fischsauce zB)

Na super - wieder einer weniger...

Es ist zum Heulen. Gott sei dank liefern sie auch, wenn der Entensalat dann auch infernal scharf ist :)

Aber das war das hübscheste der Lokale, bin immer noch sauer!

vielleicht dort erhältlich

http://www.yiphint.at/

Fischsauce kriegt man mittlerweile eh überall.

die hatten davon allerdings auch eine gute Auswahl - unter anderem eine die ich sonst noch nirgends gefunden hab, weiß allerdings nicht mehr wie die heißt, das Etikett würd ich noch erkennen...

Probier mal dein Glück bei den verbliebenen Naschmarktasiaten, insbesondere auch in der Umgebung, also Wienzeile.
Falls dir einfallen sollte, welche Fischifischi das war, schaue ich gern für dich nach.

Die Bobos sind immer die anderen.

Ich tu mir immer noch schwer mit dem Begriff Bobo.

Wer is denn das dann genau bzw wer?
Hab nur gelesen das die an allem Schuld sind, sogar an der Urbanisierung der Städte.

Wie toll wäre es wenn wir doch alle Punks wären.

so, da kannstas nachlesen, das sind bürgerliche krocha, die aber nicht schranzen, sondern am naschmarkt fressen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Bobo... lschaft%29

Wenigstens gibt es den Inder neben Umar noch

aber Abends sitzen auch dort die Bobos.

kann nicht sein

nicht daß es am nachmarkt keine bobos gäbe, aber der inder sperrt leider am frühen abend.
die entwicklung des naschmarkts stimmt traurig: die standler von vor 20 jahren wurden durch schlitzohrige russen oder grindige möchtegernitaliener (prosciutto und rotwein, aus der ukraine) abgelöst.
was bleibt sind die fischgeschäfte, mister joseph, das kraut-rüben-gurkenstandl, der poehl, das käseland und ein paar standln im oberen teil. sehr schade.

Mir ist der Karmelitermarkt lieber.

und der brunnenmarkt wird in ein paar jahren der neue naschmarkt werden!

"wird in ein paar jahren der neue naschmarkt werden!"

Wohl kaum. Eher Khan Khalili Bazar.
Ist jetzt schon eine Zumutung.

Hoffentlich nicht!

ich wohn da und genieß es, wie es jetzt ist.

Allahseidank wohn ich nicht da.

Genau so soll ein "Markt" nicht sein.

jetzt wie der naschmarkt oder der brunnenmarkt?

ich wohn am brunnenmarkt.

Ja früher da bin ich auf den Naschmarkt gefahren...

...weil ich irgendwas Ausgefallenes kochen wollte.

Heute? Das letzte mal war es nichtmal möglich getrocknete, rote Chilischoten zu bekommen. In irgendeinem Asialaden hatten sie dann gekühlte (!?), vakumverpackte (!?) Frische.

Und was das Essen betrifft: Großteils Fast-Food Mist oder hoffnungslos überteuert. Fischlokale vielleicht mal ausgenommen.

Zusätzliche Mankos: Taschendiebe, Dealer und Betrüger.

Alles zusammengenommen ist der Naschmarkt einfach keine Fahrt mehr wert.

Joseph's Indian Shop lege ich ihnen in so einem Fall ans Herz - ein kleines Holzgschäftl neben der Eisernen Zeit. Der hat meistens mehrere Sorten rote Chillis zur Auswahl.

Jaja, früher war Alles besser

nein, alles nicht, aber der naschmarkt definitiv.

erinnert sich noch jemand an den kommunistischen gemüsestandler mit dem kuba-rum?

das waren zeiten.

die tendenz zur verklärung ist verständlich, kommt mit dem alter ganz automatisch. "früher" war der naschmarkt voll von fetzen-standeln und zwar atmosphärisch erfreulichen marktschreiern, die aber halt ihre paprika und paradeiser zu verkaufen suchten. eh super und authentisch. so ein angebot wie derzeit gab es jedenfalls am naschmarkt bisher noch nie (wenngleich der verlust von herta gruber empfindlich schmerzt). aber wenn alle nur nörgeln und eh beim billa einkaufen, anstatt zum markt zu gehen, dann bitte nicht schimpfen, dass nur mehr schoko-boutiquen und schnitzelfritter für touris da sind, okay?

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