Ein Dinosaurier im Alarmzustand

16. September 2012, 20:18
  • Das Skelett des Dinosauriers Dysalotosaurus lettowvorbecki im Museum für Naturkunde Berlin.
    foto: naturkundemuseum berlin

    Das Skelett des Dinosauriers Dysalotosaurus lettowvorbecki im Museum für Naturkunde Berlin.

Deutsche Forscher untersuchten das Innenohr des relativ kleinen Dysalotosaurus lettowvorbecki

Berlin - Dysalotosaurier waren eine Gattung von Vogelbeckendinosauriern, die vor etwa 150 Millionen Jahren im Gebiet des heutien Afrika lebten. Sie liefen auf zwei Beinen, wurden mit einer Länge von einem bis fünf Metern nicht sonderlich groß und dürften sich in erster Linie von Pflanzen ernährt haben. Als kleiner, nicht gepanzerter Pflanzenfresser musste der Dysalaotosaurus sich vor Räubern hüten - und sein Gehör war auch ganz darauf angelegt, wie deutsche Forscher im "Journal of Vertebrate Paleontology" berichten.

Ein vollständiges Skelett eines Dysalotosaurus lettowvorbecki ist im Berliner Museum für Naturkunde ausgestellt und das dortige Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung hat sich zuletzt insbesondere mit dem Schädelaufbau des Tiers befasst. Dabei ging es den Forschern darum herauszufinden, ob die Struktur des Innenohrs Hinweise auf die Hörfähigkeit und das Verhalten des Tiers geben kann.

Analyse ...

Vor 100 Jahren führte das Museum Grabungen in den mehr als 150 Millionen Jahre alten Jura-Schichten des Tendaguru-Bergs im heutigen Tansania durch - zur Ausbeute zählte unter anderem das gigantische Skelett eines Brachiosaurus brancai. Um einen besseren Einblick in die jurassische Lebewelt des Tendaguru zu erhalten, griffen die Forscher Gabriela Sobral, Christy Hipsley und Johannes Müller für ihre Studie auf Computertomographie zurück. Dieses Verfahren ermöglicht es, sogar versteinerte Schädel mittels Röntgenstrahlen zu untersuchen und das Innere des Schädels in dreidimensionaler Form sichtbar zu machen. 

Die Untersuchung ergab eine Kombination aus ursprünglichen und modernen anatomischen Merkmalen im Innenohr von Dysalotosaurus. So enthält die für die Verbindung zum Trommelfell wichtige Seitenwand der Hirnkapsel statt einer einzigen Öffnung zwei Fenster. Ein solches Merkmal ist üblicherweise mit einer erhöhten Hörfähigkeit verbunden, da dadurch der Energieverlust bei der Schallübertragung verringert wird. Im Gegensatz dazu ist die Schnecke des Innenohrs vergleichsweise kurz, was auf eine nur schlecht ausgebildete Unterscheidungsfähigkeit zwischen hohen und niedrigen Frequenz-Tönen hindeutet. "Wir haben das Hörspektrum und die durchschnittliche Hörfrequenz von Dysalotosaurus berechnet", sagt Sobral, "und es ergab sich eine Position mehr oder weniger zwischen den Fähigkeiten moderner Krokodile und Vögel, den beiden nächsten lebenden Verwandten der Dinosaurier. Dysalotosaurus konnte in etwa so gut hören wie heutige Strauße und Reiher."

... und Schlussfolgerungen

Ein weiteres Ergebnis der Studie war die Beobachtung, dass der seitliche der drei Bogengänge länger als die übrigen ist und relativ zur Position der Schnauze nach vorne abkippt. Die Ausrichtung der Bogengänge ist von großer Bedeutung für das Gleichgewicht und die Haltung eines Wirbeltiers. "Die relative Verlängerung des seitlichen Bogengangs deutet darauf hin, dass seitliche Bewegungen des Kopfes wesentlich wichtiger für Dysalotosaurus waren als den Kopf auf und ab zu bewegen oder hin und her zu schaukeln", sagt Sobral, "zudem ist die Kippung zur Schnauze hin ein Hinweis auf eine horizontale Kopfhaltung im Alarmzustand, ein typisches Merkmal von Tieren, die sich auf andere Sinne als die Sehfähigkeit verlassen." Wie viele pflanzenfressende Säugetiere war wohl auch Dysalotosaurus ein bevorzugtes Beutetier seiner räuberischen Verwandten und hatte eine Hörfähigkeit entwickelt, die ganz darauf ausgerichtet war, Fressfeinde frühzeitig zu bemerken. (red, derStandard.at, 16. 9. 2012)

"lettowvorbecki" ist wirklich einmal ein schöner Name für einen Dinosaurier.

ich hätt ihn ja leckomio genannt.

naja, ein kolonialgeneral und putschist gegen die republik - ich kann mir schönere namen für einen friedliebenden pflanzenfresser vorstellen...

Man kann halt nicht alles haben.

"lettowvorbecki"

Klingt eher nach einer exotischer Spezialität. Ich hoffe, es gibt gute Zubereitungsrezepte falls es mal geklont wird.

Dysalotosaurus lettowvorbecki ist, obwohl auch unter "Dino-Fans" eher wenig bekannt weil "unspektakulär", wahrscheinlich eine der am besten untersuchten Dino-Arten überhaupt.
Obwohl es nur eine einzige Fundstelle gibt sind Reste von Tieren fast aller Altersgruppen vorhanden und die Knochen sind so gut erhalten, daß nicht nur die Entwicklung vom Jungtier zum voll ausgewachsenen nachvollzogen werden kann
http://www.plosone.org/article/i... e.0029958,
sondern sogar pathologische Befunde möglich sind, wie auch derStandard schon berichtet hat:
http://derstandard.at/131500626... nen-Jahren

beim ersten link hängt der beistrich hinten dran...

so funktioniert der link:

http://www.plosone.org/article/i... ne.0029958

Danke, das hatte ich übersehen!

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