Ökonomen sehen weiter Krisengefahr

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E-Fundresearch fragte Kapitalmarktstrategen nach den Vor- und Nachteilen einer stärkeren Finanzmarktregulierung

Grundsätzlich sei eine stärkere und einheitliche Regulierung der Finanzmärkte zu begrüßen, meinen die befragten Ökonomen, das systemische Risiko würde sich verringern. Auch für die Stabilität der Eurozone sei eine gemeinsame Fiskal- und Wirtschaftspolitik notwendig. Das Risiko einer zukünftigen Finanzkrise sei damit aber nicht gebannt, geben sie zu bedenken und warnen vor einer Überregulierung.

Integration und Solidarität im Euroraum

Die Vorteile einer stärkeren Regulierung aber auch die Nachteile einer Überregulierung beschreibt Gerhard Winzer, Chief Economist, Erste Sparinvest, wie folgt: "Die notwendigen Voraussetzungen für das nachhaltige Bestehen der Eurozone sind mehr Integration und mehr Solidarität. Das beinhaltet neben einer gemeinsamen Geld- auch eine gemeinsame Fiskal- und Wirtschaftspolitik sowie Institutionen, die als Lender of Last Resort fungieren können. Seit Ausbruch der Euro-Krise wurden zögerlich aber doch viele Schritte in diese Richtung unternommen: EFSF/ESM, der Vertrag über Stabilität, Koordination und Governance, das (eingestellte) SMP, die LTROs und die jüngst angekündigten Outright Monetary Transactions der EZB, die Einrichtung eines einheitlichen Aufsichtsmechanismus für Banken unter Oberaufsicht der EZB als (wahrscheinliche) Keimzelle einer Bankenunion (die auch eine europäische Einlagensicherung sowie einen Abwicklungsfonds beinhalten würde) und last but not least die Errichtung der EBA mit den Schwerpunkten Regulierung, Risk Analysis und Konsumentenschutz. Grundsätzlich ist eine stärkere und einheitliche Regulierung der Finanzmärkte zu begrüßen, vor allem weil sie das systemische Risiko und das Moral Hazard Problem verringern. Auf der negativen Seite haben einige Vorschriften (Einführung von höheren Liquiditäts- und Eigenkapitalerfordernissen mitten in der Krise) zu einer noch restriktiveren Kreditvergabe beigetragen. Zudem könnten sich Probleme durch eine Überregulierung sowie durch eine Wettbewerbsverzerrung (liberaleres Umfeld auf globaler Ebene) ergeben.

Regulierung ist zweischneidig

Andreas Höfert, Chefökonom, UBS Wealth Management, rät zu einem Abwägen der Regulierungsbestrebungen: "Regulierung ist immer zweischneidig. Einerseits wird dadurch sicherlich das Risiko, die vergangene Finanzkrise zu wiederholen, verringert. Andererseits heißt es noch lange nicht, dass das Risiko einer zukünftigen Finanzkrise damit verbannt ist. Zwar verlaufen Finanzkrisen immer nach ähnlichen Mustern, doch sind sie nicht eins-zu-eins gleich. ..." Die Regulierungsbestrebungen der Banken würden sich nicht mit jenen der Politik vereinbaren lassen. Während die Banken einerseits risikolosere Bilanzen aufweisen sollen, würde es auf der anderen Seite Kritik aufgrund der eingeschränkten Kreditvergaben geben. "Eine europaweite Einlagensicherung reduziert das Risiko von Bankenpaniken in der europäischen Peripherie und dementsprechend das Risiko, dass die einen oder anderen Länder quasi dadurch gezwungen werden aus dem Euro auszusteigen. Eine solche Einlagensicherung ist allerdings nur möglich, wenn die gesicherten Institute auch einer gemeinsamen Bankenaufsicht unterstellt werden. Hier scheiden sich aber die Geister....", so der UBS Experte.

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