Wettbewerb mit scharfen Gegenwind

Lukas Sustala, 14. September 2012, 11:08

Die Fondsbranche muss sich gegen Druck von innen und außen wehren, zeigt eine Studie des Consultingunternehmens BCG

"Die Asset Management Branche hat mit einem stürmischen Gegenwind zu kämpfen." Eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) zeigt überdeutlich: Die Branche der professionellen Geldverwalter leidet auch vier Jahre nach dem Ausbruch der Finanzkrise an einem Kater. Demnach ist ihr Anteil an der Verwaltung der globalen Vermögenswerte von 39 Prozent im Jahr 2007 auf 35 Prozent 2011 gefallen.

Damit haben die professionellen Vermögensverwalter wie Fondsgesellschaften von dem Wachstum, das sich zuletzt vor allem in den Schwellenländern abgespielt hat, nichts gehabt. Zwar sind die globalen Vermögen, gemessen an Statistiken der OECD, zwischen 2007 und 2011 um 11,3 Billionen Dollar gestiegen, doch die Vermögensverwalter hatten ein Nullwachstum zu verzeichnen. "Da Investoren ihr Vertrauen in die Branche verloren haben, hat es einen Flucht in Sicherheit und 'risikofreie' Anlagen wie Staatsanleihen und abgesicherte Bankeinlagen gegeben", so die Autoren der BCG-Studie. Daher verwalten viele Investoren ihr Vermögen lieber selbst. Gleichzeitig bemühen sich Banken in Europa darum, Einlagen von Kunden zu bekommen. Da kommt der Verkauf von Fondsprodukten dann zu kurz.

Kleine Fonds bedrängt

Doch auch innerhalb der Branche nimmt der Wettbewerb zu. Die klassische Fondspalette von Aktien- und Anleihenfonds sowie Mischprodukten, die aktiv verwaltet werden und dementsprechend hohe Gebühren verdienen, verliert drastisch an Marktanteilen. Waren es 2003 noch 63 Prozent, sind es heute lediglich 49 Prozent. Dafür gewinnen passive Fonds, die mit niedrigen Gebühren locken, und alternative Produkte wie Hedgefonds, die zwar noch höhere Gebühren verlangen, dafür mit höheren Renditen locken. Gerade Hedgefonds gewinnen bei institutionellen Anlegern wie Versicherungen, Pensionsfonds und vermögenden Privatpersonen/Stiftungen wieder an Bedeutung (siehe auch Financial Times und hier).

Es ist daher kaum verwunderlich, dass der intensive Wettbewerb besonders kleinen Assetmanagern zu schaffen macht. Blickt man auf die Zahlen für 2011, zeigt die BCG-Studie, dass in den USA die Top 3 der Fondsgesellschaften (Vanguard, Blackrock, Pimco) ein Drittel der Netto-Zuflüsse an Kundengeldern auf sich vereinen konnten. In Europa floss jeder vierte neu veranlagte Euro an die Top 3 (Blackrock, Franklin Templeton, Pimco). "Ein paar wenige Manager haben effektive auf die neuen Kundenbedürfnisse reagiert und einen unverhältnismäßig großen Anteil des Wachstums eingefangen," so die BCG-Analysten. In Europa sind unter den Top 10 der Asset Manager mit Nettozuflüssen immerhin fünf US-Anbieter.

Die Nebenwirkung der Volatilität

Die Gründe der Entwicklung liegen auch an dem harschen Marktumfeld. Die Fondsbranche braucht eine gewisse Kontinuität, um ihre Produkte an den Investor zu bringen. Wenn in Fondsprospekten ein wilde Achterbahnfahrt auf einem Drei-Jahres-Chart eines Aktienfonds dokumentiert wird, lassen konservative Anleger die Finger davon. In den vergangenen Jahren hat die massive Volatilität an den Märkten aber zu schnellem Auf und Ab bei den verschiedenen Anlageklassen geführt. Fondshäuser, die sich lediglich auf einzelne Assetklassen wie Aktien konzentriert hatten, wurden von dieser Entwicklung massiv unter Druck gesetzt. (Lukas Sustala, derStandard.at, 14.9.2012)

Das ist nur ein Vorgeschmack auf das,

was den Leuten blüht, die auf die "kapitalgesicherte Rente" gesetzt haben.
Denn es ist eine "negativ-Blase": Wenn die Zinserträge aus den Fonds fehlen, können diese auch nicht weiterveranlagt werden, was die Kurse der bestehenden Wertpapiere langfristig drückt.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.