Fiat stutzt Ausbaupläne massiv zurück

Die Nachfrage in Italien ist auf das Niveau der 1970er Jahre gesunken, Gewerkschaften schlagen Alarm

Rom - Fiat will seine Produktionspläne für Italien revidieren. Ende Oktober will der Autobauer seinen neuen Industrieplan für den italienischen Markt vorstellen. Dieser soll Änderungen gegenüber dem Entwicklungsplan enthalten, der 2010 entworfen worden war. "Seit 2010 hat sich alles geändert. Der europäische Automarkt steckt in einer tiefen Krise und die Nachfrage in Italien ist auf das Niveau der 70er Jahre gesunken. Wir können uns daher nicht mehr auf einen Plan beziehen, der vor zweieinhalb Jahren entworfen worden war", teilte das Unternehmen nach Medienangaben vom Freitag mit. 

Laut dem Plan 2010-2014 wollte Fiat 20 Mrd. Euro für die Produktion in Italien investieren. 700 Mio. Euro hätten der Modernisierung des Produktionswerks von Pomigliano d'Arco bei Neapel dienen sollen. Der Konzern plante, die Autoproduktion pro Jahr von 900.000 auf 1,4 Millionen Fahrzeuge aufzustocken. Mit 30 Mrd. Euro Investitionen weltweit, einer verdoppelten Automobilproduktion in Italien, zehn neuen Modellen sowie sechs umgestylten Versionen wollte Fiat laut dem Entwicklungsplan in die globale Offensive gehen.

Politik um Sicherheit bemüht

Die schwere Krise in Italien und Europa hat Fiat einen Strich durch die Rechnung gemacht. Der italienische Automarkt ist im August nach Fiat-Angaben um ein Fünftel eingebrochen. Die Verkäufe seien binnen Jahresfrist um 20 Prozent gesunken, sagte Fiat-Chef Sergio Marchionne vor wenigen Tagen. Der Automarkt in Italien sei auf das Niveau des Jahres 1979 gesunken. Auch in Frankreich lief es im Sommer schlechter für die Branche. Die Neuzulassungen sanken um gut elf Prozent.

Die Gewerkschaften schlagen Alarm. Sie befürchten, dass der Turiner Konzern wegen des starken Verkaufsrückgangs eines der fünf Produktionswerke in Italien schließen könnte. Dagegen wehrt sich jedoch die Regierung Monti, die weitere massive Jobverluste und heftige Proteste befürchtet. Arbeitsministerin Elsa Fornero will in den nächsten Tagen Marchionne treffen und Garantien für den Erhalt aller fünf Werke verlangen. (APA, 14.9.2012)

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