Fiat stutzt Ausbaupläne massiv zurück

14. September 2012, 09:18

Die Nachfrage in Italien ist auf das Niveau der 1970er Jahre gesunken, Gewerkschaften schlagen Alarm

Rom - Fiat will seine Produktionspläne für Italien revidieren. Ende Oktober will der Autobauer seinen neuen Industrieplan für den italienischen Markt vorstellen. Dieser soll Änderungen gegenüber dem Entwicklungsplan enthalten, der 2010 entworfen worden war. "Seit 2010 hat sich alles geändert. Der europäische Automarkt steckt in einer tiefen Krise und die Nachfrage in Italien ist auf das Niveau der 70er Jahre gesunken. Wir können uns daher nicht mehr auf einen Plan beziehen, der vor zweieinhalb Jahren entworfen worden war", teilte das Unternehmen nach Medienangaben vom Freitag mit. 

Laut dem Plan 2010-2014 wollte Fiat 20 Mrd. Euro für die Produktion in Italien investieren. 700 Mio. Euro hätten der Modernisierung des Produktionswerks von Pomigliano d'Arco bei Neapel dienen sollen. Der Konzern plante, die Autoproduktion pro Jahr von 900.000 auf 1,4 Millionen Fahrzeuge aufzustocken. Mit 30 Mrd. Euro Investitionen weltweit, einer verdoppelten Automobilproduktion in Italien, zehn neuen Modellen sowie sechs umgestylten Versionen wollte Fiat laut dem Entwicklungsplan in die globale Offensive gehen.

Politik um Sicherheit bemüht

Die schwere Krise in Italien und Europa hat Fiat einen Strich durch die Rechnung gemacht. Der italienische Automarkt ist im August nach Fiat-Angaben um ein Fünftel eingebrochen. Die Verkäufe seien binnen Jahresfrist um 20 Prozent gesunken, sagte Fiat-Chef Sergio Marchionne vor wenigen Tagen. Der Automarkt in Italien sei auf das Niveau des Jahres 1979 gesunken. Auch in Frankreich lief es im Sommer schlechter für die Branche. Die Neuzulassungen sanken um gut elf Prozent.

Die Gewerkschaften schlagen Alarm. Sie befürchten, dass der Turiner Konzern wegen des starken Verkaufsrückgangs eines der fünf Produktionswerke in Italien schließen könnte. Dagegen wehrt sich jedoch die Regierung Monti, die weitere massive Jobverluste und heftige Proteste befürchtet. Arbeitsministerin Elsa Fornero will in den nächsten Tagen Marchionne treffen und Garantien für den Erhalt aller fünf Werke verlangen. (APA, 14.9.2012)

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Der europäische Automarkt steckt in einer tiefen Krise

echt und wieso spüren dann die deutschen hersteller nix von der tiefen krise? Weil sie sich vieleicht nach anderen Absatzmärkten in Übersee, Asien und Südamerkia umgesehen haben. Mir kommts fast so vor als hätte da Italien und Frankreich was ganz gewaltig verschlafen.

Meinen sie wie Opel?

den oli k, ein im jahr 1940 stecken gebliebener bundesdeutscher landsmann, aber in der autorubrik wegen entsprechenden verhaltens eine persona non grata, nimmt man nicht ernst.. er weiss nämlich nichts, auch nicht einmal, dass

1) siemens den velaro schon viel länger als alstom seinen neuen agv anbietet und der agv die ausschreibung in italien gewonnen hat.
- öffentlichen aufträgen praktisch nie nur technische entscheidungen zugrunde liegen. kosten, technologietransfers, einbindung der wirschaft des käuferlandes, lieferfristen uvm bieten hier ein package, auf grundlage dessen entschieden wird.
- klagen des velierers sind bei öffentlichen aufträgen üblich. so hat cassidian nach der schmerzhaften niederlage gegen die - wie 5 von 5 techn. evaluierungen zeigen - bessere rafale in indien eine klage erwogen. bei der vergabe der automaten lizenzen in ö klagen die verlierer auch.. etc...
- auch d hat durch die abwrackprämie mit steuergeldern die autoindustrie unterstützt

Rafale ist ein gutes Stichwort, beziehungsweise Flugzeugbau, Hubschrauber, Raketen und so.

Ohne FR ist EADS unbedeutend und kann nach ein paar Monaten die meisten Sparten schließen. Hier hat FR ohne Zweifel das Meiste beigesteuert.

und 2) ???
:-)

In der Schweiz hat sogar der schwächste Flieger gewonnen, der Gripen. Der Preis war entscheidend.
Und wieder ist die Rafale leer ausgegangen, obwohl sie in der Bewertung am besten war.

Frankreich scheint überhaupt ein Dauerschläfer zu sein.

Geht es französischen Firmen schlecht, werden sie geschwind verstaatlicht und mit Hilfe des Steuerzahlers subventioniert. Egal den Franzosen, ob hier gegen geltendes EU Recht verstoßen wird.

Das bessere setzt sich durch - wie man an den Siemens Zügen für den Eurotunnel erkennen kann.
Auch so ein Armutszeugnis für Alstom, mit hanebüchenen Argumenten Klage bei Gericht einzureichen. Sollen sich auf Wein und Käseproduktion beschränken, dass bekommen sie wenigstens noch hin.

Dumme Meldung.

Das Einzige, wo Siemens besser als andere ist, ist im Überweisen von Schmiergeldern.

hat mehrere gründe, einen davon hast

du genannt.

im falle der französischen automobilhersteller kommt noch dazu, dass sie sehr ertragsschwach sind. die arbeitskosten sind in frankreich unter den höchsten europas (hohe gehälter, hohe abgaben, starker kündigungsschutz sodass auf nachfrageschwankungen nicht so gut reagiert werden kann etc.).
hinzu kommt noch, dass sie in margenschwachen automobilsegmenten stark sind.

des weiteren haben die deutschen schon viel ihrer produktion ausgelagert (svk, ung, spanien, portugal übersee und china...)

Gerade Fiat hat in S-Amerika großen Absatz - es sind die billigsten Autos und es gibt Werkstätten mit Ersatzteilen an jedem Eck.

Allerdings ist mir bei meiern letzten Europareise aufgefallen: in Frankreich sind die Hälfte der Autos auf der Straße von Citroën, Peugeot oder Renault (der Rest aus D oder Asien), in Barcelona fahren sehr viele Seats. In Rom hab' ich kaum Fiats gesehen. Hauptsächlich Kleinlastwägen. Wenn die nicht einmal im eigenen Land eine solide Absatzbasis haben, was wollen die im Rest von Europa? Wem Pizza schmeckt soll auch einen Fiat kaufen?

ja. war heuer kurz in italien und war verwundert,

wie wenige italienischa autos dort unterwegs sind.

ihre gründe stimmen zwar auch, aber

Der wichtigste grund für den erfolg des einen und den misserfolg wird immer übersehen:

Das Produkt.

da muss ich sie leider korrigieren.

die hauptgründe sind die von mir genannten und auch in der automobilbranche werden diese gründe als wesentlich gesehen.

psa und renault haben bis zuletzt jährlich wachsende absatzzahlen gehabt und überwiegend gewinne geschrieben, leiden aber durch die krise besonders, weil die märkte in denen sie stark sind, besonders betroffen sind.
die produkte sind so schlecht, dass mercedes bei renault motoren, plattformen und fertige autos einkauft, um diese mit dem stern zu vermarkten..

wäre das produkt aber so entscheidend, wäre mercedes mit seiner 10 jahre dauernden qualitätskrise seit 2001/2 schon längst pleite gegangen.

Sollen doch mal die Mafia um einen Kredit bitten.

Das bisher effizienteste Unternehmen Made in Italy.

vor allem beim Steuerzahlen, äh, nicht-zahlen

die italienische gewerkschaft

die auch darauf besteht, dass in jeder lock 2 lockführer mitfahren müssen....

wohlerworbene rechte, soll man den heizer auf einmal nimmer mitnehmen? :)

könnt ja einem schlecht werden ... :)

na, eh, Sie haben völlig recht. so ein Blödsinn gehört abgestellt. Aber auch unser liebes Österreich ist nicht ganz frei von so was.

stimmt

aber meist in nicht ganz so extremer ausprägung

Die italienische Bahn möchte eben mehr Passagiere anlocken ;)

Schade!

FIAT und auch andere ital. Industriebetriebe waren einst die Innovativsten in Europa, aber seit gut 25 Jahren kommt nichts mehr nach! Ein gutes Beispiel noch aus letzter Zeit war das Projekt Phylla (ein Elektroauto aus Recyclingmaterial mit Solarkollektoren). Leider sitzen jetzt bei FIAT Leute an der Spitze, deren innovativsten Entscheidung es ist, Chrysler-Spritfresser als Lancia in Europa zu verkaufen!

es gibt aber auch noch sehr innovative unternehmen in italien,

so etwa im hi-tech bereich... zb finmeccanica, elettronica, avio, agusta und einige andere. in ihren bereichen gehören sie mitunter zur europaspitze.

innovationen vs. wirtschaftlichkeit

erst muß fiat über solche plattform entscheidungen erst mal geld in die kassen spülen bevor sie wieder anfangen können die sowieso nach wie vor laufenden weiterentwicklungen auch wieder zu pushen. Was glauben Sie wäre passiert wenn Fiat nicht Chrysler (derzeitiger rettungsanker) übernommen hätte? Ich schätze persönlich das Fiat dann schon längst übernommen wäre von VW.

ob vw interesse an fiat hätte?

an manche teile (alfa), aber insgesamt wohl nicht. die von den italienern erfundene common rail diesel-technologie hat inzwischen sogar vw. vor einigen jahren wäre dieses know how für die wolfsburger ev. noch von interesse gewesen, aber nicht mehr heute.

Da sei ...

... Gott vor! ;-)

allerdings! der herr bewahre uns vor italo-wolfsburg!

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