Neuronale Störungen bei Autismus reversibel

15. September 2012, 17:00

Schweizer Forscher entdecken pharmakologischen Angriffspunkt, mit dem überstimulierter Rezeptor moduliert werden kann

Gewisse Störungen in den neuronalen Schaltkreisen, die bei Autismus auftreten, sind reversibel. Das zeigt eine Studie von Basler Wissenschaftern. Die Resultate gelten als wichtiger Schritt zur medikamentösen Behandlung von Autismus.

Autismus ist eine tiefgreifende Entwicklungsstörung des Gehirns, die bereits in der frühen Kindheit auftritt. Man schätzt, dass eines von hundert Kindern eine autistische Störung entwickelt, wie die Universität Basel in einer Mitteilung schrieb.

Versuche mit genmanipulierten Mäusen

Ein zentraler Risikofaktor für die Entstehung dieser Krankheit sind zahlreiche Mutationen in über 100 Genen - insbesondere im Gen Neuroligin-3. Dieses trägt zur Bildung von Synapsen bei, den Kontaktstellen zwischen Nervenzellen, die elektrische Signale übertragen. Mäuse, bei denen das Gen für Neuroligin-3 entfernt wurde, entwickeln Verhaltensmuster, die wichtige Aspekte von Autismus widerspiegeln.

Defekt in der Signalübertragung

An solchen Mäusen identifizierten die Forschungsgruppen von Peter Scheiffele und Kaspar Vogt am Biozentrum der Universität Basel nun erstmals einen Defekt in der Signalübertragung zwischen Hirnzellen, der die Funktion und Anpassungsfähigkeit der Gehirn-Schaltkreise stört. Sie stellten fest, dass diese negativen Auswirkungen damit einhergehen, dass eine spezifische Andockstelle für Glutamat verstärkt produziert wird. Diese spielt eine wichtige Rolle bei der Signalübermittlung. Zu viel davon verhindert jedoch die Anpassung der Hirnzellen bei Lernprozessen und stört damit langfristig die normale Entwicklung und reibungslose Funktion des Gehirns.

Pharmakologischer Angriffspunkt

Die wichtigste Feststellung der Forscher war dabei, dass diese gestörte Entwicklung der Hirnschaltkreise reversibel ist. Nachdem die Forschenden die Bildung von Neuroligin-3 in den Mäusen wieder angeschaltet hatten, drosselten die Nervenzellen die Produktion des Glutamat-Rezeptors auf ein normales Niveau. Die für Autismus typischen strukturellen Defekte im Gehirn verschwanden.

Daher könnten diese Glutamat-Rezeptoren ein geeigneter pharmakologischer Angriffspunkt sein, um Autismus aufzuhalten oder sogar rückgängig zu machen. Die beiden Basler Forschungsgruppen arbeiten in einem von der Europäischen Union geförderten Projekt (EU-AIMS) gemeinsam mit Partnern aus der Industrie an therapeutischen Substanzen, die diese Glutamat-Rezeptoren blockieren.

Autismus ist gegenwärtig nicht heilbar. Bisher können nur die Symptome der Erkrankung durch pädagogische und therapeutische Methoden gelindert werden. Eine autistische Störung äußert sich meist durch gestörtes Sozialverhalten, strenge Verhaltensmuster und eine eingeschränkte Sprachentwicklung. (APA, 15.9.2012)

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15 Postings
Medikamente gegen autismus

Das wäre eine tolle Sache, würde es wirklich bald ein medikament gegen Autismus geben!! Wir sind selbst betroffene eltern eines autistischen Kindes, und manchmal ist unser Kind mehr als nur anstrengend!!! Das wäre wirklich ein Meilenstein in der Medizin, wenn es bald ein Medikament gegen Autismus gibt!!! Hoffentlich gelingt das den Forschern in der Schweiz, und es wäre eine Erlösung für uns - würde es wirklich bald ein Mittel gegen Autismus geben!!! Hoffentlich wirkt das Mittel bei Menschen genau so, wie bei den Mäusen!!! Erika und Martin.

Leider haben manche autistischen Kinder völlig unautistische Eltern...
Vielleicht könnte jemand ein Medikament erfinden, das die Eltern autistischer macht, damit die Kinder sich nicht so anstrengen müssen.

Sind hier

Kanner oder Asperger Autismus gemeint- beide unterscheiden sich eklatant

Autismus ist aber nicht gleich Autismus

Vom erfolgreichen Künstler/Asperger - verwahrlostem Messie bis zum Genie mit Inselbegabung/Savants ist das Spektrum doch recht breit gefächert . Der Autist den sich der kleine Mann vom Volk vorstellt der den ganzen Tag am Sessel sitzt und hin und her wippt ist relativ selten und hat mit Sicherheit noch andere geistige Einschränkungen . Also wem soll so ein Menschenversuch etwas in der Realität bringen ? Conclusio : Man sollte Wissenschafter nicht auf Menschen los lassen und weiter bei THC als Zwischenlösung bleiben (Abgesehen davon : Wenn man davon ausgeht dass das autistische Gehirn das perfekte Gehirn ist ist dass konsequenterweise eine Verschlechterung des Zustandes)

Ich bin grundsätzlich ein Freund von Fortschritten in Sachen Wissenschaft bzw. Medizin, was Autismus betrifft da hab ich mich eine Zeit lang mit den Asperger Syndrom beschäftigt und von vielen Leuten gehört welche ihren Autismus nur als "Andersartigkeit" sehen und nicht als Krankheit und es auf keinen Fall "geheilt" haben wollen weil es einen großen Einschnitt ihrer Persönlichkeit bedeuten würde... was starken Autismus betrifft, also Autismus welcher die Entwicklung ernsthaft einschränkt, da schätze ich schon dass es vom Vorteil ist, bei "leichten Autismus" allerdings bin ich allerding der Meinung des "Aspie Movements".

http://en.wikipedia.org/wiki/Auti... s_movement

Dazu sei noch hinzuzufügen dass die größten Probleme im Leben eines Aspies in der Intoleranz bzw. Unkenntnis der Mitmenschen liegen... Leute mit Asperger Syndrom können genauso Freunde haben, manche haben sogar eine Beziehung (sicherlich prozuntell weniger als bei Leuten ohne autistischen Zügen, aber es ist möglich).

Klar können Autisten Freunde haben. Wobei autistische Freunde aber viel mehr Spaß machen ;-)

wäre gut, wenn das klappt, aber...

es gibt ja meines Wissens nach nicht nur eine Art von Autismus! Es heißt ja z.B. Trisomie-(unterschiedliche Zahlen, aber das meist verbreitete lautet auf) 21.
Ist diese Heilungschance auf alle vorkommenden Generkrankungen anzuwenden?
Wenn ich das mit der Trisomie komplett falsch verstanden habe, bitte ich um Entschuldigung!
Würde mich natürlich auch über Korrektur meines Fehlers "freuen"!

Trisomie und Autismus sind was völlig verschiedenes.

ok! ich sagte ja, ich lasse mich gerne eines besseren belehren! ;)

Ich war der Auffassung, dass ich das richtig interpretiert hätte, aber ich bin eben kein Arzt!
Danke für die Aufklärung!

Ich kenne einige Autisten, die sowas auf keinen Fall wollen. Es ist ja eine extreme Veränderung der Persönlichkeit, ein riesen Eingriff in die Identität.
Andererseits, Möglichkeiten, die einem offenstehen, sind grundsätzlich gut.

Wer seinen Autismus als Persönlichkeitsmerkmal schätzt

der LEIDET nicht daran, und wer nicht leidet, braucht keine Behandlung.
Wer so drauf ist, hat außerem nur eine sehr milde Form der Erkrankung; nicht jeder ungesellige Charakter ist deswegen schon ein Autist.

Wow, das wär ein Super Erfolg, wenn es gegen Autismus Medikamente geben würde....

Medikamente

Das wäre ein Meilenstein und ich hoffe sehr, dass dies
bald gelingt!

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