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Frankfurt/Main - Die Neandertaler könnten sich wie heutige Menschen unterhalten haben, während sie mit der rechten Hand Werkzeuge benutzten. Seine Zähne haben einen in Frankreich gefundenen Neandertaler nach Ansicht von Forschern des Frankfurter Senckenberg-Instituts als Rechtshänder entlarvt. Damit sei auch wahrscheinlich, dass er sprechen konnte, sagte Virginie Volpato von der Senckenberg-Abteilung Paläoanthropologie am Donnerstag in Frankfurt.
Zusammen mit Kollegen hatte Volpato das rund 75.000 Jahre alte, vermutlich männliche Skelett untersucht, das einen gut erhaltenen Unterkiefer mit sämtlichen Zähnen aufwies. Ihre Studie über die vor rund 30.000 Jahren ausgestorbene Menschenart erschien kürzlich im Fachjournal "Plos One".
Aus schrägen, von rechts oben nach links unten verlaufende Kratzspuren an den Zähnen schlossen die Forscher, dass der etwa 20 Jahre alte Mann seine rechte Hand benutzte, um Nahrung zum Mund zu führen. Ihre Zähne hätten Neandertaler häufig als eine Art "Dritte Hand" benutzt. Das habe zu einem Verschleiß der vorderen Zähne und charakteristischen Kratzspuren geführt.
"Die Winkel der Spuren zeigen uns, welche Hand zum Greifen der Nahrungsmittel genutzt wurde", sagte Volpato. Analysen der Arm- und Schulterknochen stützten die Vermutung, dass der untersuchte Mann Rechtshänder war wie die meisten seiner Verwandten.
Sprache wohnt links
Aus der Rechtshändigkeit schließen die Forscher, dass die linke Gehirnhälfte dominierte und der Mann damit die Fähigkeit zur Sprache hatte. Das Sprachzentrum des heutigen Menschen liege meist in der linken Gehirnhälfte. "Die Rechtshändigkeit der fossilen Menschenverwandten deutet auf ein modernes Muster der linken Gehirnhälfte hin. Aufgrund dieser Dominanz und anderen Beweismitteln, wie archäologischen Funden und DNA-Analysen, gehen wir davon aus, dass Neandertaler die Fähigkeit zur Sprache hatten", sagte Volpato. (APA, 15.9.2012)
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http://www.youtube.com/watch?v=6py9jDW2flA
Meines Wissens vermutet die Wissenschaft schon seit drei Jahrzehnten, dass sie die Sprache beherrschten. Immerhin beherrschten sie ja auch schon ein gewisses Know-How: Jagd, Feuer, Kleider- und Werkzeugherstellung. Ist schwer vorstellbar, dass man solche Fähigkeiten ohne lautliche Kommunikation vermittelt.
d.h. jedes Tier bevorzugt eine Hand für Tätigkeit (interessanterweise ist aber die Händigkeit viel gleichmäßiger aufgeteilt nämlich annhähernd 50 :50 Prozent sind links bzw. rechtshänder).
Mir scheint das daher alles kein großer Hinweis zu sein.
Bei den Affen beträgt der Anteil der Rechtshänder 50%.
Bei den Neandertalern ist die deutliche Mehrheit rechtshändig.
Dafür muss es einen geben.
Der wird in der stärkeren Entwicklung der linken Hirnhälfte gesehen.
In der linken Hirnhälfte liegt das Sprachzentrum.
Damit ist die Rechtshändigkeit ein Indiz (kein Beweis) dafür, dass die Neandertaler sprechen konnten.
Es kann auch genau sein, dass es umgekehrt ist: So wird angenommen, dass einige Gene und auch die Aktvierung bzw. Nicht-Aktivierung von Hormonen (wie unter anderem Testasteron) während der Schwangerschaft eine asymmetrische Gehirnentiwcklung fördern.
Die linke Gehirnhälfte entwickelt sich stärker und die ist für die rechte Seite zuständig, daher bildet sich eine Rechtshändigkeit aus. Menschen die während der Schwangerschaft vermehrt Testasteron abbekommen haben, sind vermehrt Linkshänder und haben verminderte Sprachfähigkeiten - was im Umkehrschluss aber nicht bedeutet, dass alle Linkshänder geringere Sprachfähigkeiten haben. HIer spielen offensichtlich komplexe genetische, epigenetische und hormonelle Ursachen eine Rolle.
Man geht davon aus, dass der Neandertaler sprechen konnte, weil eben dieses EINE Exemplar Rechtshänder war, also dessen linke Gehirnhälfte für andere Aufgaben zuständig war. Ob andere Neandertaler Linkshänder waren oder nicht, spielt dabei ja keine Rolle.
Die Herleitung der Wissenschaftler ist zwar etwas "wild", aber der Text oben ist mMn schon verständlich.
Eigentlich hatte man für fast ein Jahrhundert die Verortung von kognitiven Fähigkeiten im Gehirn wieder ad acta gelegt - nicht zuletzt aus den Erfahrungen die Wissenschaftssoziologie zwischen den Weltkriegen. (sinnvolle Felder gibt es aber auch: Aphasieforschung etc.)
Populärwissenschaftlich formuliert, fragen sich jetzt alle Linkshänder, ob sie von den Aliens abstammen ...
mein kleiner Neffe, mein Bruder und ich können die Zunge einrollen. Mein anderer Bruder (Neffenvater!) meine Mutter und mein Papa können das aber nicht.
Also, obwohl mein Neffe, mein Bruder und ich das können, können meine Eltern (gemeinsame Vorfahren!) das nicht.
Soviel zu deiner Theorie.
Möglich, aber nicht zwingend notwendig.
Gendefekt? Auch hier stellt sich die Frage: Bug oder Feature?
Aber ihre Schlussfolgerung oben ist, falls man den Neandertaler überhaupt als eine eigene Spezies ansehen kann, tatsächlich nicht unbedingt zwingend. Es scheint mir auch eher wahrscheinlich, dass die anatomische wie kognitive Fähigkeit zur Sprache sich evolutionär über Zwischenstufen entwickelt hat und nicht plötzlich voll entwickelt aufgetreten ist.
[oops! das mit der Spezies sollte ich aber nicht anzweifeln, um mich nicht um Kopf und Kragen zu reden]
Nach dieser These sitzt das Sprachzentrum bei Linkshändern rechts oder verteilt auf beide Gehirnhälften.
Untersuchungen ergeben nun, dass bei 95 % der Rechtshänder das Sprachzentrum links liegt, bei 2 % rechts und bei 3 % verteilt auf beide Seiten.
Bei Linkshändern ist das Sprachzentrum zu 75 % ebenfalls links, 15 % rechts und 15 % auf beiden Seiten.
Es zeigt sich also eine viel größere Aufteilung bei Linkshändern als bei Rechtshändern - trotzdem zeigen die Zahlen wohl recht eindeutig, dass eben nicht die Händigkeit die dominante Gehirnhälfte anzeigt und auch nicht wo das Sprachzentrum sitzt.
Die These, die die ForscherInnen oben vertreten, ist damit zurecht äußerst umstritten.
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