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Agnes und Karlheinz Essl, wie Alex Katz sie sah. Das Porträt entstand 2010 und ist eines von mehr als 30 Katz-Gemälden im Besitz des Sammlerehepaars.
Klosterneuburg - Und wieder einmal zeigt das Sammlerehepaar Agnes und Karlheinz Essl, welch große Schätze sich im Museumsdepot befinden: Mehr als 30 Werke des US-Künstlers Alex Katz, eines Meisters der ebenso scharfkantigen wie poetischen, gesellschaftskritischen wie ironischen Sachlichkeit, haben die Essls im Laufe von 35 Jahren gesammelt: unterkühlte, großformatige Porträts, darunter eines des Sammlerehepaars selbst aus dem Jahr 2010; Landschaften und Ortsverfasstheiten, Strandszenen, Blumen- und Blütenbilder, "Hommage to Monet" etwa: Grellgelbe Blätter und schneeweiße Blüten schaukeln im schwarzen Wasser. Die beeindruckende Ausstellung wird von einem 109 Seiten starken Katalog dokumentiert.
Auch der 85-jährige Künstler reist gemeinsam mit Ehefrau Ada, seinem meistgemalten Modell, zur Vernissage im Essl-Museum an. Es ist Katz' dritter Österreich-Besuch innerhalb kurzer Zeit. Der Wiener Albertina, die ihn mehrmals ausstellte, schenkte Katz sein gesamtes druckgrafisches Werk. Bei der Präsentation des von der Albertina herausgegebenen Katalogbuches "Katz: Prints and Work in Editions 1947-2011" war er zuletzt hier.
STANDARD: Sie haben einmal gesagt, Wien sei eine flache Stadt. Was meinen Sie damit?
Katz: Es ist vor allem eine schöne Stadt. Sie haben viel Licht und viel Sonne.
STANDARD: Und New York?
Katz: Ist die hässlichste Stadt, die ich kenne. Sie ist lebendig, kosmopolitisch, aber hässlich. Das fällt mir immer auf, wenn ich von einer schönen Stadt wie Wien zurückkehre und denke: Wow, das ist eine Müllhalde!
STANDARD: Und doch zeigen Sie in Ihren Bildern eine schöne, elegante Oberfläche.
Katz: Stimmt. New Yorker haben eine ganz bestimmte Eleganz, sich zu kleiden, ihre Wohnungen einzurichten. Meine Bilder sind Teil dieser Eleganz. Seit 1968 habe ich ein 500 Quadratmeter großes Loft in Soho, hier kann ich meine großformatigen Bilder malen. Nur im Sommer übersiedeln wir für drei Monate nach Maine, in ein kleines Dorf im Hinterland. Vor hundert Jahren war es eine nette kleine Ortschaft. Jetzt ist es eine Art ländlicher Slum.
STANDARD: Sie leben also an hässlichen Orten, doch Sie lieben Eleganz und Schönheit?
Katz: Ja, ich weiß auch nicht, warum ich von Schönheit so gefangen bin. Ich glaube, dieses Gespür für Mode, für Kleidung und Eleganz ist ein Erbe von meinen Eltern. Meine Mutter spielte in jüdischen Theatern, sie war eine schöne, kluge Frau. Mein Vater entstammte einer reichen russischen Familie, er sollte eigentlich jüdischer Privatgelehrter werden. Aber stattdessen wurde er Playboy. (lacht) Er war viel zu heißblütig für einen Gelehrten. Als die Kommunisten an die Macht kamen, war Schluss mit lustig. Sie wanderten nach Amerika aus, wo mein Vater dann ein mittelständisches Unternehmen aufbaute. Daddy war sehr dynamisch. (lacht)
STANDARD: Und warum wurden Sie Maler?
Katz: Warum nicht? Für meinen Vater war der edelste Beruf der des Architekten. Maler waren weit, Doktoren, Priester und Rabbis allerdings noch viel weiter drunter. Meine Eltern hegten im Großen und Ganzen also Sympathie für meinen Berufswunsch. Nur meine Mutter warnte mich, dass ich ein fürchterlich armes Leben werde führen müssen.
STANDARD: Aber sie behielt nicht recht.
Katz: Doch. Zunächst schon. Es dauerte, bis ich berühmt wurde. Fast zehn Jahre hatte ich zum Geldverdienen einen Nebenjob als Rahmenbauer. New York war damals, als ich an die Kunstschule ging, ausgesprochen provinziell. Du konntest ein provinzieller Picasso oder ein provinzieller Matisse sein. Die meisten waren provinzielle Picassos. (lacht) Erst vier, fünf Jahre nach dem Krieg kam mit Jackson Pollock der Aufbruch. Die 1950er- und 1960er-Jahre waren wirklich eine große Zeit. Seither ist New York das - zumindest kommerzielle - internationale Zentrum für zeitgenössische Kunst.
STANDARD: Sie entwickelten früh Ihren sehr speziellen, flachen, fast schablonenhaften Malstil, die Mimik bei den Porträts aufs Wesentliche reduziert.
Katz: Das hat sich aus der abstrakten Malerei entwickelt. Die ist Teil des Modernismus. Und der wiederum operiert, wie Kommunismus und Faschismus, mit absoluten Werten. Wer diese nicht befolgt, wird bestraft. Malewitsch hätte vermutlich am liebsten alle anderen in Ketten gelegt. Das heißt nicht, dass er ein schlechter Maler war, sein Schwarzes Quadrat ist eines der großartigsten Bilder überhaupt. Ich mag absolute Maler, Jackson Pollock, Barnett Newman, Mark Rothko, Franz Kline: Sie alle öffneten mir Türen. Aber ich konnte das alles nicht so ernst nehmen.Erst als Ende der 1970er- Jahre die Postmoderne aufkam, fühlte ich mich intellektuell am richtigen Platz.
STANDARD: Wie sehen Sie die gegenwärtige Kunstszene?
Katz: Sie ähnelt der Musikszene, mit ihren Hypes und Popstars. Kunst ist der Mode unterworfen. Das war aber immer schon so, nur nicht für Menschen, die Deutsche Kunstgeschichte lesen. (lacht)
STANDARD: Sie haben Ihre Mode nie verändert?
Katz: Die Bilder wurden größer, aggressiver, je älter ich werde.Man wetteifert mit anderen Malern, um die Aufmerksamkeit des Publikums. (lacht) Ich wollte, bildlich gesprochen, immer meinen Vater töten, stärker und muskulöser wirken als er.
Standard: Eine politische Frage zum Abschluss: Wie beurteilen Sie Ihren Präsidenten Barack Obama?
Katz: Well, er ist gut gekleidet, hat einen hübschen Haarschnitt. Er ist klug, er hält interessante Reden. Aber er erfüllte viele Versprechen nicht, wie etwa Guantanamo zu schließen. Das ist unentschuldbar für mich, dass man im 21. Jahrhundert Menschen in Ketten hält und ihnen keinen fairen Prozess macht. Natürlich ist es großartig, dass wir einen schwarzen Präsidenten haben, er hat viele soziale Werte. Aber er hat keine Macht. (Andrea Schurian, DER STANDARD, 14.9.2012)
Alex Katz (85) lebt und arbeitet in New York.
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STANDARD: Wie sehen Sie die gegenwärtige Kunstszene?
Katz: Sie ähnelt der Musikszene, mit ihren Hypes und Popstars. Kunst ist der Mode unterworfen. Das war aber immer schon so, nur nicht für Menschen, die Deutsche Kunstgeschichte lesen. (lacht)
Und was bitte soll das genau bedeuten?
Wäre da nicht ein Nachfragen angebracht?
Stellen Sie sich vor die Familie Bush wäre Besitzer nur eines einzigen Bohrturmes der im Garten vor deren baufälligen Bungalow steht. Präsident Bush würde doch eher belächelt werden in Verhandlungen mit der Ölindustrie...um es drastisch bildlich festzuhalten
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