Firmen sparen in der Krise bei der Forschung

OECD-Länder: Die Krise führt zu Rekordeinsparungen bei Ausgaben für Forschung und Entwicklung

Wien - Die Wirtschaftskrise hat in den OECD-Ländern zu Rekordeinsparungen von Unternehmen bei ihren Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) geführt. Diese sind 2009 um 4,5 Prozent gegenüber dem Jahr davor zurückgefallen, wie der am Donnerstag veröffentlichte OECD-Bericht "Science, Technology and Industry Outlook 2012" zeigt. Nicht-OECD-Länder wie China und Indien setzen dagegen weiter auf Investitionen im Forschungsbereich. Österreich bekommt ein positives Zeugnis ausgestellt. Die OECD fordert das Land allerdings zu Reformen im Bildungsbereich auf.

In Österreich sind die F&E-Ausgaben der Wirtschaft zwischen 2002 und 2010 von 1,42 Prozent des BIP auf 1,88 Prozent gestiegen. Inklusive der Staatsausgaben für diesen Bereich gab es zwischen 2005 und 2011 mit einem Plus von 3,6 Prozent pro Jahr sogar den stärksten Anstieg bei den F&E-Mitteln innerhalb der EU. Mit einer Forschungsquote von 2,75 Prozent des BIP liegt Österreich damit 2011 "deutlich über dem OECD-Schnitt", heißt es in der Studie. Dabei kommen 45 Prozent der Mittel von Unternehmen, der Anteil an Mitteln aus dem Ausland ist mit 16 Prozent einer der höchsten im OECD-Raum.

Heiße Eisen in Österreich

Dennoch sieht die OECD einige "heiße Eisen", die Österreich bearbeiten sollte. Im Länderreport empfiehlt sie, einen größeren Teil der Bevölkerung an die Hochschulen zu bringen. Die Kompetenzen in Naturwissenschaften und Technik sollten ausgebaut, die Innovation im Dienstleistungssektor verstärkt und Investitionen in F&E langfristiger werden. Außerdem empfiehlt sie Österreich "Reformen und Reststrukturierungen der Bildung als Teil eines breiteren Innovationssystem".

Den sinkenden Aufwendungen in der OECD stehen deutlich wachsende Ausgaben in Nicht-OECD-Ländern gegenüber: So sind etwa in China die F&E-Ausgaben der Wirtschaft 2010 um 29,5 Prozent gegenüber dem Jahr davor gestiegen, in Indien um 20,5 Prozent.

Höhere öffentliche Ausgaben

Im OECD-Raum konnte zwar ein Teil des Rückgangs von Forschungs-Mitteln der Wirtschaft durch höhere öffentliche Ausgaben aufgefangen werden (Anstieg von 0,78 Prozent des BIP auf 0,82 Prozent im Jahr 2009), die OECD warnt angesichts des Rückgangs in der betrieblichen F&E dennoch vor negativen Auswirkungen auf Innovation und das langfristige Wachstum in der OECD. Vor allem Risikokapital-Investitionen und Firmengründungen sind laut der Studie noch nicht wieder auf dem Niveau vor der Krise gelandet. Außerdem habe die Langzeitarbeitslosigkeit unter qualifizierten Arbeitern zugenommen, was vor allem in sich schnell verändernden Bereichen wie Biotechnologie, Luftfahrt und IT zu Qualifikationsproblemen führen kann.

Der Blick in die Zukunft sieht je nach Ländern unterschiedlich aus: Von der Krise stark betroffene Länder wie Griechenland und Irland werden ihre F&E-Ausgaben in den kommenden Jahren zurückfahren, Frankreich und die USA planen gleichbleibende Ausgaben und andere Staaten wie Dänemark, Deutschland und die Türkei mehr Investitionen. In Österreich sollen die Forschungsausgaben nach Plänen der Regierung bis 2020 auf 3,76 Prozent des BIP steigen. (APA, 13.9.2012)

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