Firmen sparen in der Krise bei der Forschung

13. September 2012, 14:34

OECD-Länder: Die Krise führt zu Rekordeinsparungen bei Ausgaben für Forschung und Entwicklung

Wien - Die Wirtschaftskrise hat in den OECD-Ländern zu Rekordeinsparungen von Unternehmen bei ihren Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) geführt. Diese sind 2009 um 4,5 Prozent gegenüber dem Jahr davor zurückgefallen, wie der am Donnerstag veröffentlichte OECD-Bericht "Science, Technology and Industry Outlook 2012" zeigt. Nicht-OECD-Länder wie China und Indien setzen dagegen weiter auf Investitionen im Forschungsbereich. Österreich bekommt ein positives Zeugnis ausgestellt. Die OECD fordert das Land allerdings zu Reformen im Bildungsbereich auf.

In Österreich sind die F&E-Ausgaben der Wirtschaft zwischen 2002 und 2010 von 1,42 Prozent des BIP auf 1,88 Prozent gestiegen. Inklusive der Staatsausgaben für diesen Bereich gab es zwischen 2005 und 2011 mit einem Plus von 3,6 Prozent pro Jahr sogar den stärksten Anstieg bei den F&E-Mitteln innerhalb der EU. Mit einer Forschungsquote von 2,75 Prozent des BIP liegt Österreich damit 2011 "deutlich über dem OECD-Schnitt", heißt es in der Studie. Dabei kommen 45 Prozent der Mittel von Unternehmen, der Anteil an Mitteln aus dem Ausland ist mit 16 Prozent einer der höchsten im OECD-Raum.

Heiße Eisen in Österreich

Dennoch sieht die OECD einige "heiße Eisen", die Österreich bearbeiten sollte. Im Länderreport empfiehlt sie, einen größeren Teil der Bevölkerung an die Hochschulen zu bringen. Die Kompetenzen in Naturwissenschaften und Technik sollten ausgebaut, die Innovation im Dienstleistungssektor verstärkt und Investitionen in F&E langfristiger werden. Außerdem empfiehlt sie Österreich "Reformen und Reststrukturierungen der Bildung als Teil eines breiteren Innovationssystem".

Den sinkenden Aufwendungen in der OECD stehen deutlich wachsende Ausgaben in Nicht-OECD-Ländern gegenüber: So sind etwa in China die F&E-Ausgaben der Wirtschaft 2010 um 29,5 Prozent gegenüber dem Jahr davor gestiegen, in Indien um 20,5 Prozent.

Höhere öffentliche Ausgaben

Im OECD-Raum konnte zwar ein Teil des Rückgangs von Forschungs-Mitteln der Wirtschaft durch höhere öffentliche Ausgaben aufgefangen werden (Anstieg von 0,78 Prozent des BIP auf 0,82 Prozent im Jahr 2009), die OECD warnt angesichts des Rückgangs in der betrieblichen F&E dennoch vor negativen Auswirkungen auf Innovation und das langfristige Wachstum in der OECD. Vor allem Risikokapital-Investitionen und Firmengründungen sind laut der Studie noch nicht wieder auf dem Niveau vor der Krise gelandet. Außerdem habe die Langzeitarbeitslosigkeit unter qualifizierten Arbeitern zugenommen, was vor allem in sich schnell verändernden Bereichen wie Biotechnologie, Luftfahrt und IT zu Qualifikationsproblemen führen kann.

Der Blick in die Zukunft sieht je nach Ländern unterschiedlich aus: Von der Krise stark betroffene Länder wie Griechenland und Irland werden ihre F&E-Ausgaben in den kommenden Jahren zurückfahren, Frankreich und die USA planen gleichbleibende Ausgaben und andere Staaten wie Dänemark, Deutschland und die Türkei mehr Investitionen. In Österreich sollen die Forschungsausgaben nach Plänen der Regierung bis 2020 auf 3,76 Prozent des BIP steigen. (APA, 13.9.2012)

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12 Postings
Griechenland und Irland fahren die Ausgaben in Forschung zurueck

Was bringt das bitte? Damit die Laender noch weiter zurueckfallen?

Man kann ja lange ueber die Sinnhaftigkeit von Sparmassnahmen diskutieren. Aber Erhoehungen bei der MWst. und Senkung der Forschugsausgaben ist einfach nur Schwachsinn.

Nicht die Firmen - die Manager

Wer bloß einen Fünfjahresvertrag hat und dann weiterzieht, spart immer an der Zukunft.
Der momentanen Management-Elite sind die Unternehmen eher egal bzw zweitrangig hinter den eigenen Interessen.
Das Problem ist, dass wir zuwenig Unternehmer und zuviele Manager haben.

Die IV ist beispielsweise de fakto ein Management-Club, weil Unternehmer mit einem Horizont von mehr als 5 Jahren (zB mehreren Generationen) findet man heute in China, Brasilien, Indien,...
Der Westen hat sich eine Management-Elite zugelegt - und haust damit ab.

Wir benötigen mehr TU und BOKU und viel weniger WU - überspitzt betrachtet.
Allerdings könnte auch die WU sich wieder auf die Ausbildung und Förderung von Unternehmern konzentrieren, keine Manager mehr ausspeien.

Firmen sparen bei der Forschung, der Staat ebenso, und der Staat will sich aus seiner Verantwortung stehlen, um mehr Forschungsgeld von Firmen zu verlangen, die es ihrerseits sicherlich nicht hergeben werden.

zumindest in der Phamabranche ist es oft so, dass grosse Firmen Forschung kaufen, sprich forschungs- orientierte kleine Firmen inkl. deren Ideen einfach einkaufen. Ist vermutlich billiger.

bei bildung und forschung sparen wenns geld knapp ist ist ungefähr so als würde man sich in die hose machen wenn einem kalt ist

naja, wenn die Einsparungen bei

Bleistiften und -spitzern nicht reichen, dann muß halt R&D dran glauben.

Einerseits versteh ich ich es -kostet ja zT wirklich Geld-, andererseits...

Aber was will man machen wenn's heißt "Ich muss das abdrehen sonst dreht die Bank mich ab"?

C.

Nachhaltig Wirtschaften Mangelware.

Notfalls gibt's ja noch die Freunde aus der Politik mit einem "Bailout". Die Finanzwirtschaft hat's ja erfolgreich durchgezogen...

dabei würde azyklisches verhalten wirklich viel bringen

wenn alle meine konkurrenten jetzt bei der forschung sparen, und ich nicht, dann haben alle anderen 1-3 jahre rückstand gegenüber meiner position.

das holt man net so schnell wieder auf.

es ist wirklich erstaunlich: in JEDER Krise wird bei Weiterbildung der Mitarbeiter, Forschung aber auch Werbung gespart. Sprich nicht für das Management

Ja, die Jungs sind halt...

... eher kurzfristig orientiert! ;-)

Was hilft es langfristig in Forschung investiert zu haben, wenn dann in der mittleren Frist das Unternehmen pleite ist?

Ganz so einseitig wie alle tun kann man das Thema auch nicht sehen!

Interessantes Foto zum Beitrag.

Was hat das mit F&E, OECD oder Wirtschaft zu tun?

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