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Graz - Die Radiologie wandelt sich von einer rein diagnostischen Disziplin zur Therapieform: Neben der Behandlung von Gefäßerkrankungen durch die sogenannte Angioplastie, haben sich bei der Behandlung von Leberzellkrebs mittlerweile ebenso radiologisch interventionelle Methoden als Alternativen etabliert. Dies sei etwa bei der Therapie von Brustkrebs der Fall, hieß es am Donnerstag anlässlich der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Radiologie (ÖERG) in Graz.
Im Bereich der Brustkrebstherapie könnte die minimal-invasiv vorgehende interventionelle Radiologie Erleichterungen für Patientinnen mit kleineren Tumoren bringen: "Im Unterschied zur chirurgischen Therapie findet hier keine eigentliche Operation statt. Es werden Nadeln mit geringen Durchmessern durch die Haut in die betroffenen Stellen eingebracht und mittels Radiofrequenz, fokussiertem Ultraschall oder mittels Kälteeinbringung das betroffene Gewebe entfernt", schilderte Michael Fuchsjäger, Leiter der Klinischen Abteilung für Allgemeine Radiologische Diagnostik an der Med-Uni Graz. Die sogenannte Ablation könne meist ohne Narkose durchgeführt werden und die Eingriffsdauer sei kürzer als bei herkömmlichen Methoden.
Durch das bilddatengesteuerte Vorschieben der Elektroden und Nadeln im menschlichen Körper können die bösartigen Läsionen millimetergenau angesteuert werden, so der Radiologe. Anschließend erfolgt direkt am Zielort die eigentliche Therapie, z. B. eine Verkochung eines Tumors. Allerdings, so Fuchsjäger, können Ablationen bei Brustkrebs derzeit nur bis zu einer maximalen Tumorgröße von drei Zentimetern durchgeführt werden.
Bei größeren Tumoren und solchen in Herznähe biete sich die Methode nicht an. Sämtliche Verfahren würden zurzeit in internationalen Studien getestet und auch für Graz plant man im kommenden Jahr klinische Anwendbarkeitsstudien und will bereits Ende 2013 entsprechende Behandlungen in Kooperation mit den Partnern (Chirurgen, Gynäkologen, Onkologen) am Brustzentrum anbieten.
"Die moderne Bildgebung ist heute aus vielen Bereichen der Medizin nicht mehr wegzudenken und somit wird auch die multidisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Fachbereichen ein immer größeres Thema in der Radiologie", hielt Kongresspräsidentin Reingard Aigner fest. Die immer weiter fortschreitenden Entwicklungen auf dem Gebiet der interventionellen Radiologie würden den inter- und multidisziplinären Dialog mit anderen medizinischen Disziplinen ebenso notwendig machen wie die Entwicklungen des Hybrid Imaging. Darunter versteht man die Kombination zweier Methoden - die Schnittbilder des menschlichen Körpers erzeugen - in einem einzigen Gerät. In der Regel handelt es sich dabei um eine radiologische und eine nuklearmedizinische Methode, welche einander hinsichtlich der Information, die sie über krankhafte Veränderungen liefern, ergänzen.
Für Krebspatienten seien diese Techniken, die hohe Bildauflösung und starken Kontrast zwischen den Gewebetypen mit der Darstellung von Stoffwechselvorgängen wie dem Zuckerverbrauch oder spezieller Enzymaktivitäten ermöglichen, von besonderem Interesse, so Marius E. Mayerhöfer von der Uniklinik für Radiodiagnostik der Med-Uni Wien. "Die Hybridverfahren eignen sich praktisch für das gesamte Spektrum bösartiger Tumorerkrankungen - darunter Lungenkrebs, Dickdarmkrebs, Gebärmutterkrebs und Hautkrebs - mit nur sehr wenigen Ausnahmen".
Vor allem Patienten mit bösartigen Tumoren profitieren von der Fähigkeit der Hybridverfahren, frühzeitig Aussagen über die Wirksamkeit der Behandlung, z. B. einer Chemotherapie, treffen zu können. Bleiben beispielsweise Zelldichte und Stoffwechselaktivität eines Tumors trotz mehrwöchiger Therapie unverändert hoch, oder nehmen sie sogar zu, so wird der betreuende Onkologe das Behandlungsschema intensivieren oder verändern. Nehmen Zelldichte und Stoffwechselaktivität hingegen deutlich ab, so kann die Dauer der Therapie aufgrund des guten Ansprechens möglicherweise verkürzt werden. (APA, 14.9.2012)
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