Als Master George zu Mohammed wurde

Hintergrund | Kim Son Hoang
13. September 2012, 14:50
  • In der Mitte: Prophet Mohammed, den man laut islamischem Recht eigentlich nicht abbilden darf.
    foto: youtube.com/screenshot

    In der Mitte: Prophet Mohammed, den man laut islamischem Recht eigentlich nicht abbilden darf.

Die Hintergründe des umstrittenen Mohammed-Schmähfilms werden immer verwirrender, Schauspieler distanzieren sich und der Regisseur ist abwechselnd Jude oder Christ

Rund 14 Minuten reichten, um große Teile der islamischen Welt zu erzürnen. 14 Minuten, in denen der Prophet Mohammed verunglimpft wird. Diese 14 Minuten sind Teil des Films "Innocence of Muslims" (Die Unschuld der Muslime), den man unter normalen Umständen als Werk allerunterster Trash-Schublade ignoriert hätte. Nun aber ist der Film weltberühmt, und mit ihm sein Macher Sam Bacile, der eigentlich gar nicht existiert.

Mittwoch, 12. September 2012, der Tod des US-Botschafters im libyschen Benghazi bestimmt gerade die weltweite Nachrichtenlage. Sam Bacile, berichtet das "Wall Street Journal", ist der Macher des Films, der indirekt mehrere Todesopfer forderte. 52 Jahre alt, Immobilienentwickler und wohnhaft in der Nähe von Los Angeles. Er sei ein in Israel geborener US-Bürger, den fünf Millionen US-Dollar teuren Film will er mit Spenden hunderter Juden finanziert haben. In einem Telefon-Interview mit der Zeitung bezeichnet er den Islam als "Krebs". Die Hintergründe des Films scheinen also klar zu sein, und sie passen perfekt, um die Emotionen in der islamischen Welt hochkochen zu lassen: Jüdische Kräfte in den USA greifen aus Hass auf den Islam den Propheten Mohammed an.

Nun wird es aber richtig interessant: Die Nachrichtenagentur AP erreicht Nakoula Nakoula und führt mit ihm in der Nähe von Los Angeles ein Interview. Er hat "Innocence of Muslims" mitproduziert, sagt er. Nakoula, 55, ist koptischer Christ und besorgt über die Diskriminierung seiner Glaubensbrüder durch Muslime in der arabischen Welt. Bacile teile seine Sorgen, erklärt er. Bereits da hat AP den Verdacht, dass Nakoula und Bacile dieselbe Person sein könnten. Nakoula leugnet dies aber und zeigt als Beweis seinen Führerschein her. Zufall oder nicht, Nakoula legt dabei seinen Daumen über die Stelle, an der sein zweiter Vorname steht: Basseley.

Morris Sadek ist ebenfalls koptischer Christ der konservativen Art, er warb für "Innocence of Muslims" auf seiner Website. Über ihn gelangt AP an die Telefonnummer Baciles. Am anderen Ende der Leitung meldet sich aber ein Bewohner jenes Hauses, in dem auch Nakoula wohnt. Ein Sam Bacile ist ihm nicht bekannt. AP hinterlässt trotzdem eine Nachricht und bittet um Rückruf. Bei der Nachrichtenagentur meldet sich schließlich Steve Klein, christlicher Aktivist und eigenen Angaben zufolge an Baciles Film beteiligt. Er bestätigt die Interview-Anfrage, wenig später meldet sich Bacile selbst. Deckungsgleich mit dem Interview mit dem "Wall Street Journal" ist er in Israel geboren, und auch hier bezeichnet er den Islam als "Krebs". Nur ist er innerhalb weniger Stunden um Jahre gealtert, jetzt gibt er sein Alter mit 56 an. Seinen Film betrachtet er als provokantes politisches Statement gegen eine Religion, die er verachtet.

Auf seinem Youtube-Profil ist Bacile übrigens 74 Jahre alt, doch nicht nur beim Alter dürfte er es nicht so genau mit der Wahrheit genommen haben. In kalifornischen Registern für Immobilienentwickler taucht sein Name nicht auf, auch israelischen Behörden ist Sam Bacile fremd.

Pseudonyme ohne Ende

Der Verdacht, dass es Sam Bacile gar nicht gibt, bestätigt sich schließlich. Am Dienstag noch gab Steve Klein gegenüber AP an, dass Bacile ein israelischer Jude sei, der sich um Verwandte in Ägypten sorge. Einen Tag später gab er aber zu, dass "Sam Bacile" nur ein Pseudonym sei. Und die Person dahinter ein Christ.

Ob hinter diesem Pseudonym tatsächlich Nakoula Basseley Nakoula steckt, kann momentan nicht eindeutig bewiesen werden. Fakt aber ist, dass Nakoula bis Juni 2011 eine 21-monatige Haftstrafe verbüßt hat, und zwar wegen Bankenbetrugs. Dabei agierte er laut Gerichtsdokumenten unter mehreren Identitäten, unter anderem als Nicola Bacily, Mark Basseley Youssef und Youssef M. Basseley.

Mohammed statt Master George

Ob nun Sam Bacile oder Nakoula Basseley Nakoula: Auch die Hintergründe des Films selbst weisen einiges an Skurrilität auf. Ursprünglich trug das Projekt den Titel "Desert Warrior", erst später wurde der Film in "Innocence of Bin Laden" und schließlich "Innocence of Muslims" umbenannt. Dass es um Mohammed gehen sollte, war den Schauspielern nicht bekannt. Cindy Lee Garcia, die eine kleine Rolle in dem Film spielt, gab gegenüber dem New Yorker Blog "Gawker" an, dass es offizell um das Leben in Ägypten vor 2.000 Jahren gehen sollte. Die Person, die im Endeffekt als mordender und kinderschändender Prophet gezeigt wurde, trug während des Drehs auch nicht den Namen "Mohammed", sondern "Master George". Erst nach dem Dreh dürfte eine Neusynchronisation hinzugefügt worden sein, die noch dazu so ganz und gar nicht zur Mimik der Schauspieler passt.

Auf dem Set lernte Garcia den Regisseur nur kurz kennen. Er agierte sehr zurückhaltend und gab kaum Anweisungen. Es wurde gesagt, dass "Sam Bacile" ein israelischer Immobilien-Mogul sei. Garcia selbst stellte er sich aber als Ägypter vor.

Wann die fragwürdige Neusynchronisation stattgefunden hat, kann nicht eindeutig gesagt werden. Im Juni lief der der Film unter dem Namen "Innocence of Bin Laden" für einige Tage in einem alten Kino auf dem Hollywood Boulevard. Einem Mitarbeiter des Vine Theater zufolge waren anti-islamische Szenen darin noch nicht enthalten. Eingeprägt haben sich bei ihm dafür die Schauspielleistungen der "allerschlimmsten Art". 

Zwischen diesem Zeitpunkt und dem 2. Juli dürfte es schließlich zur Neusynchronisation gekommen sein. Dann nämlich wurde der knapp 14-minütige Trailer auf Youtube online gestellt. Doch erst im September gelangte der Film zu zweifelhafter Berühmtheit, als er in die arabische Sprache übersetzt wurde. Morris Sadek, bereits davor mit Verbalattacken auf Muslime aufgefallen, veröffentlichte das Video auf seiner Webseite, Medien griffen das Thema auf, der weitere Verlauf ist hinlänglich bekannt.

Mittlerweile hat sich die 80-köpfige Crew von "Innocence of Muslims" distanziert. Sie veröffentlichte ein Statement, in dem sie betonte, dass sie sich vom Regisseur in die Irre geleitet fühlt. Da sind sie wohl nicht die einzigen. (Kim Son Hoang, derStandard.at, 13.9.2012)

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Ich frag mich nur grad, wer was davon hat....

....ums Geld gehts ja immer.

Ich hab den Verdacht, das der wirkliche Produzent

jemand ist, der im internationalen Fahnen-Geschäft tätig ist.

Man stelle sich nur die ungeheure Zahl von israelischen und amerikanischen Fahnen vor, die bei solchen Anlässen im gesamten arabischen Raum verkauft werden, um dann genüsslich zertrampelt oder angezündet zu werden...

Von der Firma hätt ich gern Aktien!

:-)

Das Filmchen, das unbedarfte Killergemüter so erregt, ist eigentlich ziemlich langweilig.

In diesem ohnehin aufgeheizten Klima springen die Wahnsinnigen über jedes Stöckchen, das man Ihnen hin hält. Das war schon bei der Koranverbrennung so, das ist jetzt bei diesem Machwerk wieder so. Zu denken geben sollte die mediale Präsenz eines solchen Unfugs bzw. die (von wem? wofür?) angetriggerte virale Verbreitung über YouTube. Warum diese Provokation? Wem nützt sie?

Ganz abgesehen davon: Es ist natürlich völlig balla balla und inakzeptabel, deswegen Gewalt anzuwenden. In einer aufgeklärten modernen Gesellschaft ärgert man sich kurz, denkt "Leck mich doch" und dann ist's auch schon wieder gut und vorbei - vor gar nicht allzu langer Zeit hätte es in unseren Breiten wegen Ketzerei aber wohl ähnliche Reaktionen geben können...

sehr interessant

eigentlich habe ich den artikel aufgerufen, weil ich was über den film und seinen inhalt wissen wollte, unter anderen, wie es sein kann, dass der film solche empörung hervorruft.

was hier steht, sind aber hauptsächlich irgendwelche anschuldigungen gegen einen unbekannten oder unidentifizierten bzw dessen pseudonyme.

wer will das wissen?

Viele Medien bezeichnen das sog. „islamkritische Video“ verantwortlich für die Gewalttaten und Morde im arabischen Raum

Hier unterliegt man einem Irrtum: Nicht ein Video ist verantwortlich für Mord und Totschlag, sondern immer diejenigen Fanatiker die zur Gewalt aufrufen bzw. diese ausüben. Meinungsfreiheit ist ein Menschenrecht seit 1948 u. im 21.Jahrhundert muss es erlaubt sein, auch schlecht gemachte Videos oder Meinungen anderer zuzulassen ohne gleich wem umzubringen.

Sie vergessen eine glitze Kleinigkeit

Menschenrechte sind ein christliches Konzept neutralisiert und universalisiert aber im Kern christlich.

Der Mensch als Ebenbild Gottes im Islam der Mensch erst Mensch wenn er Mohammedaner ist davor nicht.

Absolut richtig. Und wenn man sich ausgegrenzte und existenziell bedrohte Querdenker (ganz unabhängig davon, ob sie Recht haben) in unserer Gesellschaft vor Augen hält, lernt man rasch, dass die Meinungsfreiheit auch bei uns rasch an ihre Grenzen stößt, wenn es um unerwünschte Meinungen geht.

Schritt 1: Diskreditierung als Verschwörungstheoretiker, mittlerweile weitgehend ein Automatismus, der von der schlummernden Schafherde getragen wird.
Schritt 2: Wenn's nicht reicht, dann Zerstörung der wirtschaftlichen Existenz.
Schritt 3: Wenn's nicht reicht, dann auf andere Weise unschädlich machen, inklusive "individueller Endlösung".

Aber das ist eine andere Baustelle. Oder doch nicht?

Wem nützt die weitere Verhetzung auf beiden Seiten?

mein rotes stricherl war für das "wem".

...na logo,

...man stirbt ja auch an der unterversorgung des gerhirns durch blut infolge des verlustes desselbigen durch eine, durch eine kugel verletzte, ader.....

Nicht das der schütze am tod des opfers "schuld" wäre....nööööööö, wer das glaubt möge sich bitte den gegenbeweis einen absatz zuvor lesen !!!

Wer die reaktionen "ahnt", handelt FAHRLÄSSIG, und das ist STRAFBAR.......das hat nix mit freier meinunsgäusserung zu tun. Muslime und nichtmuslime haben sich oft in der geschichte die schädel eingeschlagen, oder wussten sie das nicht ???, dazu braucht es nicht "der freien meinungsäusserung"....wir dachten nur, dass wir über diese zeit hinweg sind !!!

MfG

Gilt Ihr Grundsatz nur fuer Leute die Gegen Moselms hetzen, ...

... oder darf man - Ihrer Meinung nach - auch auch Christen, Juden, Buddhisten oder sogar gegen Sie persoenlich, Ihre Familie und Freunde besudeln - bequem versteckt hinter dem Feigenblatt der Meinungsfreiheit?

Orthodoxe Glaeubige auf der ganzen Welt verwehren sich gegen dieses angebliche "Recht".

Die Altvorderen, die so heldenhaft fuer Meinungsfreiheit und Menschenrechte kampften, taten das sicher nicht fuer diese Hetzer und Brandstifter, sondern um einen ehrlichen, respektvollen Diskurs mit den Maechtigen zu ermoeglichen. Wer gegen Juden hetzt wird hierzulande strafrechtlich verfolgt.

Der Grund warum Moselms fuer so viele im Westen Freiwild sind, ist nichts anders als blanker Rassismus - getarnt als weltoffener Liberalismus.

Also, ich finde, man darf in Filmen alles ins Lächerliche ziehen oder gar verhöhnen. Dazu gehört natürlich auch die westliche Kultur (von mir aus auch ein Filmchen über mich persönlich, aber das macht vermutlich keiner, weil ich nicht in der Öffentlichkeit stehe).

Wenn man ein bisschen im alternativen Filmbereich in Europa unterwegs ist, sieht man, dass tatsächlich nichts (und zwar gar nichts) von Kritik, Hohn und Spott in Filmen verschont bleibt.

"Wer gegen Juden hetzt wird hierzulande strafrechtlich verfolgt."

Nicht nur die Hetze gegen Juden. Aber Hetze ist etwas fundamental anderes als ein Film wie "Die letzte Versuchung Christi" oder dieses seltsame Machwerk jetzt. Besudelung, Hetze ist was anderes, auch wenn das ein relkigiös Verblendeter vielleicht anders sehen möchte. Nur weil jemand meint an irgendetwas oder -jemanden glauben zu müssen oder zu sollen, sollte er nicht die Meinungsfreiheit anderer einschränken.

Sie glauben also nicht, dass die Urheber dieses Filmes genau das erreicht haben, was sie bezweckten?

Die Macher dieses Filmes sind religioes motivierte Hetzer, die sich hinter der Meinungsfreiheit verstecken.

Ich persoenlich hab weder mit dem Islam noch mit den Christen irgendetwas am Hut, bin jedoch erstaunt wie naiv die linke Schickeria hier im Forum ist, indem sie religionsfaschistische Brandstifter verteidigen, die andersglaeubige religionsfaschistische Massen aufhetzt.

Diese Diskussion zeigt, dass sowohl Goebbels, als auch Marx und Dick Cheney recht hatten: Die Masse der Leute sind Lemminige.

Mir ist eigentlich vollkommen egal, was die Urheber dieses Filmes erreichen woll(t)en. Es geht um die Leute, die andere Leute wegen eines Filmes mit Gewalt bedrohen und Gewalt ausüben.

Man sollte vorsichtig in der Formulierung sein: weil religöse Fanatiker wegen eines Filmes sich aufhetzen lassen, heißt das nicht, dass der Film Hetze betreibt.

Wenn dieser Film keine Hetze betreibt ....

.... warum regen sich dann die Leute wegen dem Satz "Heimatliebe statt Marokkaner-Diebe“ auf, und warum ermittelt wegen dieser vergleichsweisen Nichtigkeit die Staatsanwaltschaft?

Ich finde es atemberaubend wie heuchlerisch und intellektuell unehrlich die Leute hier "argumentieren".

Untern Gaddafi und Mubarak hätte es das nicht gegeben. Da haben die Amis die falschen entfernt!

..nein, haben sie nicht !!!

Sytsmewechsel brauchen nicht nur opfer, sondern auch zeit !!!

Dankeschön !

Feiglinge zuendeln unbestraft

Wer immer diesen Film gemacht hat, wusste was er tut. Die Schauspieler wurden hinters Licht gefuehrt, die "Schuld" am Film wurde den Juden in die Schuhe geschoben. Die Moselms wurden gezielt provoziert.

Hinter dieser Tat steckt sehr wahrscheinlich Antisemitismus (warum sonst muessen juedische Fake-Identitaeten als Urheber herhalten?) und ein irrationaler Hass gegen Moslems.

Der Witz ist, dass sich fundamentale Christen wie Nakoula und seine rassistisch motivierte Bande sicher fuehlen koennen. Feige verstecken Sie sich hinter dem Grundgesetz der Meinungsfreiheit. Die US-Behoerden sollten trotzdem alles tun, um diese Bagage hinter Gitter zu bringen.

Moselms?

Und wer einen zu kurzen Rock trägt, provoziert eine Vergewaltigung

Was sie hier sagen ist, die Macher des Videos sind schuld daran, dass diese Menschen ermordet wurden, dass ist klassische Täter-Opfer Umkehr. Wenn nach dem Haderer-Jesus-Cartoons ein paar Menschen von Fundamentalkatholen bei uns ermordet wordet wären, hätten sie dann auch Haderer die Schuld gegeben ?

Komisch dass man bei religiösen Fanatikern mit steinzeitlichem Weltbild immer so bedacht ist, deren Befindlichkeiten nicht zu kränken - so macht man sich allerdings nur erpressbar.

Der Film hat sein Ziel, den Mob dort auf den Strassen und hier in den Foren, erreicht.

Ich würde ja als US-Präsident die Keule auspacken und sowohl den "Filmemachern" als auch diesen "Demonstranten" verbal eine damit runter hauen. Den einen, weil sie ganz bewusst provozieren und den anderen dafür, dass sie bei jedem religiösen Scheiß gleich ausflippen.

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