Mit Nasenbluten ins Krankenhaus?

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    foto: reuters, toru hanai

Nasenbluten tut nicht weh, aber der Stress steigt mit der Anzahl der blutgetränkten Taschentücher - Wann ist ein Arzt erforderlich?

Prinzipiell ist eine Epistaxis harmlos, kann aber trotzdem zum Drahtseilakt werden. Ist der vordere Teil der Nase betroffen, ist die Blutung meist ungefährlich. Denn hier befindet sich ein nur von einem dünnen Häutchen überzogenes dichtes Venengeflecht, das im Locus Kiesselbach liegt. Sind jedoch Arterien beschädigt, rinnt das Blut sturzbachartig aus der Nase. Ein Spitalsarzt ist gefragt. 

Was also tun, wenn die Nase blutet? Das Zurücklegen des Kopfes in den Nacken ist kontraproduktiv. Sinnvoll dagegen ist das Kopfüberneigen, denn nur so lässt sich abschätzen, wie viel Flüssigkeit tatsächlich aus der Nase kommt. Das Auflegen eines kalten Tuches im Genick unterstützt die Verengung der Gefäße. Manchmal schließen sich verletzte Venen auch durch Druck - das Zusammenpressen der Nasenflügel ist generell hilfreich.

Zehn Minuten

Laut Andrea Wieser, Oberärztin an der HNO-Abteilung im Wiener Wilhelminenspital, gilt für den Blutverlust folgende Faustregel: "Wenn die Nase fünf bis zehn Minuten extrem stark blutet, sollte ein Spitalsarzt konsultiert werden. Wer blutverdünnende Medikamente wie beispielsweise Marcumar oder Thrombo ASS einnimmt, sollte bei starkem Nasenbluten rasch ein Krankenhaus aufsuchen."

Hämophilie-Patienten werden im Krankenhaus mittels Thrombotest untersucht, um den Gerinnungsfaktor Christmas festzustellen. Diese Patienten leiden an einem genetisch angeborenen Mangel dieses Gerinnungsfaktors. Generell rät die Expertin davon ab, einen Allgemeinmediziner zu konsultieren, da in den Praxen selten die erforderlichen Instrumente zur Verfügung stehen.

Dominik Riss, HNO-Arzt am Wiener AKH, schließt sich Wieser an: "Als gesunder Mensch ohne Kreislauferkrankung kann man bei Nasenbluten bis zu 15 Minuten warten, bevor die Rettung zu verständigen ist. Schwangere oder gebrechliche Menschen sollten jedoch schon früher einen Spitalsarzt aufsuchen, da bei starkem Blutverlust die Gefahr von Kreislaufproblemen besteht." 

Konservative Behandlung

Der HNO-Arzt lokalisiert die Ursache einer Nasenblutung mit Hilfe einer Lampe und eines Spekulums zum Spreizen der Nasenflügel, während er das Blut zur freien Sicht absaugt. Handelt es sich um eine venöse Blutung, werden die beschädigten Gefäße lokal betäubt und mit einer ätzenden Substanz wie etwa Essigsäure verödet.

Bei dieser Maßnahme ist es wichtig, dass der Mediziner eine möglichst kleine Stelle behandelt. Da Wunden in der Nasenschleimhaut nur langsam verheilen, muss hier sehr exakt gearbeitet werden. Ist ein beschädigtes Gefäß gut erkennbar, kann es auch gezielt mittels Kaustik behandelt werden. Dabei wird das betroffene Gewebe mit elektrischem Strom verödet. In seltenen Fällen kann es als Komplikation zu einer Septumperforation, einem kleinen Loch in der Nasenscheidewand, kommen. 

Hinterer Nasenbereich

"Eine Gefäßunterbindung unter Vollnarkose ist erst notwendig, wenn die Blutung mit den verfügbaren Tamponaden-Maßnahmen nicht stillbar ist. Das ist bei Blutungen aus dem hinteren Bereich der Nase häufiger. In ungefähr zehn Prozent der Fälle kommt es zu Blutungen aus diesem Bereich", weiß Riss aus der Praxis.

Für den Patienten besonders unangenehm ist die Behandlung mit einer sogenannten Bellocq-Tamponade. In Narkose wird den Betroffenen ein weicher Katheter durch die Nase in den Rachen geschoben und mit einer Fasszange aus dem Mund herausgeleitet. Ein Mull-Tampon wird dabei in den Nasenrachen gezogen und verschließt die hintere Nasenöffnung. In der vorderen Nasenöffnung wird ein Salbenstreifen schichtweise in die Nase eingebracht.

Je nach Stärke der Blutung werden verschiedene Arten von Füllmaterial für eine Tamponade verwendet. Die Rapid-Rhino-Tamponade besteht beispielsweise aus einem mit einer Salbe beschichteten Schaumstoffkern bzw. einem Ballon. Die Ummantelung mit Carboxymethylzellulose bewirkt die Ausbildung eines Gels, wenn diese mit Wasser versehen wird. Die dadurch glatte Oberfläche fördert die Wundheilung. 

Häufiges Nasenbluten

"Menschen mit einem auffallenden Blutbild sind häufiger von Nasenbluten betroffen als ältere, rüstige Senioren", sagt Andrea Wieser. Wenn Nasenbluten wiederholt auftritt, kann das an gestörten Gerinnungsfaktoren, Veränderungen in der Nase oder auch an Erbkrankheiten wie dem Morbus Oslar liegen. Hier entwickeln sich im Lauf der Zeit krankhafte Gefäßerweiterungen. Diese Teleangiektasien können überall auftreten, finden sich jedoch besonders häufig in der Nasenschleimhaut. Die Verletzlichkeit der Gefäße führt zu rezidivierenden Blutungen. Häufiges Nasenbluten ist als Leitsymptom der Erkrankung bekannt. (Ute Mörtl, derStandard.at, 21.9.2012)

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