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Keine Badegäste mehr - so sah es im Gänsehäufel am 8. September, einem sommerlichen warmen Samstag, aus. Aber vielleicht ist ja auch das kommende Wochenende noch geeignet.
Das ist ein Geständnis: Ich war noch nie im Gänsehäufel. Nicht privat: Wie oft ich hier schon mit Notizblock, Mikro und/oder Kamera herumhirschte und den Unterschied zwischen Kabinen und Kabanen zu erläutern versuchte, kann ich nicht sagen. Auch nicht, wie oft mir rüstige Rentner hier erklärten, dass die, die ihre (Früh)-Pensionen finanzieren, faul und das allerletzte sind. Oder wie oft mir Badewascheln im "On" die Welt und das Wellenbecken erklärten - und dann im "Off" Rezensionen der Fähigkeiten mancher Damen nachreichten. Egal. Kurz: Das Gänsehäufel ist ein Arbeitsplatz.
Das war so bis heuer im Februar, als die Alte Donau zufror und wir das Bad trockenen Fußes vom Strand aus betraten. Und sahen, dass es toll ist. Ohne jene Menschen halt, die zu beobachten im Job kurz spaßig sein kann - mit denen man sonst aber lieber keinen Kontakt hat. Aber die Strände, die Wiesen und die Betonbauten mit ihren archaischen Beschriftungen: Super! Wo sonst steht heute noch "Aborte" an der Wand?
Wir schlitterten über den Boden des Wellenbeckens, bauten einen Schneemann am Turm, fotografierten die Bojen, die wie Apollo-Kapseln aufgereiht waren, und freuten uns an der lakonisch-resignativen Inschrift "NICHTSCHWIMMER HALT". Und es kam, was kommen musste: "Eigentlich sollten wir uns das auch im Sommer geben." Alle nickten. Aber: Siehe oben.
Einige Monate später, Dene August nämlich, traf ich Christof Schmölzer. Schmölzer ist Zahnarzt. Davor war er Ruder-Weltmeister. Ich erzählte ihm, wie oft ich beim Lauftraining an der Alten Donau den schwerelos vorbeifliegenden Ruderbooten nachgeseufzt hatte. Da lud er mich ein: "Ich organisier' euch ein Schnuppertraining." Uns? "Klar. Rudern ist ein Mannschaftssport."
Mein Umfeld jubelte. Viele dürften schon lange mit der Ruder-Idee gespielt haben. Es war bereits das Ende des Sommers und wir wollten zuerst einmal gaffen gehen. Das Gänsehäufel schien dafür gerade richtig.
Also schlugen wir am vergangenen Samstag, dem wohl letzten Badetag des Jahres, im Gänsehäufel auf. Die Kabanen ließen wir links liegen. Das Wellenbad rechts. Wir gingen zum Oststrand - und wunderten uns: Da war fast niemand. Dabei war das Wetter ein Traum: Ein Bilderbuch-Spätsommertag. Gegenüber füllten sich Terrassen, Stufen und Piers - hier bei uns herüben tröpfelten nur ein paar Leute ein: Der typische Gänsehäufel-Wiener hatte den Sommer offenbar abgeschlossen.
Doch auf dem Wasser ging es hoch her. Da schwamm, trieb oder zog alles Erdenkliche vorbei: Luftmatratzen, dazwischen gemietete Tret-, Ruder- und Elektroboote. Auch Segelboote, Zillen, Kajaks. Elektrisch Betriebenes jedweder Größe. Vom Nano-Schlauchboot über Beinahe-Zodiacs bis hin zur echten E-Yacht. Dass es in Wien so viele Stand-Up-Paddler (Stehpaddler) gibt, hätten wir nie gedacht.
Doch wir wollten Ruderboote. Und die bekamen wir, nachdem wir uns an der nachhaltig-gesunden Vollwert-Kost aus dem Buffet gelabt hatten. "Es gibt grundsätzlich Einer und Ruderer", hatte Schmölzer erklärt. Wie Illustration, zog zunächst Einer auf Einer vorüber: Ruhig, sanft, meditativ wirkte das. Manche schnell, manche langsam - aber meistens wie in Trance. Bei den Zweiern sah es anders aus: Sie waren kompakter. Konzentrierter. Richtige Gespanne halt: Mitunter konnten sogar wir klitzekleine Rhythmus- und Synchronisationskorrekturen ausmachen.
Dann kam gleich ein Klassiker im Wiener Wassersportwesen: Ein Zweier von Nordosten - ein Schwimmer in der Gegenrichtung. Der Mann schwamm am Rücken zickzack. Ein Ruderer sah ihn. Kurswechsel. "Achtung". Keine Reaktion. Kurswechsel. "Achtung!" Wieder nichts. Wie von einem Magneten angezogen ging der Mann nach jedem Manöver des Bootes wieder auf Kollisionskurs. Die Notbremse: Vier Riemen klatschten aufs Wasser. Das Boot stand. "Achtung!" - "Vorsicht!" - "Heeee!" - Nichts. Dann deutlich zu hören: "klock - der Schwimmer knallte Kopf voran gegen das Boot. Doch er blieb unverletzt - sonst hätte er nicht so laut und unflätig fluchen können.
Der Tag tröpfelte: Vor dem Schild "Wasservögel füttern verboten" fütterte ein Mann Schwäne. Als die Vögel ihm zu seiner Decke folgten, rastete seine Frau aus: Wie die Bäderverwaltung es zulassen könne, dass die Vögel Besucher gefährdeten - sie habe ein Baby dabei.
Dann ruderten die Vierer an uns vorbei. Zügig. Schnellschnell. Dynamisch. Harmonisch. Staunen bei uns: "Ur schön! Soooo schwer schaut das nicht aus!" Der Gegenbeweis folgte prompt. Der Steuermann stand auf, um sein Team besser in Griff und im Blick zu haben. Ohne Erfolg: Einer im Boot ruderte rund. Ein zweiter Ruderer hielt fast mit. Der Dritte streckte das Ruder nach oben. Der Vierte ließ es mitschleifen und zog dann genau gegengleich zum vorgegeben Takt. Und dann hackte Ruder Drei wie eine Axt nach unten. "Klock."
In diesem Kuddelmuddel krachten auch noch Ruder Eins und Zwei zusammen. Der Steuermann fuchtelte. Nächster Versuch: Klock, Platsch, Klock. Klock. Platsch. "Ministry of Silly Rowing", riefen wir. Und: "Wollt ihr rudern oder fechten?". Wir grinsten so, als könnten wir es. Aber erkannten: So einfach ist es wohl doch nicht. Schmölzer wird - wenn wir demnächst von ihm eingewiesen werden - hoffentlich wissen, worauf er sich einlässt.
Aus dem FKK-Bereiches kam Gebrüll. Ein Badehosenträger war versehentlich hier an Land gegangen. Der Wind trieb einen Wasserball über die Wiese. An ihm klebten die ersten losen Blätter. Ein Mann, der den ganzen Nachmittag eng umschlungen mit seiner Freundin dagelegen hatte, deckte die Frau mit seinem Handtuch zu. Über den Himmel zogen Zugvögel. Sie klangen nach Herbst. (Thomas Rottenberg, derStandard.at, 13.9.2012)
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Weniger ins Schönbrunner Bad gehen und mal die Welt "in echt" erkunden, als als Journalist verkleidet.
Der Beweis, dass Rotti niemals im FFK-Bereich war. Dort gibt es durchaus Männer mit Badehose, auch Frauen, die Badekleidung tragen, und ja sogar Menschen, die noch mehr anhaben.
Seiner Phantasieschilderung zufolge müsste dort permanentes Dauergebrüll herrschen. Für eine zusammenfabulierte Story ist das Geschreibsel dann doch wieder sehr schwach...
Eine der für mich witzigsten/coolsten Begegnungen hatte ich, als ich mal am Weg vom Donauinsel-Südspitz (per Rad) meine Wasserflasche auffüllte und in diesem Moment ein Senior und seine Seniorin zu eben diesem Zweck daherkamen. Er bekleidet, sie mit gar nichts an (dort ist FKK-Zone).
Wir haben uns gegenseitig das Drückerl für den Brunnen gehalten und ein wenig geplaudert. War eine äußerst nette, für mich neue Begegnung und ich fand es toll, dass man in Wien ganz ungezwungen mit einer schätzomativ 70jährigen Nackerten den selben Trinkwasserbrunnen und das Gespräch teilen kann.
Es kann sich also (no na) durchaus lohnen, mit "diesen Menschen" privat zu tun zu haben, aber dann darf man halt kein zsammzwickter Klischeebobo mit Größenwahn sein.
jetzt hat mans den miesen rechten mindergebildeten frühpensionistentachinierern so richtig gegeben.
ich geh seit meiner kindheit ins gänsehäufel, aber so eine abgehobene, arrogante aversion konnte ich in all den jahren nicht aufbauen. aber nichtmal grade rudern können. da gehört auch was dazu.
Das eine bedingt das andere - wenn Sie so eine abgehobene, arrogante Aversion in all den Jahren aufgebaut hätten, dann hätten Sie wohl aufgehört Ihre Freizeit dort zu verbringen.
Ich geh schon lang nicht mehr hin. Unter so vielen Proleten fällt mir immer auf, wie wenig ich mich von ihnen unterscheide. Das ertrag ich nicht.
"Ohne jene Menschen halt, die zu beobachten im Job kurz spaßig sein kann - mit denen man sonst aber lieber keinen Kontakt hat." ... der grund, warum ich zb nicht ins phil geh, ins neni etc: ich geh damit menschen wie ihnen aus dem weg. ich glaub, ich hätt' keinen spaß an der gesellschaft. oder sonst einen nutzen.
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