"Mein Leben" mit Mari Lang: Reality ohne Voyeurismus

13. September 2012, 11:14
  • Mari Lang.
    foto: orf/ramstorfer

    Mari Lang.

ORF will mit Reportageformat ganz nah dran ans Leben - Mari Lang zeichnet Porträts über Menschen mit Mission und Leidenschaft

Wien - Schon bevor ihre erste Sendung on Air geht ist sie für TV-Direktorin Kathrin Zechner eine der großen Zukunftshoffnungen des ORF: Mari Lang. Sie präsentiert ab 17. Oktober das neue Reportageformat "Mein Leben", das ihr, wie sie sagt, "auf den Leib geschneidert" ist. Innerhalb von 25 Minuten zeichnet sie hier intime Porträts von Menschen, "die eine bestimmte Mission und Leidenschaft haben". Das können pilgernde Jungkatholiken ebenso sein wie ein Familienvater, der für seine Überzeugung punkto Tierschutz bis ins Gefängnis geht.

"Ich versuche, in den Alltag dieser Menschen einzutauchen, mitzuerleben, wie ihr Leben aussieht und nachzufühlen, wie sie zu dem wurden, was sie sind", erklärt Lang. Drei Tage lang versucht sie, begleitet von zwei kleinen Kameras, das Leben ihres Gesprächspartners am eigenen Leib zu erspüren. Dafür schlüpft sie auch mal in Boxhandschuhe oder läuft sich die Füße wund. "Dieses Ganz-nah-Dransein ist es, was dieses Format so besonders macht", ist die 32-Jährige überzeugt.

Eine weitere Besonderheit von "Mein Leben", dessen Grundidee mitunter von Mari Lang selbst stammt, sei, dass es einen Kontrast zur aktuellen Schnelllebigkeit und zur Häppcheninformation bildet. "Wir nehmen uns hier 25 Minuten Zeit, um eine Person wirklich zu erleben und ich wünsche mir, dass sich vor allem junge Menschen die Zeit nehmen, mit uns gemeinsam einzutauchen."

Nicht streicheln und auf Aufgenhöhe

Was sie nicht möchte, ist ihr Gegenüber vorzuführen. "In vielen Reality-Formaten geht es darum, voyeuristisch durchs Guckloch zu schaun. Das will ich nicht. Mein Anspruch ist es, jemanden ohne Vorurteile und auf Augenhöhe kennenzulernen, gleichzeitig aber kritisch nachzufragen, wenn ich etwas nicht verstehe oder nachvollziehen kann." Es sei nämlich nicht so, dass sie nur "auf liebe Menschen treffe und wir uns die ganze Zeit gegenseitig streicheln".

Zielgruppe der Sendung sind vor allem junge Leute. Laut Lang kommt "Mein Leben" daher auch optisch sehr jung daher, nämlich durch die Art der Kameraführung und den Schnitt. Quotenvorgaben habe sie vom ORF nicht bekommen, es gehe jetzt erst einmal darum, das Format auszuprobieren und im Vordergrund stehe die Qualität, berichtet sie. Vorerst wird es zehn Folgen von "Mein Leben" geben, eine Fortsetzung ist geplant. Im Radio, wo Mari Lang bisher vor allem auf FM4 präsent war, wird sie bis Jahresende pausieren. (APA, 13.9.2012)

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5 Postings
viel glück ...

... als Fernsehzuschauer finde ich es aber reizvoll voyeuristisch durchs Guckloch zu schauen. Dafür wurde das Medium doch erfunden.

Mein Simmering, mein Favoriten,

mein Leben, meine Fernbedienung, mein Fernsehprogramm…

Hört sich um Welten besser an als die Sendung mit dem Assinger. Trotzdem läuft sie dahinter.

klingt ja vom ansatz her gut.
ich frag mich nur immer was das für leut sind die sich selbst für so wichtig nehmen sich da begleiten zu lassen. da muss man ja schon ein gerüttelt mass an geltungsdrang haben, und das macht mir persönlich solche menschen auf anhieb unsympathisch. (is ein bisserl wie spenden, sowas was macht man für sich ohne es an die grosse glocke zu hängen)

die mari lang ist schon eine liebe

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