Experiment: Schwein vermeintlich mit UV-Strahlen verbrannt

  • Hausschweine haben eine sehr empfindliche Haut . Hautkrebs ist bei Schweinen, die häufig der Sonne ausgesetzt sind, nicht selten.
    foto: apa/mathias rietschel

    Hausschweine haben eine sehr empfindliche Haut . Hautkrebs ist bei Schweinen, die häufig der Sonne ausgesetzt sind, nicht selten.

Mit provozierender Kampagne warnt die Deutsche Krebshilfe vor Hautkrebsgefahr durch UV-Licht in Solarien - Schwein Rosi geht's gut

Berlin - Mit einer außergewöhnlichen Kampagne will die Deutsche Krebshilfe verhindern, dass sich insbesondere junge Menschen den gefährlichen Strahlen im Solarium aussetzen. Im Internet konnte in der letzten Woche ein vermeintliches Experiment beobachtet werden, bei dem ein Schwein im Labor mit UV-Strahlen verbrannt wird. Viele Menschen waren so empört, dass die Aktion im Netz vorzeitig abgebrochen wurde. Doch: „Menschliche Haut reagiert mindestens so empfindlich auf UV-Strahlen wie die Haut eines Schweines", erklärt Eckhard Breitbart, Medizinisches Fachausschussmitglied der Deutschen Krebshilfe und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP). Das Risiko, am besonders aggressiven schwarzen Hautkrebs, dem malignen Melanom, zu erkranken, verdoppelt sich, wenn Solarien bis zu einem Alter von 35 Jahren regelmäßig genutzt werden. Etwa 224.000 Menschen erkranken derzeit in Deutschland jährlich neu an Hautkrebs, 26.000 davon am malignen Melanom. In Österreich sind jährlich etwa 1.300 Personen vom schwarzen Hautkrebs betroffen. Tendenz steigend. "Dennoch bräunen sich etwa 3,5 Millionen Menschen dieser Altersgruppe hierzulande im Solarium, darunter immer noch 167.000 Jugendliche", so Breitbart.

Das vermeintliche Experiment: Über mehrere Tage wird ein Schwein in einem Forschungslabor mit ultraviolettem Licht bestrahlt. Auf eine leichte Rötung der Schweinehaut folgt im Verlauf des „Experiments" ein schwerer Sonnenbrand. Schließlich sind Brandblasen und Entzündungen zu erkennen. Die wissenschaftlich anmutende Webseite, die angeblich von Forschern zur Dokumentation des streng geheimen Tierversuchs erstellt wurde, sorgte in den vergangenen Tagen für eine Welle der Empörung im Internet. Hunderttausende Internetnutzer - insbesondere junge Menschen - diskutierten das Experiment. Doch dann kommt die Entwarnung im Rahmen der Sendung stern TV: Der Laborversuch war nur gespielt, dem Schwein geht es gut. Hinter dieser provozierenden Kampagne steckt die Deutsche Krebshilfe, die mit den drastischen Bildern vor allem junge Menschen wachrütteln will.

Junge Solariennutzer

"Solarien sind eine vor allem von jungen Menschen stark unterschätzte Gefahr", betont Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe. "Wir können gar nicht genug davor warnen: Wenn ich regelmäßig ins Solarium gehe oder mich stundenlang in die Sonne lege, gefährde ich meine Gesundheit, riskiere Hautkrebs und bringe vielleicht sogar mein Leben in Gefahr."

Wie groß der Handlungsbedarf ist, zeigen die Ergebnisse der SUN STUDY 2012: Solariennutzer sind jung. Vor allem Menschen bis zu einem Alter von einschließlich 35 Jahren setzen sich besonders häufig künstlichen UV-Strahlen aus. Derzeit sind dies etwa 3,5 Millionen Bundesbürger. Schockierend: "Etwa 167.000 der derzeitigen Solariennutzer sind minderjährig. Nach geltendem Recht müssen Betreiber von Sonnenstudios Jugendlichen den Zugang zu Solariengeräten aber verweigern", erklärt Breitbart. "Wir müssen vor allem die junge Bevölkerung noch deutlicher über die Risiken der Solariennutzung aufklären", fasst Nettekoven zusammen.

Rosi in der Maske

Ein Schicksal, dass dem Schwein Rosi erspart geblieben ist. Rosi heißt eigentlich Smarty und hat bereits in vielen Filmen und Werbespots mitgespielt. Sonnenbrand und Wunden sind das Werk professioneller Maskenbildner, die Forscher im wirklichen Leben Schauspieler, die UV-Strahlen blaues Licht und das Forschungslabor ein Filmkrankenhaus in Berlin. Innerhalb von knapp zwei Tagen wurden Filme und Fotos erstellt, die auf der Forscher-Webseite einen Versuchsverlauf von acht Tagen simulieren, auch die auf der Webseite veröffentlichten Vitalparameter scheinen einem realen Versuchsverlauf zu entsprechen. In enger Zusammenarbeit mit einem Veterinärmediziner wurde während der Filmarbeiten der Gesundheitszustand des Filmschweins am Set permanent überprüft.

Passend zur aktuellen Kampagne bietet die Deutsche Krebshilfe eine Mobile Application zur Kampagne, die "App in den Schatten". Hier kann jeder seine Freunde mit dem Smartphone im Zeitraffer altern lassen und die sichtbaren Folgen übermäßiger UV-Strahlen erleben. (red, 13.9.2012)

Den Download der App sowie alle weiteren Informationen gibt es auf der Aktionsseite "Rosi hat Schwein gehabt".

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