Firmenausbau ja, Verkehrsstau nein

30. Juni 2003, 20:04
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Nach neuen Wegen aus dem Megastau sucht man derzeit im verkehrsgeplagten Wiener Neudorf bei Wien

Wiener Neudorf/Wien - Wiener Neudorf sei eine einzige große Firma, betont der Bürgermeister der Wiener Südrandgemeinde, Herbert Janschka von der Unabhängigen Liste Umweltforum. Also müsse auch die weitere Entwicklung - wie in einem Unternehmen - koordiniert ablaufen.

Und zwar unter Berücksichtigung von Problem Nummer eins: der Verkehrsflut. Diese sei in der zwischen Shopping City Süd, Südautobahn und Bundesstraße 17 eingeklemmten Marktgemeinde nur mehr im Rahmen einer "Win-Win-Situation" zu meistern: "Also haben wir ein Pilotprojekt gestartet: Ein Mediationsverfahren unter Beteiligung der Gemeinden, des Landes und der ausbaubereiten großen Firmen im Ort - Palmers, Universale und Eco Plus mit seinem Industriezentrum NÖ Süd."

Ziel der Übung seien "ein Masterplan und ein Generalverkehrsplan" für die 12.000-Einwohner-Gemeinde, ergänzt der Mediator, Thomas Prader. Weil die drei großen Firmen für eine Million Quadratmeter hochwertiges, in ihrem Besitz befindliches Betriebsgebiet dringende Bebauungspläne hätten. Ihren Repräsentanten aber sei klar geworden, "dass die Gemeinde in Sachen Verkehr an der Grenze der Belastbarkeit angelangt ist".

Beidseitige Vorteile

Prader schwebt eine Lösung "mit Vorteilen für die geplagten Anrainer" vor; diese hätten den Vertreter des verkehrskritischen Umweltforum Janschka mit Grund zum Ortschef gekürt. Aber auch die Firmen sollten von dem Mediationsverfahren profitieren - eine Absicht, die Palmers-Sprecher Andreas Liebsch durchaus honoriert: "Wachstum ist nicht verhinderbar, es kann höchstens zeitweise aufgehalten werden. Die einzige Frage ist, ob es chaotisch oder geordnet abläuft."

Diese Ordnung sollte sich unter anderem in sinkenden Pendlerzahlen ausdrücken, ergänzt Janschka: "Derzeit haben nur wenige Hundert Wiener Neudorfer Bürger im Ort Arbeit gefunden: Sie pendeln aus, weil sie als Maturanten und Akademiker für das lokale Jobangebot überqualifiziert sind. Während täglich an die 12.000 Menschen in unseren Ort einpendeln: Weil sich das Jobangebot oftmals im C-Segment erschöpft."

Neuland

Ein Problem, das man bei Palmers durchaus erkannt hat. Doch, so Liebsch: "Wir wollen dem Mediationsverfahren nicht vorgreifen." Letzten Endes betrete man hier "absolutes Neuland": Ein Aspekt, der für Friedrich Zibuschka, den ranghöchsten Raumplaner des Landes Niederösterreich, im Mittelpunkt des Interesses steht.

Er sieht die Wiener Neudorfer Mediation als "Vorbild" für kommende große Herausforderungen im Norden der Metropole Wien. "Wenn man sich vor Augen führt, was für ein Entwicklungsprozess zum Beispiel dem Marchfeld oder dem Weinviertel bevorsteht, so merkt man erst, wie wichtig derartige alternative Lösungsstrategien in Zukunft sein werden." (Irene Brickner/DER STANDARD, Printausgabe, 1.7.2003)

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